Fertighaus: "Von der Stange" war gestern

Wer sich heute für ein Fertighaus entscheidet, erwartet individuelle Planung, Anpassung an die persönlichen Erfordernisse sowie Energieeffizienz und Komfort. Die Fertighausbranche stellt sich darauf ein.

Das Haus von der Stange aus den 70er-Jahren ist mit dem modernen vorgefertigten Wohnbau von heute nicht mehr zu vergleichen. Fertighäuser wurden und werden angeboten als Typenhäuser, welche den Wünschen der Auftraggeber angepasst sind, oder mittlerweile auch völlig individuell geplant.

Viel hat sich getan in der Branche. Und so ist auch der eine oder andere gute Architekt mit im Boot, hat man doch erkannt, dass speziell im Holzbau so gut wie alles möglich ist und sie sich dank bewährter und geprüfter Wandaufbauten der Hersteller viel Detailarbeit ersparen. Es passiert nicht selten, dass ein vom Wunscharchitekt geplantes Haus dann von einem flexiblen Fertighausanbieter in Teilen vorgefertigt und aufgestellt wird. Selbst auf der Technischen Universität Wien, die sich über Jahrzehnte heftig dagegen gewehrt hat, gibt es mittlerweile eine entsprechende Ausbildung für Vorfertigung.

Die Grenzen der Individualität

Das mit der individuellen Architektur hat einen Haken. Sie wird viel zu häufig von der Macht der Baubehörden eingeschränkt, die oftmals stockkonservativ nur Altbewährtes zulassen, und zwar unter dem Mäntelchen der Ortsbildpflege. Da darf das Ortsbild nicht gestört werden, Höhe und Dachform müssen sich der Gesamtoptik der Region unterordnen usw. Kein Wunder also, dass trotz aller Möglichkeiten das sogenannte 08/15-Haus immer noch existiert. Kein Wunder auch, dass man gelegentlich von ödem Stadtbild, gesichtsloser Architektur und charakterlosen Gebäuden spricht. Das liegt aber nicht am Fertighaus, sondern eher an der restriktiven Handhabung der Gesetze durch die Baubehörden.

Was will der Kunde?

Der Fertighauskäufer ist energiebewusst und verlangt Niedrigstenergie- oder Passivhausbauweise, bevorzugt die entsprechende kubische Architektur, legt Wert auf Solar- oder Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen usw. und ist auch bereit, für diese Energieeffizienz etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Sei es, um langfristig der eigenen Börse oder generell der Umwelt etwas Gutes zu tun. Auch ein solches Haus kann barrierefrei gestaltet werden, z. B. mit einem eingeplanten Lift, der dann mit Strom aus der hauseigenen Photovoltaik- oder Windenergieanlage betrieben wird.

Betrachtet man aber den Durchschnittsbau – ungeachtet ob Fertighaus oder individuell gebaut – ergibt sich, dass nur mehr etwa 10 bis 15 % der Bauherren aktuell konventionell neu bauen (U-Wert 0,50), etwa gleich viele haben sich der Passivhausbauweise (UWert 0,10) verschrieben, der überwiegende Anteil aber bevorzugt Mittelwerte wie beim Niedrigenergiehaus (U-Wert 0,25). Man will also beim Bau nicht allzu tief in die roten Zahlen kommen, dennoch aber möglichst günstig heizen.

Offene Architektur beliebt wie nie

Egal ob Typenhaus oder individuell geplant, ob Bungalow oder Stockhaus. Man legt wieder mehr Wert auf das Miteinander. Die Grundrisse der Häuser teilen sich in den möglichst großen und offenen sozialen Bereich und die ganz private Rückzugsmöglichkeit für jedes Familienmitglied. Offen im wahrsten Sinne des Wortes sind die Bereiche Kochen, Essen und Wohnen in einem großen Raum vereint. Allerdings bestens strukturiert. Diese Konzeption ermöglicht nicht nur, miteinander zu speisen, sondern schon die Vorbereitungen dazu gemeinsam zu treffen. Selbst gemeinschaftliches Kochen mit Gästen und/oder Kindern ist dank der offenen Bauweise und dem damit verbundenen größeren Platzangebot ganz einfach möglich. Einrichtungsmäßig aufeinander abgestimmt und dennoch individuell gestaltet, bieten Küche, Ess- und Wohnzimmer eine komfortable Einheit.

 Musterhäuser als Inspiration - nicht mehr

Man kann es nicht oft genug betonen: Die Musterhäuser in den Fertighausparks sollen eine Vorschau dessen sein, was die Anbieter heute offerieren können. Diese Häuser stehen durchschnittlich fünf bis sieben Jahre in den Parks, sind also nicht immer am letzten Stand der Technik oder des Designs. Sie sollen anregen und neugierig machen. Scheuen Sie sich nicht, Ihre persönlichen Wünsche und Vorlieben zu äußern – möglich ist heutzutage fast alles!


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Datum: 18.09.2013

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