Was bedeutet Ausbauhaus?

Dem geringen Preis dieser Fertighausvariante steht eine hohe Eigenleistung gegenüber. Für ein Ausbauhaus sollten sich nur begabte Handwerker mit guten Beziehungen entscheiden. Es gibt exakte Vorgaben, was beim Ausbauhaus geliefert werden muss und was nicht.

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Die Ausbaustufe mit dem niedrigsten Fertigstellungsgrad ist das Ausbauhaus. Sicher: Mit handwerklichem
Geschick und guten Connections im Freundes- und Bekanntenkreis kommt Ihnen die Fertigstellung eines Ausbauhauses günstiger als der Kauf einer schlüsselfertigen Variante. Andererseits sollten Sie aber auch bedenken, dass die persönliche Übernahme der Ausbauarbeiten viel zusätzliche Arbeit und Organisation bedeutet:

  • Handwerker finden und beauftragen
  • Bauaufsicht übernehmen
  • Kostenvergleich, Kontrollen und Abnahmen organisieren
  • Risikoübernahme des gesamten Baugeschehens


Entscheiden Sie sich also nur dann für ein Ausbauhaus, wenn Sie handwerkliches Geschick oder zumindest die Personen mit der entsprechenden Ausbildung und Erfahrung im Freundes- und Familienkreis haben. Obwohl die Leistungen der Fertighausanbieter variieren, an bestimmte Vorgaben haben sich alle verbindlich zu halten. Was also muss in einem Fertighaus der Ausbaustufe 1 bei der Übergabe an den Besitzer erledigt sein? Der österreichische Fertighausverband definiert den Leistungsumfang für seine Mitglieder wie folgt:

  • Einreichpläne: An die Baubehörde gehen der Einreichplan (3-fach), Bauansuchen, Baubeschreibung, Energieausweis, gem. Energieausweisvorlagegesetz.
  • Unterbau: Sind Keller oder Fundament nicht in der Leistungsbeschreibung des FH-Herstellers enthalten, muss dem Auftraggeber ein Umrissplan, beim Keller ein Lastenblatt des Fertighauses übergeben werden. Die Einhaltung des Umrissplans ist vom Hersteller zu kontrollieren.
  • Bauführer: Der FH-Hersteller ist Bauführer mit allen beauftragten Leistungen.
  • Wände: Produktion und Lieferung aller erforderlichen Wände: Außenwände mit den bauphysikalischen Eigenschaften inkl. Wärmedämmung und außenseitiger Fassade oder anderer Bekleidung. Der U-Wert ist verbindlich anzugeben. Innenseitig mind. eine spachtelfähige Oberfläche: Die Innenwände mit mind. einer spachtelfähigen Oberfläche und alle erforderlichen, bauphysikalischen Eigenschaften. Obergeschoße: Einbau der Rohbautreppe vom EG zu den darüber liegenden Geschoßen
  • Bäder/Duschen: Geeignete Materialien an spritzwassergefährdeten Flächen
  • Elektro: Leerverrohrung oder Verkabelung in allen werkseitig geschlossenen Bauteilen
  • Durchdringungen: Alle Durchdringungen der Außenhülle sind regen- und luftdicht herzustellen.
  • Decken: Alle Decken statisch sicher und begehbar ausführen, wenn erforderlich (Übergang beheizbar/ unbeheizbar) – Wärmedämmung und Dampfbremse vorsehen. Unterseitig mind. eine spachtelfähige Oberfläche
  • Dachstuhl: Ausführung lt. statischen Erfordernissen in der Leistungsbeschreibung, mind. für Regenschneelast von sk2,2 kN/m2. Unterkonstruktion für die Dachhaut und entsprechendes Unterdach. Bei ausgebautem Dachgeschoß zusätzlich Wärmedämmung und Dampfbremse, innenseitig mindestens eine spachtelfähige Oberfläche
  • Dach: Dachdeckung, Dachrinnen samt Abläufen und Formstücken bis max. 30 cm unter Kellerdeckenoberkante sowie Spenglerarbeiten im Dachbereich. Ausnahme: Kaminausfassung sowie Aus- und Aufstiege zum Kamin.
  • Fenster/Türen: alle inkl. Außenfensterbänke lt. Leistungsbeschreibung, Beschläge, Abdichtungen, Verglasung und fertiger Oberfläche. Einbau aller Fix- und Wintergartenverglasungen
  • Montage: Anbringung aller Bauteile lt. Leistungsumfang
  • Außenbereich: Herstellung von Balkonen, Geländern, Stützen etc. (lt. Leistungsbeschreibung), Holzschutz für alle außen liegenden Holzteile. Ausnahme: witterungsbeständige Hölzer und gänzlich unbewitterte Teile
     

Unbedingt Leistungsangebot klären

Je nach Fertighaushersteller variieren die Leistungen, die über diese Mindestanforderungen hinausgehen, erheblich! Und deshalb sollten Sie bereits im Vorfeld abgeklärt wissen, ob Sie Ihr Haus mit einer fertig verlegten Fußbodenheizung, mit eingebrachtem Estrich oder einem komplett funktionsfähigen Heizungssystem erhalten. Auch gibt es Ausbauhäuser, die bereits sämtliche sanitäre oder elektrische Installationen beinhalten oder bei denen beispielsweise das Dach komplett wärmegedämmt ist.

Was Sie selbst erledigen müssen

Egal, von welchem Anbieter Sie Ihr Feritighaus kaufen, beim Ausbauhaus müssen Sie mit Sicherheit folgende Arbeiten selbst übernehmen: sämtliche Innenarbeiten das Verspachteln der Wände, das Aufbringen von Estrich und die Installation aller notwendigen elektrischen Leitungen sowie Leerverrohrungen, Ausmalen oder Tapezieren der Innenräume, Montage sämtlicher Innenausbauten.

Das dafür notwendige Material wird Ihnen in der Regel auch vom Anbieter des Ausbauhauses auf die Baustelle geliefert. Darüber hinaus haben Sie sich um folgende Dinge zu kümmern:

  • Bauparzelle als Bauland gewidmet und baureif sowie von der Baubehörde verlangte Unterlagen und Gutachten (z. B. Fluchtlinienplan, Bodengutachten usw.) vorliegend
  • Zufahrtsmöglichkeit zum Grund bzw. Haus muss gegeben sein.
  • Ein Kanal- oder Senkgrubenanschluss bzw. ein Stromanschluss an das Netz des Elektrizitätsversorgungsunternehmens ist möglich.
  • Der nötige Baustrom wird bereitgestellt.
  • Anschlüsse für Bauwasser werden bereitgestellt.
  • Die Finanzierung für den bestellten Leistungsumfang ist sichergestellt.
  • Der vereinbarte Aufstellplatz für Montagekräne und Transportfahrzeuge sowie deren Zufahrtsmöglichkeit sind sichergestellt und nötigenfalls Straßensperren wurden veranlasst.
  • Für die Montage hinderliche Fernleitungen werden zeitgerecht verlegt.


Den behördlich verlangten Auflagen wird zugestimmt, wenn diese von der Fertighausfirma im vernünftigen finanziellen Rahmen erfüllt werden können. Die Zumutbarkeitsgrenze für Sonderauflagen beträgt für den Kunden 10 % der Gesamtsumme (exkl. Unterbau und Hausanschlusskosten).

Hilfe bei Problemen

Als „Ausbauer“ bieten Ihnen seriöse Unternehmen die Möglichkeit, über eine Servicehotline fachmännischen Rat und Profitipps einzuholen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, auf den vom Hersteller eingerichteten Montageservice zurückzugreifen. Dann kommen Profis vor Ort und erledigen die Arbeiten, die Sie persönlich nicht schaffen.

Achtung: Planen Sie bereits vor der Entscheidung für ein Ausbauhaus, wer welche Aufgaben wann übernimmt, um kostenintensive Verzögerungen oder gar Stillstände zu vermeiden!


Autor:

Datum: 27.08.2013

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