Die vorgehängte, hinterlüftete Fassade

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden haben geringere Unterhalts- und Folgekosten als konventionelle Systeme. Die Realisierung von Niedrigenergie- und Passivhaus-Standards ist ebenso möglich wie Photovoltaik-Paneele oder Warmwasser-Flachkollektoren.

Im alpinen Raum kann die hinterlüftete Fassadenarchitektur auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Man denke nur an die historische Schindelfassade. Die Zweckmäßigkeit dieser Bauart von Fassaden stand dabei natürlich im Vordergrund. "Die hohe technische Qualität zeichnet sich besonders aus durch größtmögliche Wärmespeicherung und optimale Abführung von Bau- und Nutzungsfeuchte. Im Sanierungsfall kann auch eine wesentliche Verbesserung der Schalldämmung erreicht werden. Alle Anforderungen an Regen-, Schall-, Blitz- und Brandschutz werden technisch einwandfrei erfüllt", erklärt Gerald Zoller vom Österreichischen Fachverband für hinterlüftete Fassaden (ÖFHF). Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) überzeugen, betrachtet man sie über ihre gesamte Lebensdauer, mit ihrer hohen Wirtschaftlichkeit. Da die Systeme sehr langlebig und mit geringem Wartungs- und Instandhaltungsaufwand behaftet sind, amortisieren sich die zunächst etwas höheren Erstinvestition ganz klar. Auf ihren gesamten Lebenszyklus ausgelegt, kommt die VHF laut einer Studie der Donauuniversität Krems sogar gleich teuer wie ihr "größter Konkurrent", das auf den ersten Blick viel günstigere Wärmedämverbundsystem.

Ökonomisch gleich auf, ökologisch besser: Die vorgehängte hinterlüftete Fassade stellt eine bauphysikalisch sowie für das Gebäude und seine Bewohner nachhaltige Alternative dar. Bedenkt man die Fragwürdigkeit der WDVS in Bezug auf Materialien, Rückbau und Entsorgung, geht die VHF in ökologischer Hinsicht als klarer Sieger hervor. 

Konstruktion der VHF

Bei der hinterlüfteten Schale bzw. vorgehängten Fassade wird ein zweites Mauerwerk vorgesetzt oder eine Konstruktion aus Holz oder Metall mit Abstand vor dem tragenden Mauerwerk errichtet, die eine Hülle aus vorgefertigten oder Verbundelementen erhält. Es kommt also zu einer konstruktiven Trennung von Wärmeschutz und Witterungsschutz. Die dazwischen liegende Luftschicht (> 2 cm) sorgt einerseits für Wärmeschutz, beugt aber andererseits einer Überhitzung des Gebäudes vor. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit zur Kombinationen mit einer Wärmedämmschicht.

Das Gesicht des Gebäudes

Die Fassade ist das "Kleid" des Hauses und drückt ihm durch ihre Optik und Materialität gleichsam einen Stempel auf - das gilt sowohl für Neubauten als auch für Sanierungen. Unterschiedlichste Bekleidungsmaterialien und -formen erlauben bei der vorgehängten, hinterlüfteten Fassade maximale Gestaltungsfreiheit. Die Vielfalt an frostbeständigen, dauerhaften Werkstoffen inklusive Kombinationsvarianten ist fast unbegrenzt und reicht von Tafeln aus Faserzement oder Holzzement, HPL- und faserverstärktem Harzkomposit, Alumium und Aluminiumverbundplatten bis hin zum Ziegel, Kupfer, Keramik, Feinsteinzeug und natürlich dem Holz.

Wirtschaftlich und ökologisch

Zu den wirtschaftlichen Vorteilen der hinterlüfteten Fassade zählen unter anderem die gute Demontierbarkeit, die Möglichkeit des sortengetrennten Recycling sowie geringere Unterhalts- und Folgekosten gegenüber konventionellen Fassadensystemen, so Zoller. Die Gesamtenergiebilanz kann dadurch wesentlich verbessert werden. Auch ökologische Vorteile können mit einer VHF erreicht werden: Sie erlaubt die Realisierung von Niedrigenergie- und Passivhaus-Standards und reduziert damit den CO2-Ausstoß. Ebenso können Photovoltaik-Paneele und Warmwasser-Flachkollektoren integriert werden. Begrünte VHF sind ebenso ökologisch sinnvoll. Sie erfordern jedoch eine umsichtige Planung bezüglich Auswahl, Verankerung und Gewicht der Kletterpflanzen.


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Datum: 17.09.2015

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