AzW: Das beste Haus

Das Architekturzentrum Wien wählte wieder die besten Häuser Österreichs: Aus 112 Teilnehmern kürte die Jury unter dem Vorsitz von Karoline Mayer das Top-Gebäude jedes der neun Bundesländer.

Für „Das beste Haus 2013“ wurde eine mannigfaltige Palette unterschiedlicher Gebäudetypologien unter verschiedensten topografischen Voraussetzungen eingereicht. Die Fachjury, unter dem Vorsitz von Karoline Mayer, Architekturzentrum Wien, war besetzt mit je einer Vertreterin bzw. einem Vertreter für die neun Architekturinstitutionen aus den Bundesländern. Die Jury wählte aus 112 Wettbewerbsbeiträgen in einem ersten Durchgang die besten 29 Einfamilienhäuser, aus denen dann in der zweiten Bewertungsrunde die neun Bundesländersieger hervorgingen. Prämiert wurden herausragende Beispiele von Alltagsarchitektur.

Wien: Villa W

Adolf Bereuter © Adolf Bereuter

Kommentar der Jury: „Die helle Farbe der Fassadenverkleidung und der geschmiedete Aluminiumscreen lassen das klare Volumen elegant mit seinem Kontext verschmelzen. Die differenzierten Raumhöhen in Kombination mit der offenen Galerie, mit hochwertigen Materialien, diagonalen Sicht- und vertikalen Raumbezügen schaffen einen spannenden Innenraum, der gleichzeitig Großzügigkeit und Wärme ausstrahlt. Der wunderbar gelungene nahtlose Übergang zwischen Innen und Außen vermittelt ein Gefühl der Weite. Ein architektonisches und vor allem handwerkliches Meisterwerk. Entstanden für und mit einer BauherrInnen-Familie, die sich bewusst auf gute Architektur eingelassen und auf Lifestyle-Inszenierung verzichtet hat.“ Karoline Mayer, Architekturzentrum Wien

Architekten/Planer: Oskar Leo Kaufmann, Albert Rüf

Niederösterreich: gemini+ wohnlandschaften im wienerwald

Clemens Franke © Clemens Franke

Kommentar der Jury: „Zwei Häuser, so lebendig wie ihre Bewohner. Die im Selbstbau entstandenen Baukörper stehen sich fein gegenüber und berühren sich fast beim gedeckten, gemeinsam genutzten Eingangsbereich. Die Fassade ist aus Stegplatten, die Konstruktion aus Beton und Holz, der Fußboden aus Stampflehm. Die natürlichen Risse im Lehm werden für die Kinder beim Spielen schon mal zur Pferdetränke und dürfen dann nicht geschlossen werden. Ein Badezimmer als Durchgangsraum, die Innenwände sind flexibel und werden sich den zu erwartenden Änderungen einmal gut anpassen. Den Sonnenschutz übernehmen die zahlreichen Obstbäume am Grundstück. Einfach und stimmig.“ Arch. Harald Höller, ORTE Niederösterreich

ArchitektInnen/PlanerInnen: AL1 ArchitektInnen, bauchplan ).(, grundstein und Peter Kneidinger

Oberösterreich: Haus 001

Martina Egger © Martina Egger

Kommentar der Jury: „Erst auf den zweiten Blick erschließt sich die Logik dieses zeitgemäß interpretierten Satteldachhauses. Sie folgt konsequent einem selbstbewussten Programm, das in intensiver, engagierter Auseinandersetzung zwischen Bauherrn und Architekten entwickelt wurde: Kompromisslose Umsetzung der gemeinsam definierten Ziele – sowohl in räumlicher und ästhetischer, aber auch finanzieller Sicht. Der Ausblick auf die Donau samt anschließendem Alpenvorland wurde in die Innenräume über Schwellenbereiche und bewusste Fassadenausschnitte integriert. Die materialtechnische Rohheit ist dem Budget geschuldet, jedoch geschickt inszeniert und mit hohem Gebrauchsmehrwert samt Wohlfühlfaktor umgesetzt.“ Michael Schröckenfuchs, afo - Architekturforum Oberösterreich

ArchitektInnen/PlanerInnen: Moser und Hager Architekten

Tirol: haus most

Wolf Leeb © Wolf Leeb

Kommentar der Jury: „Trotz seiner geringen Dimensionen überrascht das Haus durch eine Vielzahl an Funktionen und unkonventionellen Lösungen. So gibt es 2 separierte, von außen erschließbare Wohneinheiten, einfache Erweiterungsmöglichkeiten durch die außen liegende Treppe oder zusätzlichen Stauraum in einem - nicht genehmigungspflichtigen – in den Hang eingegrabenen Betonrohr. Diese Planungsintelligenz bietet den Nutzern einen hohen Mehrwert trotz überschaubarer Kosten. Auch intern finden sich ideenreiche Design- und Raumlösungen. Neben dem weiten Ausblick ins Tal bieten raumhohe Fensteröffnungen überraschende Blicke auf den rückseitigen, grün bewachsenen Hang. Ein gut durchdachter, bemerkenswerter Beitrag.“ Andreas Flora, Ass.Prof. Dipl.-Ing. Arch.

Architekt/Planer: günter mohr-architekt

Steiermark: Haus SH

Paul Ott © Paul Ott

Kommentar der Jury: „Das kleine Haus wurde vor vielen Jahren von den Bauherren gekauft und seither sukzessive adaptiert. tmp architekten planten nun zum zweiten Mal um und strukturierten nicht nur räumliche Zusammenhänge durch behutsame Eingriffe neu, sondern entwarfen auch einen Wintergarten, der im rechten Winkel an den Bestand anschließt. Das Faltwerk aus Sichtbeton, dessen Form das Satteldachmotiv aufgreift und interpretiert, umfasst wie eine Hand den Raum für die Pflanzen, schottet das Grundstück straßenseitig ab und schafft eine intime Hofsituation. In den Wintergarten ist eine zweite Treppe integriert, was neben neuen Durchwegungen ein bisher undenkbares Wechselspiel von offenen und geschlossenen Raumfolgen ermöglicht.“ Eva Guttmann Haus der Architektur HDA Graz

ArchitektInnen/PlanerInnen: .tmp architekten | tischler mechs projekte

Kärnten: Backboard

Roland Winkler © Roland Winkler

Kommentar der Jury: „Eine gekonnte Sanierung und Erweiterung eines ehemaligen Pförtnerhauses von Architekt Franz Baumgartner, das in Hinblick auf die sonst so maßlos überzogene Bautätigkeit am Wörthersee zu überzeugen vermag. Die Entkernung des Bestandes eröffnet neue Räume und Ausblicke. Der in zweiter Reihe parallel zur Bahnlinie gestellte Neubau beinhaltet die funktionalen Räume und bietet den notwendigen Schallschutz. Mit der gewohnt konsequenten und hochwertigen Innenraumgestaltung ist es ein sehr gelungenes Beispiel für einen zeitgemäßen Umgang mit historisch wertvollem Bestand.“ Arch. Gerfried Ogris, Kärntens Haus der Architektur

ArchitektInnen/PlanerInnen: Winkler+Ruck Architekten

Salzburg: Aufberg 1110

Michael Heinrich © Michael Heinrich

Kommentar der Jury: „Der klar geschnittene Baukörper aus Holz wirkt durch seine Homogenität wie eine Skulptur in der Landschaft, aus dem Hang geformt, einfach und klar. Die naturbelassene, raue Lärchenschalung wird das Haus in Würde altern lassen, es wird immer mehr als Bestandteil der Landschaft verstanden werden. Die Erlebbarkeit des Holzes, scheinbar einfache Details und die zeitgemäße Verwendung hochwertiger heimischer Materialien lassen ein Gebäude entstehen, das eine Atmosphäre von hoher Authentizität und Behaglichkeit generiert.“ Arch. Karl Thalmeier, Initiative Architektur Salzburg

Architekten/Planer: meck architekten gmbh

Burgenland: Forum Limbach

Hertha Hurnaus © Hertha Hurnaus

Kommentar der Jury: „An der Stelle des ehemaligen Schweinestalles wird der Innenhof des Vierkantensembles unkonventionell offen geschlossen. Das transparente Wohn- und Ateliergebäude ist in die historische Struktur eingepasst. Es bietet tiefgehende Einblicke ins eigene Innere und spannende Durchblicke ins jeweilige Dahinter. Es herrscht ein reger Dialog zwischen Außen und Innen sowie zwischen Alt und Neu. Das augenfällige Obergeschoss kokettiert selbstironisch mit seinen Nachbarn. Die Ungeschliffenheit der verwendeten Materialien versprüht einen spröden Charme und einen unfertigen Charakter. Das neue Gebäude signalisiert Aufbruchsstimmung inmitten morbider Substanz - ein beherztes Fortbauen am Bestand.“ Erich Kugler, Architektur-Raum-Burgenland

ArchitektInnen/PlanerInnen: Looping Architecture

Vorarlberg: Umbau Haus S.

Georg Bechter, Adolf Bereuter © Georg Bechter, Adolf Bereuter

Kommentar der Jury: „Die wundersame Wandlung. Zwischen die Mehrgenerationenhöfe in Holz drängen sich im Bregenzerwald der Nachkriegszeit Einfamilienhäuser in Ziegel. Das prämierte Haus verweist exemplarisch auf das Umbaupotential dieser Bauepoche. Der Architekt nimmt kluge räumliche Umschichtungen vor und fügt das Innere zur atmosphärischen Abfolge von Weg und Platz. Das Haus erhält einen wärmespeichernden Mantel aus Strohballen, darin schräg eingestanzt die Fenster, sie holen Licht und Landschaft tief in den Raum. Nach außen verdichten langlebige Schindeln die gelungene Metamorphose. Eine formal und ökologisch nachahmenswerte Alternative zum allseits betriebenen Vollwärmeschutz.“

Architekt/Planer: Georg Bechter Architektur und Design


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Datum: 25.04.2013

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