Ein Weg aus der Energiearmut?

Laut Statistik Austria sind 230.000 Menschen in Österreich von Energiearmut betroffen. Welche Gegenmaßnahmen möglich und zielführend sind, stand im Mittelpunkt des vierten QG Talks der Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme.

Die Anzahl der von Energiearmut betroffenen Haushalte ist alarmierend, die Belastungen von ungeheizten Räumen, Schimmelbefall, unbezahlten Strom- und Gasrechnungen bis hin zur Energieabschaltung sind groß. Welche Gegenmaßnahmen möglich und zielführend sind, stand im Mittelpunkt des vierten QG Talks der Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme (QG WDS).

Rettungsanker Energieeffizienz?

Laut Statistik Austria sind 230.000 Menschen in Österreich von Energiearmut betroffen. Die Antwort, nicht nur aus soziologischer sondern auch aus ökologischer Sicht sinnvoll: Energieeffizienz. So waren sich die Experten einig, dass Wärmedämmung ein wichtiger Schritt zu energieeffizienteren Gebäuden ist.

Anja Christanell, Geschäftsführerin Österreichisches Institut für Nachhaltige Entwicklung (ÖIN) und Projektleiterin „Pilotprojekt gegen Energiearmut“, führt sechs definierte Maßnahmen zur Bekämpfung von Energiearmut an:

1. Erhöhung der Sanierungsquote im öffentlichen und privaten Wohnbau und Priorisierung thermischer Sanierungsmaßnahmen unter Berücksichtigung von Energiearmut;

2. Niederschwellige, kostenlose Vor-Ort-Beratung mit Sofortmaßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz;

3. Einrichtung eines Energieunterstützungsfonds;

4. Verbot von Energieabschaltungen im Winter;

5. Möglichkeit der Befreiung von verbrauchsunabhängigen Kostenbestandteilen von Strom, Gas und Fernwärme sowie eine Steuerbefreiung;

6. Entwicklung und Finanzierung einer nationalen Strategie unter Federführung eines Ministeriums.

Notwendig seien für den Maßnahmenkatalog Partner von Seiten der Regierung und der Energiewirtschaft, so Christanell. Starke Partner wünscht sich auch die Projektleiterin des VERBUND Stromhilfefonds der Caritas, Caroline Nwafor. „Wir beraten und leisten Soforthilfe, wie die Reparatur oder den Austausch von energiefressenden Geräten. Aber notwendig sind thermische Sanierungsmaßnahmen.“ Laut Nwafor leben cirka siebzig Prozent der KlientInnen in Gebäuden, die dringend saniert werden müssten, der notwendige Eigenmittelanteil könne jedoch nicht aufgebracht werden.

Bernhard Wolf © Bernhard Wolf

Am Podium des 4. QG Talks:v.l. : Clemens Hecht, Sprecher der Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme, Tania Berger vom Projektteam RedEn! der Donau-Universität Krems, Caroline Nwafor, Projektleiterin des VERBUND Stromhilfefonds der Caritas, Anja Christanell, Geschäftsführerin Österreichisches Institut für Nachhaltige Entwicklung (ÖIN), Architekt Georg Reinberg und Moderator Volker Dienst.

Chance Wärmedämmung

Tania Berger, Projektteam RedEn! von der Donau-Universität Krems sieht die Ursachen von Energiearmut in den Energiepreisen, Einkommen und . „Langfristig gesehen sind energieeffiziente Gebäude sicher der entscheidende Faktor um zu verhindern, dass Menschen im Kalten wohnen müssen - mit all seinen Folgen.“ Die große Chance bei Wärmedämmung und Energieeffizienz sieht Architekt Georg Reinberg darin, dass Mieter und Öffentlichkeit gleichermaßen davon profitieren: Durch energieeffiziente Gebäude werde den Mietern warm und die Umwelt werde geschont.

Dass ein holistischer Ansatz zur Problemlösung notwendig ist, darüber waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Konkret könne Nachverdichtung im städtischen Raum ein wichtiger Lösungsweg sein, so Reinberg. Clemens Hecht, Sprecher der Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme: „Es ist schwierig darüber zu diskutieren, wenn man selber nicht betroffen ist. Für die Zukunft ist es erstrebenswert, wieder soziale Verantwortung zu übernehmen.“


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Datum: 10.10.2014

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