Schalldämmung: Kampf dem Lärm

Lärm macht krank. Ein baulicher Schallschutz ist daher unumgänglich für ein gutes Wohngefühl. Auch nachträglich kann man Abhilfe schaffen - rasch und effizient.

Viele kennen das Problem: man hört, wenn in der oben angrenzenden Wohnung Stühle gerückt werden, man hört, wenn die Nachbarskinder im Kinderzimmer eine Polsterschlacht veranstalten, man hört, wenn auf der anderen Seite eine kleine Party im Gang ist. Schallschutzmaßnahmen, auch nachträgliche, schaffen hier Abhilfe.
Die bauliche Schalldämmung soll die Weiterleitung von Schall durch konstruktive Maßnahmen verhindern. Unterschieden werden mehrere Arten von Schall:

Luftschall wird von Menschen, Tieren, Maschinen etc. erzeugt und breitet sich in der Luft aus. Der Schall trifft auf Bauteile auf, wird teilweise reflektiert, teilweise in Wärme umgewandelt und an der gegenüberliegenden Seite als Luftschall wieder abgegeben. In erster Linie wird durch die Masse eines Bauteiles die Schallübertragung verringert. Massive Bauteile dämmen Luftschall ein. Ist die Masse z. B. bei einer Wand nicht ausreichend vorhanden, so muss ein zweite Schale errichtet werden. Bei zweischaligen Konstruktionen werden Schwingungen entsprechend gedämpft weitergeleitet.

Beim Körperschall wandern Schallwellen (Schwingungen) vom ausgehenden Objekt (z. B. Ventilator, Waschmaschine) direkt in den Bauteil (Wand, Decke) und werden durch diesen weitergeleitet. An der Körperoberfläche wandelt sich der Körperschall wie bei einer Lautsprechermembran in Luftschall um und wird erst dann vom menschlichen Ohr wahrgenommen. Es ist also darauf zu achten, dass der Körperschall möglichst nicht weitergeleitet wird (schalltechnische Trennung der Bauteile) bzw. nach Möglichkeit gar nicht entsteht.

Trittschall ist eine Sonderform des Körperschalles zu dem auch fallende Gegenstände, Schritte (z. B. mit Holzschlapfen) etc. auf dem Fußboden zählen. Es ist notwendig, die Weiterleitung von Schall durch konsequente Trennung der Bauteile zu verhindern. Dies erfolgt z. B. durch den Einbau schalltechnisch getrennter Bodenkonstruktionen (Estrich auf Trittschall-Dämm-Platten, TDPS). Zusätzlich kann die Entstehung von Trittschall vermieden werden (z. B. Austausch der “Holzschlapfen” gegen “Filzschlapfen”).

Materialien zur Trittschalldämmung

  • Mineralwolle-Trittschalldämmplatten
  • Polystyrol-Hartschaum Trittschalldämmplatten
  • Polyethylen-Schaumstoffplatten für Nassräume und Stiegenbereiche
  • Akustikplatten auf Lattenrost (eventuell mit Schwingungsdämpfern) montiert, Hohlraum mit Mineralwolle ausgefüllt
  • Mineralwolle-Platten auf Tragkonstruktion montiert
  • Abgehängte Decken mit Verkleidungen aus Mineralfaserplatten, Kombiplatten, Mineralwolleplatten usw. mit einer Auflage aus Mineralfasermatten mit Rieselschutz
  • Dämmplatten mit tiefer Eigenfrequenz als Zwischenlage zum Körperschallschutz

Nachträgliche Schallschutzmaßnahmen

Bevor Sie bauliche Maßnahmen setzen, müssen Sie herausfinden, woher der Lärm überhaupt kommt. Nicht immer müssen Wände oder Decken zwischen zwei Wohnungen schuld sein. Die Schallübertragung kann auch über flankierende Bauteile wie Kamine oder Installationsschächte stattfinden. Den genauen Verlauf der Schallwege kann man nur durch spezielle Messungen bestimmen. Erst danach können mit Sicherheit erfolgreiche Verbesserungsmaßnahmen gesetzt werden. Was die wenigsten wissen: Schon bei einer Luftschallschutzverbesserung um 10 dB verringert sich der hörbare Lärm um die Hälfte.

Im folgenden vier Möglichkeiten, wie Sie nachträglich zu mehr Ruhe in Ihren vier Wänden kommen können:

Tipp 1: Decke abhängen

Hierzu werden Gipskartonplatten in einem Abstand von ca. 10 cm punktförmig und elastisch an der bestehenden Deckenuntersicht befestigt und der dadurch entstehende Hohlraum zwischen Decke und Verkleidung wird mit Dämmmaterial voll ausgefüllt. So kann eine Trittschallminderung von bis zu 10 dB erreicht werden.

Tipp 2: Vorsatzschalen montieren

Ihre Wände haben Ohren? Bei diesem Schallschutzproblem mit Trennwänden wirken nachträglich montierte biegeweiche Vorsatzschalen Wunder. Schon mit einer ca. 10 cm starken Vorsatzschale kann eine Verbesserung des Luftschallschutzes von 10 dB erreicht werden - wie gesagt: halb so laut!

Tipp 3: Schallreflexionen verhindern

Geschlossene Räume mit harten Oberflächen wie Betonwänden oder -decken reflektieren den Schall immer wieder und verschlechtern damit die Sprachverständlichkeit massiv. Dieser Effekt lässt sich ganz einfach vermeiden, indem man Wände und Decken mit so genannten Akustikplatten verkleidet.

Tipp 4: Dach-Trittschall bedenken

Bei nachträglichen Dachausbauten bringen die Raumhöhe oder statische Bestimmungen oft rigide Einschränkungen in der Raumgestaltung mit sich. Für die Trittschalldämmung setzt man idealerweise auf den TEL-Distanzboden. Er ist hochbelastbar und hält Gewichten bis zu 500 kg/m2 problemlos stand. Darüber hinaus erreichen Sie bei der geringen Aufbauhöhe von nur 7 cm eine Trittschallminderung auf 30 dB. So stellen Sie den Frieden mit den unter Ihnen wohnenden Hausparteien auf Dauer sicher.


Autor:

Datum: 22.11.2010

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Dämmung

Gut gedämmte und damit energieeffiziente Gebäude schonen die Umwelt und im Idealfall auch unsere Geldbörse – sollte man meinen. Gerade die hoch gepriesenen Wärmedämmverbundsysteme haben aber auch Nachteile.

Ökologische Dämmstoffe boomen. Nicht zuletzt aufgrund der schlechten Energiebilanz von Styropor & Co sowie das ungelöste Recyclingproblem. Eine interessante Möglichkeit: Dämmen mit alten Jutesäcken.

Eine Fassadendämmung muss ganz schön was aushalten! Sto hat seine Dämmlösung dem ultimativen Härtetest unterzogen: Hagelkörner so groß wie Golfbälle? Orkanartiger Sturm? Und gleichzeitig Starkregen? Kein Problem, StoTherm Classic® hält alles aus!

Hanf – zu Unrecht ist diese Pflanze durch Missbrauch in Verruf geraten. Jetzt erlebt Sie eine 2. Jugend. Die Vorteile dieser Pflanze zur Dämmung werden im Öko-Line Dämmsystem genutzt. Hanf dämmt grüner und ist die ökologische Alternative für die Fassade.

Enge Platzverhältnisse oder schwierige bauliche Gegebenheiten und dennoch dem Anspruch nach einer perfekten Dämmung gerecht werden – ein Problem, das Planer und Architekten nur zu gut kennen. „Austrotherm Resolution“, ein neuartiger Dämmstoff aus Resol-Hartschaum, macht jetzt Schluss mit Kompromissen bei der Einhaltung des U-Wertes.

Frei zugängliche Rohre für Heizung und Warmwasser müssen gedämmt sein. Das ist nicht nur Gesetz, es trägt auch in großem Maße dazu bei, Energie und somit bares Geld zu sparen. Machen Sie bald einen Kontrollgang durch Ihren Keller.