Lehm, Kalk, Gips: Die "guten" Putze

Die ersten beiden Zentimeter der Wandoberfläche entscheiden über das Raumklima in Innenräumen. Mit Innenputzen auf mineralischer Basis machen Sie wenig falsch. Aber: Achten Sie auf die Zusatzstoffe!

Für immer mehr Haus- und WohnungsbesitzerInnen ist ein gesundes Wohnumfeld und der entsprechend schadstofffreie Innenausbau unverzichtbar. Innenwände werden am besten mit Mineralfarben auf Silikat- oder Kalkbasis sowie mit mineralischen Innenputzen bearbeitet. Letzere sollen im folgenden näher beleuchtet werden.

Kalk oder Kalkzement

Naturkalk ist aufgrund seiner Beschaffenheit absolut hygienisch und es besteht eine große Gestaltungsvielfalt – vom einfachen weißen Anstrich bis zur hochwertigen Ausmaltechnik. Kalk weist alkalische Eigenschaften auf (hohen pH-Wert) und wirkt dadurch antiseptisch. Darüber hinaus fungieren Kalkputzoberflächen quasi als Raumluftfilter: Die diffusionsoffenen Poren des Putzes nehmen Schadstoffe und Belastungen wie Kohlendioxid und Schwefeldioxid auf und bauen sie ab.

Sie können sich generell zwischen reinem Kalkputz und Kalkzementputz entscheiden. Beide Putze sind rein mineralisch und diffusionsoffen, durch den Zementanteil wird letzterer aber druck- und abriebfester. Der reine Kalkputz bedarf zudem einer sorgfältigeren Verarbeitung und ist in der Anschaffung auch teurer. Kalk ist alkalisch, dadurch wirken die Putze wasserhemmend und sind schimmel- wie auch algenresistent, was sie besonders für den Einsatz in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit, also Flure, Küchen, Bäder, Schlaf- und Kinderzimmer empfiehlt.

Lehm und Ton

Lehmputz ist als altbewährte Putzvariante auf gutem und gleichmäßig saugendem Ziegelmauerwerk gedacht und besteht aus Ton, Sand und Schluff. Nach Auftrag als ein- oder mehrlagiger Handputz bzw. Maschinenputz ist für eine ausreichende Belüftung und schnelle Trocknung zu sorgen, um Schimmelbildung durch Mikroorganismen aus der Umgebungsluft zu vermeiden. Damit die feuchtigkeitsregulierende Wirkung des Lehmputzes erhalten bleibt, sollte ein Anstrich unbedingt diffusionsoffen sein.

Aus reinem Ton hergestellte Putze besitzen eine noch stärker ausgeprägte Fähigkeit, Luftfeuchtigkeit aufzunehmen, zu speichern und, wenn die Raumluft zu trocken wird, wieder abzugeben. Tonputz wird mit deutlich weniger Arbeitsaufwand aufgebracht, als Lehmputz. Er trocknet in wenigen Tagen und kann mit einem Tonspachtel veredelt werden.

Gips und Gipskalk

 

Gips ist ein in der Natur häufig vorkommendes Gestein, und neben Lehm das älteste Bindemittel. Er wurde bereits 9000 vor Christus in Kleinasien verwendet. Der Gipsputz zeichnet sich durch Schwindfreiheit und feuchtigkeitsregulierende Wirkung aus, darf aber eben wegen dieses Hygroskopieeffekts (= Wasserbindung aus der Luft) nur im normal belasteten Innenbereich, nicht aber für Nassräume verwendet werden.

Gips- und Gipskalkputze (besonders geeignet für Betondecken) haben eine geringe Wärmeleitfähigkeit und Ausgleichsfeuchte und fühlen sich daher warm an. Der geringe Unterschied zwischen Wand- und Raumtemperatur bewirkt so eine behagliche Atmosphäre im Raum. Die geringe Oberflächenleitfähigkeit wiederum verhindert das statische Aufladen von Gipsputzen. Deshalb ziehen Gipsputze keinen Staub an. Sie sind nicht brennbar und gehören zur Baustoffklasse A. Zudem wird ein Teil des Wassers beim Erhärten des Gipses gebunden. Im Falle eines Brandes wird dieses Wasser freigesetzt und verbessert somit den Brandschutz.


AutorIn:

Datum: 17.09.2015

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  • h.ott@utanet.at schrieb am 02.10.2016 19:42:47

    Sehr geehrte Fr.Kober,
    ich finde ihren Beitrag über Putze gut.Generalisieren sollte sie aber nicht.
    Es werden in der Baupraxis zum Großteil Trockenmörtel(Putze),also industriel
    hergestellte Putze verarbeitet.
    Da gibt es nicht einfach den Kalkputz oder den Gipsputz bzw.Lehmputz.
    Man muss schon sehr gut mit der Materie vertraut sein,damit man die richtige Auswahl trifft.
    Gruß
    HGOTT

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