Sichtbeton: Vom Baustoff zum Stilelement

Puristisch, avantgardistisch, ästhetisch und edel oder kühl, grau und langweilig industriell? Die Meinungen über Sichtbeton gehen auseinander bei Architekten, Bauherren, Ausführenden und Bewohnern. Wir schauen uns das Material genauer an.

In rohem Zustand belassener, nach der Entfernung der Schalwand nicht weiter verkleideter Beton ist Sichtbeton. Es handelt sich um Flächen, die an einem Bauwerk sichtbar sind und somit die statische Funktion zugunsten einer ästhetischen verdrängen. Durch die speziele Betonierart wird die Struktur einer besonderen Schalung betont. Die oberflächennahen Schichten werden mit besonders feinem Beton ausgeführt, welcher aufgrund seiner Fließfähigkeit und Feinheit die Geometrie und die Oberfläche seiner ehemaligen Schalenbegrenzung gut abbilden kann.

Schalung entscheidet über Optik

Verschiedene Flachmaterialien erzielen unterschiedliche Effekte und eine individuelle Oberfläche kann geschaffen werden. Die wichtigsten Schalungsarten für Sichtbeton im Überblick:

  • Rahmenschalung: herstellergebundene Systemschalung, bei der die Maße für Rahmengrößen und Ankerbohrungen feststehen und Ankerstellen wie auch Fugenraster nicht verändert werden können. Vielfach entscheidet man sich aus wirtschaftlichen Gründen für diese Art der Schalung. Ein spezielles Muster kann also nicht realisiert werden.
  • Trägerschalung: hier sind Ankerstellen, Schalplattenstöße und Elementaranordnung nach individuellen, gestalterischen Gesichtspunkten planbar und einer anspruchsvolleren Optik der Sichtbetonfläche wird genüge getan.
  • Saugende Schalung sorgt für dunkle Oberflächen mit wenigen Poren und einer Oberfläche, die geringere Farbunterschiede und weniger Marmorierungen bzw. Wolkenbildungen aufweist. Das Absanden solcher Sichtbetonoberflächen ist möglich.
  • Nichtsaugende Schalung: es entstehen hellere Oberflächen mit relativ vielen Poren, die Oberfläche ist empfindlicher was Farbtonunterschiede, Marmorierungen und Wolkenbildung anbelangt.
  • Glatte Schalung: hier kommt es vermehrt zu oben erwähnten Effekten wie Farbtonungleichheit oder Marmorierung.
  • Texturierte Schalung: Farbunterschiede und Poren fallen wenig bis gar nicht auf

Farbe und Bearbeitung

Beton ist grau, und dieser Grauton beeinflusst die Wirkung einer Sichtbetonfassade sehr stark. Gewisse architektonische Effekte können aber durch die Auswahl des Zements beeinflusst werden. Weißzement etwa schafft sehr helle, Portlandschieferzement eher dunkle Oberflächen. Sogar die Herstellung von farbigem Beton ist durch die Zugabe von Pigmenten möglich. Auch beeinflussen schon geringe Schwankungen im Wasserzementwert (Verhältnis Wasser zu Zement) die Helligkeit des Sichtbetons.

Neben den Gestaltungselementen Schalung bzw. Flächengliederung, Matrize (Einsatz von speziellen Strukturfüllungen) und Farbe bietet sich noch die nachträgliche Bearbeitung der fertigen Betonfläche an, die besonders interessante und ästhetisch ansprechende Oberflächenstrukturen verspricht. Angewandt werden Techniken wie Auswaschen der obersten Feinmörtelschicht, Sandstrahlen oder Flammstrahlen. Auch steinmetzmäßige Arbeitsabläufe wie scharrieren, spitzen, polieren, riffeln, schleifen oder spalten sind möglich. Bei auf diese Weise bearbeiteten Flächen kommen der Zementstein und die Gesteinskörnung gemeinsam zur Geltung, was bei der Auswahl von Gesteinsfarbe, Körnung und Form mitbedacht werden sollte.


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Datum: 13.07.2015

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