Marmor poliert, geflammt, bruchrauh oder gesandstrahlt?

Das "Marmorbad" gilt vielen als unerschwinglicher Traum, doch es werden inzwischen Marmor- und Natursteinarten aus allen Erdteilen angeboten, die durchaus bezahlbar sind. Marmor oder Naturstein kann aber nicht überall problemlos eingesetzt werden.

Kein polierter Stein auf den Boden!
Ob polierter Marmor oder Naturstein ... in feuchtem Zustand sind sie Schleuderbahnen! Beachten Sie, dass Marmor ein relativ weiches Gestein und daher recht bruchgefährdet und nicht frostsicher ist. Für den Außenbereich ist Marmor also generell nur sehr bedingt einsetzbar. Wenn überhaupt, dann nur in geschützten Lagen.

Rutschsicher durch Laser oder Chemie?
Fachbetriebe können Naturstein durch eine Laserbehandlung rutschsicher machen - die absolute Rutschfestigkeit gibt es aber nicht! Gut im Markt eingeführt ist auch die chemische Methode. Die Natursteine werden mit bestimmten chemischen Verbindungen behandelt - z.B. mit Flußsäure - und dadurch abgestumpft. Das ist aber absolute Spezialistenarbeit, wobei bei unbekannten Steinarten zuvor Probestücke behandelt werden. Auch muss man wissen, dass die Hochglanzpolitur leidet: Bei harten Marmorarten weniger, bei weicheren Kalkgesteinen aber erheblich.

Bruchrauhe Steine im Trend
Bruchrauhe oder gespaltene Natursteine sind im Kommen. Sie werden in den Bädern vieler Hotelneubauten verlegt, aber auch immer mehr im Privatbereich. Was ist bruchrauh, was ist "gespalten"? Es sind zwei Begriffe für ein- und denselben Vorgang. Im Steinbruch werden Blöcke abgesprengt und durch maschinelle Meißelschläge in Einzelscheiben zerlegt. Nicht jeder Naturstein eignet sich für dieses Verfahren. Geeignet ist Schiefer und insbesondere der skandinavische Quarzit-Schiefer, der extrem hart und widerstandsfähig ist. Sehr gut geeignet sind auch die bekannten Solnhofener Platten, die den Vorteil haben, bereits im Vorkommen gleichmäßig etwa 7 mm stark zu sein, während Quarzit-Schiefer in Scheiben aufbrechen kann, die unterschiedlich dick sind. Hier muss der Verleger dann die dünneren Platten mit Mörtel unterfüttern, woraus eigentlich schon ersichtlich wird, dass das Verlegen dieser Platten nichts für Heimwerker ist, während Solnhofener Platten durchaus von geschickten Selbermachern verlegt werden können. In jedem Fall gilt: Bruchrauhe Natursteine sind Rutschverhinderer erster Güte.

Geflammte Natursteine
Unter geflammten Natursteinen oder geflammtem Marmor versteht man nicht etwa eine "flammige" Zeichnung des Steins, sondern eine spezielle Art der Oberflächenbearbeitung, die den Naturstein rutschfest macht. Die Steinplatten werden einer Hitzebehandlung unterzogen, wobei die oberste Schicht abplatzt und sich eine leicht unebene, rauhe Struktur ergibt. Für Bäder und Terrassen sind sie ideal geeignet.

Marmor und Naturstein kristallisieren
Bei der Kristallisation handelt es sich um ein chemisches Verfahren, glatten Marmor rutschfester zu machen. Das Verfahren ist aber nur für Böden im Innenbereich geeignet. Dabei wird bei bereits verlegten Böden nach einer Grundreinigung der Naturstein mit Stahlwolle aufgerauht, eine Emulsion aufgetragen und dann anschließend auf Hochglanz poliert. Das Verfahren eignet sich auch, um zerkratzte und unansehlich gewordene Böden aufzuarbeiten.
Gesandstrahlter Marmor
Inzwischen sind die Italiener, die man als Weltmeister der Marmorverarbeitung bezeichnen kann, mit der Sandstrahltechnik so weit fortgeschritten, dass sie eine Marmorplatte so aufrauhen können, dass einerseits eine Rutschfestigkeit entsteht, andererseits der Boden aber eben bleibt, was bei bruchrauhem oder geflammtem Stein nicht der Fall ist. Gesandstrahlter Naturstein eignet sich also auch sehr gut für Bäder-Fußböden und Terrassen, Marmor - wie schon ausgeführt - sehr gut für Bäder, aber nur eingeschränkt für Terrassen.

Mit der Stockmaschine rutschfest machen
Ein bewährtes Verfahren ist der Einsatz von so genannten Stockmaschinen, die einem Tellerschleifer nicht unähnlich sehen. Statt einer Schleifscheibe sind jedoch dutzende Hartmetallspitzen eingebaut, die in Gummi gelagert sind. Wenn die Metallspitzen nun auf den Naturstein einwirken, werden hier kleine Abplatzungen erzeugt, die den Stein rutschfest machen. Das Verfahren eignet sich auch für das Aufrauhen von Beton-Terrassenplatten, natürlich nicht für keramische Fliesen und Bodenplatten. Stockmaschinen kann man sich auch bei manchen Maschinenverleihen beschaffen und dann in Eigenleistung arbeiten.


Autor:

Datum: 10.03.2013

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