Man fühlt sich abgespannt, niedergeschlagen, lustlos und müde. Wahrscheinlich ist es der Stress, die nicht hundertprozentig auskurierte Grippe oder das Wetter. Man tippt zunächst auf alles andere, nur nicht auf das Naheliegendste.
So können aus Matratzen, Wänden, Teppichböden und Möbel Gase ausströmen, die langfristig zu ernsthaften Krankheiten führen. Die Mediziner teilen typischen Beschwerden in vier Kategorien ein:
Neurologische Symptome wie geistige Ermüdung, Erschöpfung, Lethargie, Gedächtnis-, Sprach- und Konzentrationsstörungen, Depressionen, Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel und Krämpfe.
Allergische Symptome rinnende Nase, tränende Augen, Gliederschmerzen und Schleimhautreizungen.
Hautprobleme Rötungen, Brenn- und Juckreize.
Immunsystem Schädigungen verstärkte allergische Reaktionen und erhöhte Krankheitsanfälligkeit.
Wie der Körper reagiert hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von den Lebensgewohnheiten des Bewohners, der Aufenthaltsdauer in den belasteten Räumen, vom Alter oder der Veranlagung des Bewohners.
Allgemeine Regeln wie: "Asbest verursacht Atemnot" oder "Schimmelpilze reizen die Schleimhäute" können daher nicht aufgestellt werden. Bei dem einen trifft es eben zu, bei dem anderen nicht oder etwas ganz anderes. Die Beschwerden geben nur erste Anhaltspunkte:
Wohngifte
Vorkommen
Wirkung
Blei und Nitrat
In vielen Altbauten stecken
Bleirohre, über die Blei ins Trinkwasser gerät.
Die schleichende Vergiftung
führt zu Müdigkeit, Herz- und Kreislauferkrankungen.
Formaldehyd
Formaldehyd gilt als Wohngift
Nummer eins. Es tritt über Jahrzehnte hinweg aus Spanplatten, Klebstoffen,
Lacken, Farben und Isolierschäumen in die Raumluft aus. Auch offene
Flammen und Zigarettenrauch setzen Formaldehyd frei. Allein das Rauchen
von zehn Zigaretten kann in einem Zimmer zu einer überhöhten
Konzentration führen.
Augen- und Schleimhautreizungen,
Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Mattigkeit, Depressionen. Es besteht der
Verdacht, daß die Gase krebsauslösend sind.
Holzschutzmittel
Gemeint sind Pestizide wie
Lindan und PCP (Pentachlorphenol). Sie stecken in Mitteln, mit denen Holz
imprägniert oder gestrichen wird. PCP enthält Dioxine und Furane,
seit 1990 sind Produktion und Verwendung verboten.
Betroffene klagen über
Atemwegsprobleme, Allergien, rheumatische Erscheinungen, Kopfschmerzen,
Schwindelgefühle. PCP ist eindeutig krebserzeugend. Es verursacht
Mattigkeit, Störungen der Nieren- und Leberfunktion und in Ausnahmefällen
Chlorakne und Dioxinschäden.
Lösemittel
In Farben, Klebern und Lacken,
Reinigungs- und Abbeizmitteln sowie Teppichen enthalten. Perchlorethylen,
kurz PER genannt, verseucht vor allem Wohnungen neben oder über einer
chemischen Reinigung. PER lagert sich auf Lebensmitteln, insbesondere Fetten,
ab.
Lösemittel stehen in
Verdacht, Krebs auszulösen. Sie verursachen trockene, gereizte Schleimhäute,
Schwindelgefühl, Sprech- und Sehstörungen sowie Leberschäden.
Radon
Vorwiegend in Regionen,
in denen Bergbau betrieben wird, kann Radon aus dem Untergrund in Häuser
eindringen und sammelt sich wie unter einer Käseglocke an. Das radioaktive
Edelgas strömt auch aus Gipsplatten, die aus Chemiegips hergestellt
sind. Vor allem Phosphat-Chemiegips ist hoch radioaktiv. In der Industrie
wird Phosphatgips aber seit längerem nicht mehr eingesetzt.
Schwermetallisotope lagern
sich in den Bronchien ab und können Lungenkrebs erzeugen.
Schimmel und Bakterien
Neue Wärmedämm-
und Bauverordnungen, zum Beispiel für dichtschließende Fenster
mit Lippendichtungen, verhindern oftmals einen kontinuierlichen Luftaustausch.
In feucht-warmen Räumen nisten sich gerne Schimmelpilze, Hausstaub-
und Vorratsmilben ein. Besonders attraktive Stellen: Feuchte Wände
und Tapeten, Fugen in Bad und Küche, Rückwände von Schränken
und Regalen, aber auch die Erde von Zimmerpflanzen.
Bereits ein 10-Schilling-großer
Schimmel-Fleck gibt Millionen von Sporen ab, die wir über die Atemwege
aufnehmen. Die Folge: gereizte Schleimhäute in Augen und Atemwegen,
häugige Infekte, Müdigkeit.
Kommentare oder Fragen an Experten, unsere Redaktion oder andere User posten!