„Atlas der Bioenergie Österreich“: Wien sparsam, aber unsauber

Der Österreichische Biomasse-Verband zeigt im frisch publizierten Energie-Atlas auf, wie die Bundesländer in Sachen Energiewende ticken. Wien führt mit dem geringsten Energieverbrauch und dem geringsten CO2-Austoß pro Kopf. Weniger grün in der Hauptstadt: die Abhängigkeit von fossilen Energien und Energieimporten. Der Anteil erneuerbaren Energien dümpelt im Österreich-Vergleich weiter dahin.

Die gute Nachricht vorweg: Die Wienerinnen und Wiener verbrauchen die wenigste Energie pro Kopf (83 Gigajoule, 23.000kWh). Laut den publizierten Zahlen kommt der Bundeshauptstädter im Vergleich nicht einmal auf die Hälfte des Wertes der Ober- oder Niederösterreicher. Auch bei den Treibhausgasemissionen hat Wien beste Karten. In den letzten 25 Jahren sind diese um fünf Prozent auf 7,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gesunken. Die Pro-Kopf-Emissionen Wiens sind die niedrigsten in Österreich und betragen mit 4,4 Tonnen CO2 nicht einmal die Hälfte des österreichischen Schnitts von 8,9 Tonnen. Aktuelle Hauptverursacher der Wiener Treibhausgasemissionen sind die Sektoren Verkehr (43 %), Energie (20 %) und Gebäude (17 %).

Schlusslicht bei erneuerbaren Energien

Kein Ruhmesblatt: Der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch beträgt in Wien nur 11 Prozent, das ist mit Abstand der niedrigste Wert in Österreich (Bundesschnitt: 33 %). Beim Pro-Kopf-Einsatz erneuerbarer Energien liegen die Wiener mit 9,4 Gigajoule abgeschlagen an letzter Stelle.

Fossile Energieträger wie Erdgas (für Strom und Wärme) und Erdöl (im Verkehrssektor) sind weiter beherrschend. Unter den erneuerbaren Energieträgern dominiert der Bioenergie-Sektor (72 %-Anteil) die Statistik. Wie ein Blick in den Atlas zeigt, ist es allein diesem positiven Ausreißer zu verdanken, dass der Anteil erneuerbarer Energien in Wien die Zehn-Prozentmarke überspringen konnte und nicht bei gut drei Prozent grundelt. Ein Wert den übrigens die Schlusslichter in der EU, Luxemburg und Malta, aufweisen.

Heizung: Erdgas führt im Raumwärme-Ranking

Erdgaskessel sind beim Raumwärmeverbrauch in Wien so dominant wie in keinem anderen Bundesland: Sie nehmen einen Anteil von 57 Prozent ein. 31 Prozent der Raumwärme werden durch Fernwärme gedeckt, überwiegend auf Erdgas-Basis. 13 Prozent entfallen auf erneuerbare Energien, die aus den Wiener Müllverbrennungsanlagen geholt werden. So beliefert etwa das Waldbiomassekraftwerk in Simmering beliefert 12.000 Wiener Haushalte mit Biowärme.

Mehr als die Hälfte des Wiener Stromaufkommens wird importiert

Während andere Bundesländer Stromüberschüsse produzieren, importiert Wien 55 Prozent seines Bedarfs. Zugeliefert wird vor allem aus Deutschland und Tschechien. Laut der auf EU-Richtlinien fußenden Berechnung stammen nur geringe fünfzehn Prozent des Wiener Stroms aus erneuerbaren Ressourcen. Den Löwenanteil der Stromerzeugung entfällt auf Erdgas (30 %). Ökostrom wird zu einem Gutteil aus Wasserkraft gewonnen (elf Prozent), gefolgt von Biomasse (1,8 %). Minimale Anteile halten die Bereiche Photovoltaik (0,4 %) und Windkraft (0,1 %).


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Datum: 07.02.2017

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