Tageslicht im Altbestand Mangelware

Natürliches Licht ist für die Gesundheit essentiell, doch gerade in Großstädten ist es oft Mangelware. Neben städtebaulichen Maßnahmen, kann auch bei der Sanierung von Gebäuden viel Licht gewonnen werden.

Jakob Boserup © Jakob Boserup

Richard Hobday, Wissenschaftler und Sonnenlicht-Spezialist, strich beim Velux Daylight Symposium in Kopenhagen die Bedeutung von Tageslicht für den Menschen hervor.

Peter Mauss/Esto © Peter Mauss/Esto

Großzügige Fensterfronten und Oberlichte bringen viel Tageslicht in das Museum in Athen.

KtirioTechnical Editions © KtirioTechnical Editions

Für eine möglichst originalgetreue Betrachtung der Statuen im Akropolis Museum, ist ein lichtdurchfluteter Raum optimal.

"Wir wissen heute, dass direktes Sonnenlicht vor Krankheiten bewahrt und für ein gesundes Innenraumklima sorgt. Und es gibt Beweise dafür, dass wir unsere Abwehrkörper gegen Infektionen durch ausreichend viel Kontakt mit direktem Sonnenlicht stärken – auch wenn wir uns hinter Glas befinden", sagt Richard Hobday, Spezialist für Sonnenlichttherapie und solares Design. Auch zahlreiche Studien belegen die gesundheitlich positive Wirkung von Tageslicht auf den Menschen. Trotzdem: Gerade im Altbestand ist natürliche Sonneneinstrahlung oft Mangelware.

Seltene 1.000 Lux: Weniger macht müde

So hat eine Studie von Myriam Aries aus dem Jahr 2005 ergeben, dass nur 20 Prozent der erfassten Bürogebäude über einen Lichtwert von 1.000 Lux oder mehr verfügen - bei darunter liegenden Werten wurde eine signifikant höhere Müdigkeit der Büroangestellten als in Tageslicht-Büros festgestellt.

Problem Verdichtung

Claude Demers, Professorin an der "School of Architecture" an der Laval Universität, sieht vor allem in der Verdichtung der Städte eine Herausforderung für Planer. Diese führt, so Demers, zu einem eingeschränkten Zugang zu Tageslicht, was Energieeffizienz und das Wohlbefinden beeinflusse - ein Haken bei der Nachverdichtung. Städtebaulich betrachtet, ist die Konsequenz logisch: Geringere Gebäudehöhen und mehr Freiflächen sind die Lösung - die Machbarkeit sei dahin gestellt.

Einfache Lösungen bringen Licht ins Dunkel

In der Gebäudeplanung können einfache Mittel Wunder bewirken. So bringen Französische Fenster im Vergleich zur Standardausführung eine Steigerung des Tageslichteinfalls um bis zu 30 Prozent. Ein architektonisches Element, das sich gut eignet, um Licht ins Dunkel zu bringen, sind Oberlichten, wie das Beispiel Akropolis Museum in Athen zeigt.

Beim Umbau des Museums wurde besonderer Wert darauf gelegt, ein möglichst natürliches Umfeld für die ausgestellten Skulpturen zu schaffen. Da die Skulpturen ursprünglich im Freien standen, war es den Architekten ein Anliegen, den Outdoor-Lichtverhältnissen so nahe wie möglich zu kommen und zahlreiche Lichtschächte an der Decke sowie großzügige Fensterfronten optimieren den Lichteinfall.

Jakob Boserup © Jakob Boserup

Deborah Burnett, Innenarchitektin:

Mehr als Ästhetik

Für Deborah Burnett, Innenarchitektin und Mitglied der American Academy of Sleep Medicine, steht die Bedeutung des natürlichen Lichts für unsere Gesundheit jedenfalls im Vordergrund: "Bei Tageslicht durchfluteten Gebäuden geht es nicht alleine um Ästhetik und hübsche Ausblicke. Es geht um unsere Gesundheit." Und auch Nachhaltigkeit und Ökologie stellt sie in den Hintergrund: "Vielleicht denken Sie bei Tageslicht an Energieeffizienz? Ich bitte Sie, es geht dabei um die Energie des Menschen."


AutorIn:

Datum: 10.06.2013

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Projekte

Wie erreicht man eine authentische Markenkultur und Unternehmensidentität? Darüber diskutierten Experten beim Symposium "Marke trifft Architektur". Plus: "Best Cases" mit Beispielen zu Internal Branding und Corporate Architecture.

Eine hochkarätige Expertenrunde diskutierte über zukunftsorientierte Gebäudekonzepte und biologisch abbaubare Baumaterialien sowie Trends und Visionen für nachhaltiges Wohnen.

Bereits zum dritten Mal wurden die Trends in Sachen Bauen und Energieeffizienz abgefragt. Die heimischen Experten sind sich dabei einig: Höchste Bedeutung haben Thermische Sanierung, Erneuerbare Energie und ganzheitliche Planung.

Nach 34 Monaten Bauzeit sind die Rohbauten fertiggestellt, das Projekt liegt im Kosten- und im Zeitplan. Auch die Ausbauarbeiten schreiten zügig voran. Ab Herbst 2013 soll der Studienbetrieb laufen.

In Wien wird der Wohnraum immer knapper. Ein enormes Potential liegt auf den Dächern der Gründerzeithäuser. Beispiele zum Dachgeschoßausbau und einer thermischen Sanierung mit Fertigteilelementen.

Seit beinahe 100 Jahren läuft der Wettkampf um das höchste Gebäude der Welt als Sinnbild für die Schaffenskraft moderner Architektur. Nun plant Adrian Smith einen neuen Meilenstein: Der Kingdom Tower in Jeddah soll über 1.000 Meter hoch werden.

Das ehemalige Areal der Eugenkaserne in Innsbruck war der Bauplatz für 13 „Stadtvillen“, die das 3. Olympische Dorf darstellen. Geplant haben die Architektenbüros reitter_architekten, eck & reiter sowie din a4. Gebaut wurde im Auftrag der Neuen Heimat Tirol.

Architektur entwickelt Ideen aus mathematischer Grundlagenforschung: Mit dem umfassenden Know-how der Technischen Universität Wien entsteht in der Türkei ein neuer High-Tech-Technologiepark.

Eine spezielle bauliche und logistische Herausforderung für alle Beteiligten, allen voran das Spenglerunternehmen
stellte der Kopfbau des Einkaufscenters Riverside am Gelände der ehemaligen Brauerei Liesing dar.