Porträt Burgstaller

So vielschichtig kann ein Makler sein: Helmut Burgstaller (38) ist bekennender Chaot auf der Suche nach Ordnung. Seine Arbeitswelt eine Statistik. Er ist menschlicher Chef und junger Vater. Als Kobernaußener (OÖ) ein seltsam sympathischer Mensch. Ein Porträt.

2007 hat Helmut Burgstaller sein Unternehmen gegründet. Ohne Kompromisse gleich im 220-Quadratmeter-Büro samt sechs Mitarbeitern. So Mancher hielt ihn schlichtweg für irre. Und 2008 schienen sich die Zweifel der Anderen zu bestätigen: Die Krise machte sich breit. Viele glaubten, zumindest die Immobilien-Welt bräche zusammen. Burgstaller ließ sich davon nicht beirren. Er erinnert sich an ein Treffen einer Maklervereinigung. Von krisenbedingter Kooperation war die Rede. „Ich bin nach zehn Minuten aufgestanden und hab gesagt: Tut mir leid. Ich muss nach Hause arbeiten. Weil ich die Krise überstehen will.“ Und das tat Burgstaller auch: anfangs bis zu 123 Stunden die Woche.

Viele Branchenkollegen gingen damals dazu über, von erfahrenen Immobiliengesellschaften entwickelte Liegenschaften zu verkaufen. Der Oberösterreicher ging einen anderen, eigenen Weg. Er konzentrierte sich auf unentwickelte Liegenschaften: „Heute sind 81 Prozent aller von uns vermarkteten Häuser oder Grundstücke von privaten Abgebern. Wir versuchen oftmals das Unmögliche, um den bestmöglichen Preis zu erreichen. Das spricht sich scheinbar herum.“ Der Erfolg gibt ihm Recht: Alleine vergangenes Jahr gingen Immobilien um 73 Millionen Euro über den Burgstaller-Tisch. Für 2012 wird eine 20-prozentige Steigerung angepeilt. Alleine dass der Makler auf dem Zinshaussektor elf Spezialisten werken lässt, bringe seinen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, wo vielleicht nur ein oder zwei Mitarbeiter diesen Bereich betreuen. „Elf Leute erarbeiten sich eben leichter den Kunden, der bereit ist, über den Marktwert zu zahlen.“

Eigentlich ist Burgstaller gelernter Schlosser. Angespornt vom Erfolg studierender Freunde holte der Bauernbub aus Kobernaußen am Kobernaußerwald (OÖ) die HTL für Bauwirtschaft in Linz nach. Schließlich landete er in der Immobilienbranche. „Zinshäuser, und was dahinter steckt, interessieren mich einfach. Es ist ein schönes Gefühl, wenn aus einem Projekt etwas Sehenswertes wird, das sich rechnet.“ Schon in seinem ersten Branchenjahr 2002 überraschte er alle und sich selbst – und verkaufte gleich 16 Zinshäuser.

Doch die ersten Herausforderungen, etwas später im eigenen Unternehmen, ließen nicht auf sich warten. Als etwa Partner Christian Steiner, auf dessen Branchenerfahrung viel gesetzt wurde, gleich zu Anfang krankheitsbedingt eineinhalb Jahre ausfiel. Der junge Unternehmer war gänzlich auf sich gestellt. Das war vielleicht auch Glück: „Damit habe ich nicht stur das gemacht, was wahrscheinlich alle anderen seit Jahrzehnten tun, sondern mich mit bodenständigem Hausverstand und ohne viel Einfluss von außen auf die Entwicklung der Dienstleistungsunternehmen konzentrieren können“ Daraus wuchsen Leitfäden und Richtlinien für die inzwischen 19 Mitarbeiter.

Humanes Kapital

Dass es aber so rund läuft, braucht lange Vorarbeit: Die richtigen Mitarbeiter müssen gefunden und aufgebaut werden. Burgstaller: „Es ist leider wirklich so: Leuten, die schon bei Immobilien-Unternehmen gearbeitet haben, muss man erst alles neu einimpfen, was ein Dienstleistungsunternehmen zu tun hat.“ Burgstaller setzte deshalb besonders auf unvoreingenommene Quereinsteiger. Von der Chefsekretärin über den Psychologen bis zum Bauingenieur: „Da sind welche dabei, die machen 400.000 Euro Umsatz im Jahr.“

Im Unternehmen sind die Rollen klar verteilt: Er, Burgstaller, ist der „extrovertierte, monologisierende“. Andere dagegen bleiben eher ruhig. Die haben andere Qualitäten. Co-Geschäftsführer Peter Greiner etwa, dem der Oberösterreicher gehörig Rosen streut: Ein unglaubliches Hirn mit enormen Wissen, eben. Er hat HTL-Bauwirtschaft wie auch EDV-Wissenschaften studiert, die Maklerprüfung im Vorbeigehen bestanden. Burgstaller: „Ich bin kein neidischer Mensch, aber um diese Aufnahmefähigkeit und das komplexe Denken beneidet ihn bei uns, glaube ich, jeder.“

Offensichtlich fühlen sich auch alle im recht familiären Betriebsklima wohl. Laufend berichte ein Mitarbeiter über ein Jobangebot – bleibt aber. Das mag auch an der Personal-Philosophie des in einer vertrauten Dorfgemeinschaft aufgewachsenem Burgstaller liegen: „Ich sage immer: Das Wertvollste ist das Humane Kapital, meine Mitarbeiter. Wir entwickeln uns ja auch gegenseitig weiter: arbeiten zusammen, tauschen Meinungen aus. Bei mir gibt es keine freien Mitarbeiter oder angestellten-ähnliche Selbstständige. Entweder es geht mit den fairen Richtlinien der Gesellschaft zu oder ich lass es sein. Lieber zahle ich hohe Lohnnebenkosten, dafür stehe ich in der Früh besser auf.“ Eben eine Verantwortung der Marke Kobernaußen am Kobernaußerwald: „Wenn du dich bei uns zuhause als Chef zu sehr über die anderen stellst, kannst zwar zum Wirten auf ein Bier gehen, aber du sitzt alleine.“

Der digitale Immo-Makler

Der Erfolg liegt aber wie so oft auch im Detail, etwa bei der selbst entwickelten EDV. Schon früh hat Burgstaller-Steiner mit der umfassenden Datenerfassung begonnen. Inzwischen besteht die Datenbank aus mehreren Millionen Datensätzen. Jede Gesprächsnotiz, jede Aussendung, jeder Brief und Objekt-Informationen wird digital aufbereitet. Bei Kundenkontakt sind alle Informationen auf Mausklick da: „Mein ganzes unternehmerisches Leben besteht aus Statistiken.“

Aber was bringt das Ganze tatsächlich? „Der Hauptgrund war: Umso gründlicher wir arbeiten und uns vorbereiten, umso besser können wir mit unseren Kunden sprechen. Unsere Dokumentation ist da hilfreich: Fotos, Daten, Unterlagen. Wir hören oft: Endlich mal ein Makler, mit dem ich über mein Haus wirklich reden kann. Und: Im Vergleich zu anderen Unternehmen spare ich einfach Zeit.“Ein weiterer, gar nicht unerheblicher Vorteil: Gerichtliche Streitigkeiten sind so gut wie ausgeschlossen. „Weil´s keine Meinungsverschiedenheiten gibt aufgrund der genauen, umfangreichen Dokumentation.“

Seit August wartet ein kleiner Bub namens Laurenz zuhause auf Burgstaller. Der ganze Stolz, etwas ganz anderes als der berufliche Erfolg. Der wahre Chef der Familie beginnt um fünf Uhr morgens seine Monologe. „Vor lauter Liebe akzeptiert man die tiefen Ringe unter den Augen. Und 15 Kilo mehr, weil ich keinen Sport mehr mache.“ Ein neuer Lebensabschnitt. Das Beste was dem Makler je passiert sei.


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Datum: 17.04.2012

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