Individualverkehr: Utopie wird Realität

Selbstfahrende Autos werden unseren Individualverkehr revolutionieren, Klimaschutz und Ressourcenschonung weiterhin bestimmende Themen für Politik und Industrie bleiben. Stadtplaner stehen vor neuen Herausforderungen - Experten diskutierten über den Individualverkehr 2050.

Zahlreiche Gäste folgten der Einladung zum neu gegründeten Blue Motion Network Club, eine Veranstaltung für interessante Persönlichkeiten, Gespräche und Diskussionen. Thema des Auftaktevents: "Die Zukunft des Individualverkehrs bis 2050".

Politik muss handeln

Einig waren sich die Diskutanten am Podium, dass der ökologische Aspekt künftig noch mehr in den Fokus sowohl von Stadtplanern, als auch Industrie und Politik stehen wird. Schließlich trägt der Verkehr zu rund 26% der Treibhausgas-Emissionen in Österreich bei. Seit 1990 sind diese Emissionen laut Statistiken um 61% angestiegen. "Die Politik muss dem aber nicht nur aufgrund des Klimaschutzes, sondern auch aufgrund der immer stärker belasteten Verkehrsknoten etwas entgegensetzen", sagt Abg. z. NR Andreas Ottenschläger, Verkehrssprecher der ÖVP.

Städte anders gestalten

Auch für Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds, hat die Politik den klaren Auftrag, Alternativen zum derzeitigen Konzept von Individualverkehr zu fördern: "Unsere Förderprojekte zeigen Alternativen auf: Alternativen zur fossilen Individual-Mobilität und Alternativen zum Besitz eines Fahrzeuges. Wir haben das gesamte Mobilitätssystem im Fokus – Strom für Elektromobilität muss aus erneuerbaren Quellen kommen, multimodale Angebote müssen durch intelligente Kommunikationssysteme günstig und verlässlich zur Verfügung stehen. Was sich schon heute klar abzeichnet: Das Mobilitätsverhalten in den Städten ändert sich. Und das bedeutet konsequenterweise, dass wir unsere Städte in Zukunft anders gestalten müssen."

Punkto Stadtentwicklung ist Felix Clary, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure in der Industriellenvereinigung sicher, dass es auf Grund der zunehmenden Verstadtlichung integrierte, stark-vernetzte Verkehrskonzepte braucht. Ziel sei ein sinnvolles Nebeneinander aller Verkehrsträger.

Utopie wird Realität: selbstfahrende Autos

Was für die Meisten heute noch wie Utopie klingt, wird laut Experten schon in näherer Zukunft Realität sein: selbstfahrende Autos. So spricht Gabriele Gerhardter, Leiterin Stabstelle "Innovation & Mobilität" im ÖAMTC, von einem „game-changer“, der bis 2050 Alltag sein werde. Autonome Fahrzeuge werden Taxi, Miet- eventuell auch den Dienstwagen ersetzen, die kleinräumige Verkehrsversorgung am Land sicherstellen und nebenbei als Energie- und Datenlieferant dienen. "Das Automobil wird es auch 2050 geben – das Businessmodell dahinter wird sich grundlegend geändert haben", sagt Gerhardter.

Konkrete Projekte sind auch schon in Entwicklung. Im Rahmen des Audi Urban Future Awards, ausgeschrieben vom Automobilhersteller Audi, stellte etwa das junge Büro Standardarchitecture ihre „Audi-Bubbles“, das sind selbstbetriebene elektrische Fahrzeuge, vor. Dank automatischer Steuerung könnten diese so nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern auch als Lebens-, Arbeits-, Schlaf- oder Unterhaltungsraum genutzt werden. Sie können außerdem miteinander verbunden werden und so ein halb-öffentliches Gruppenfahrzeug bilden.

"Individueller Verkehr darf nicht fehlen"

Das Auto wird also höchstwahrscheinlich nicht verschwinden, denn die Menschen werden auch in Zukunft den Wunsch nach individueller Mobilität verspüren. Und das ist auch gut so, meint Verkehrssprecher Ottenschläger: "Um als Wirtschaftsmetropole wettbewerbsfähig zu bleiben, darf ein intakter individueller Verkehr nicht fehlen. Im Autoland Österreich haben vor allem die automotiven Steuern bereits jetzt einen Umfang erreicht, der im Sinne einer funktionierenden Branche ausgereizt ist. Weitere Steuern würden den Automobilverkehr beeinträchtigen und damit auch zu Steuerrückgängen für den Fiskus führen."


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Datum: 01.07.2015

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