Pritzker-Premiere: Spanisches Trio am Podest

Zum ersten Mal in der Geschichte des Pritzker-Preises geht die Auszeichnung an ein Trio. Die Spanier Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramon Vilalta erhalten die renommierte Ehrung.

Der Pritzker-Preis geht dieses Jahr an ein Trio, dessen Bauten wie Kunstwerke in der Landschaft wirken. Gewaltig und ungetüm und doch verschmelzen sie mit ihrer Umgebung. Strahlkräftige Prestigeprojekte sind zwar nicht dabei, dennoch prägen sich die Arbeiten des katalanischen Büros RCR Arquitectes sehr ins Gedächtnis, wenn sie sich vor einem auftürmen. Der Name „RCR“ steht für die Anfangsbuchstaben des Trios, die vom Jahrgang her alle Anfang der 1960er sind und 1988 ihr Büro gründeten. Geboren wurden Rafael Aranda und Carme Pigem in Olto, der spanischen Stadt, in der sich heute ihr Büro befindet. Ramon Vilalta hingegen stammt aus dem 40 Kilometer entfernten Vic. Ihr Bezug zum Regionalen ist also nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern ganz grundsätzliche Heimatverbundenheit.

Javier Lorenzo Domínguez © Javier Lorenzo Domínguez

Das preisgekrönte Trio bestehend aus (v. l. n. r.)Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramon Vilalta

Dynamik durch Linien

Wer die Werke des Trios betrachtet, dem fallen wohl zuerst Linien auf, viele Linien. Erzeugt durch Lamellen, Verstrebungen, Säulen oder Balken. Sie bringen eine unglaubliche Dynamik in die jeweiligen Gebäude – und dennoch halten sie den Raum fest zusammen. „Ihre Arbeit bedeutet ein unbeugsames Bekenntnis zu einem Ort und seinem Narrativ, zum Schaffen von Räumen, die mit ihren Kontexten in Diskurs stehen“, heißt es in einer Aus­sendung der Hyatt Foundation, die den Pritzker-Preis stiftet.

Besonders wird dies im Soulages Mu­seum in Rodez (Frankreich) ersichtlich. Ein Museum, das durch seine rostroten Außenwände aus Metall selbst einer gigantischen Skulptur gleicht. Neben zahlreichen anderen Kunstwerken beherbergt das Museum auch die Arbeiten von Pierre Soulages selbst, dem Eigentümer des Baus. Seine sehr grafischen und linearen Malereien werden in der Architektur des Gebäudes perfekt aufgegriffen.

Weingut und Kindergarten

Ein weiteres, sehr auffälliges Werk des spanischen Architektenbüros ist das Weingut Bell-Lloc in Palamós. Auch hier wurde schweres Material verbaut, doch es passt zu den Bergen ringsum, genau wie das unruhige gezackte Dach, das sich im Schatten der Bäume natürlich in die Umgebung einschmiegt. Strikte mathematische Wiederholungen von Formen kommen in der Natur nun mal nicht vor. Fällt das Licht noch durch diese gewollte Unregelmäßigkeit, verschiebt es scheinbar den von ihm ausgeleuchteten Raum in seiner Dimension.

Doch nicht alle Arbeiten wurden im Zuge der Preisverleihung positiv besprochen. Der Kindergarten El Petit Comte in Besalu (Spanien) beispielsweise mag farbenfroh und optisch ansprechend sein – ob mit der sehr strukturellen Bauweise aber auch wirklich kindgerecht geplant wurde, mag mancher Pädagoge sicher anzweifeln. Auch das Seniorenheim in Barcelona wurde kritisch hinterfragt. Zum einen formiert es sich in makabrer Weise um einen turmhohen Schornstein, zum anderen erinnert die schwarze, sehr grafische Fassade an eine Parte.

Hängendes Dach, lockere Atmosphäre

Weitaus luftiger und lebendiger kommt da schon das Les Cols Restaurant Marquee in Olot daher. Ein lang gezogenes Dach in Leichtbauweise wird von zwei Steinmauern gestützt und hängt wie ein Segel locker durch. Darunter genießen an den Tischen sitzende Gäste kulinarische Raffinessen. Durch die Einbettung in die Natur und die Verwendung von Plexiglas und weiterer transparenter Materialien verschmilzt für den Betrachter die Innen-Außen-Wahrnehmung. Er fühlt sich mitten im Freien, geschützt durch die Steinwände und die durchhängenden Röhren der Dachkonstruktion.


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Datum: 22.06.2017

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