Wiener Bauordnung - Wird Eigentum günstiger?

Notkamine sind nicht mehr vorgeschrieben, Stellplätze-Verpflichtung wurde reduziert: Dadurch könnten die Wohnungspreise etwas günstiger werden. Strategie der Stadt ist es aber primär mit niedrigeren Baukosten die Bautätigkeit anzukurbeln.

Mit einer geplanten Novelle zur Wiener Bauordnung (derzeit in Begutachtung) könnten auch die Eigentumspreise für Wohnungen günstiger werden, so Michael Pisecky, Fachgruppenobmann der Wiener Immobilien- und Vermögenstreuhänder und Peter Erlebach, Geschäftsführer wohnnet.at. Im Detail: Die Novelle sieht bei künftigen Neubauten einen Wegfall des Notkamines vor. Außerdem ist statt bisher eines verpflichtenden Autostellplatz pro Wohnung nur noch ein Parkplatz pro 100 Quadratmeter Wohnnutzfläche Pflicht. "Alleine den Notkamin kann man bei 4.000 Euro ansetzen", kalkuliert Pisecky.

Baukosten sinken

"Es handelt sich dabei um eine Ersparnis bei den Baukosten", differenziert dazu Hanno Csisinko, Sprecher von Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Es stelle sich die Frage, ob die Ersparnis weitergegeben wird. Und weiter: "Wir gehen nicht davon aus, dass in Summe günstiger errichtet wird, sondern die Kostenersparnisse für andere Dinge ausgegeben werden." Gemeint: Dadurch könnten hochwertigere Wohnungen zum gleichen Preis angeboten werden. Die Strategie, so Csisinko, sei vielmehr eine sinnvolle Stellplatzregelung sowie günstigeres Bauen grundsätzlich zu ermöglichen, um so die Bautätigkeit und die Zahl der neuen Wohnungen zu steigern. Zudem mussten schon bisher Stellplätze abseits der Wohnung extra gemietet oder gekauft werden, waren also nicht Teil des eigentlichen Eigentumspreises oder der Miete.

Werden diese an Käufer weitergegeben?

Hier muss differenziert werden, meint dazu Peter Erlebach von wohnnet.at: "Im grossvolumigen Wohnbau der vermietet wird, ist anzunehmen, dass die Kostenersparnis sich nicht in den Mietkosten wiederspielgeln wird. Dies kann zu höheren Margen beim Bauträger führen, das letztlich wieder zu verstärkten Wohnbau führen kann. Bei Bauträger-Objekten mit bis zu 20-30 Wohnungen, oder Bauträger, die als Eigentums- oder Anlegerwohnungen geplant sind, sollte sich die Kostenersparnis direkt in den Wohnungskosten widerfinden, da kleine Wohnungen in Wien überdurchschnittlich belastet waren."

Um das Thema zu verdeutlichen hat wohnnet.at ein grobes Rechenbeispiel aufgestellt. Fazit: Zumindest theoretisch sinken die Baukosten - in unserem Beispiel um 2,3 Prozent.

Rechenbeispiel 1:

Neue Sofiensäle 68 Wohnungen auf 5.250 m2 (durchschnittl. 77m2) bei geschätzen Kosten für Notkamin 4.000 Euro und für Stellplatz 8.000 Euro. Ausgangspunkt ist ein geschätzter

Kaufpreis von 258.000 Euro (für 60m2: 4.300/m2x60, nach Preisniveau Wien 1030)

Vor Novelle: 12.000x68 816.000 Euro
Nach Novelle: 8.000x52 416.000 Euro
Baukostenersparnis: 400.000:68

5.882 Euro

pro Wohnung

Baukostenersparnis %: 2,3 Prozent

 

Rechenbeispiel 2:

Wären die 5.525m2 der Sofiensäle komplett mit 50m2-Wohnungen belegt, gäbe 105 Wohnungen. Ausgangspunkt ist ein geschätzter

Kaufpreis von 215.000 Euro(für 50m2: 4.300/m2x50, nach Preisniveau Wien 1030)

Vor Novelle: 12.000x105 1.260.000 Euro
Nach Novelle: 8.000x52 416.000 Euro
Baukostenersparnis: 844.000:105

8.038 Euro

pro Wohnung

Baukostenersparnis %: 3,7 Prozent

Ob Immobilien in Wien nun wirklich günstiger werden, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen.


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Datum: 03.01.2014

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