Trends bei Passivhaus

Hannover war Schauplatz eines der größten Passivhaus-Treffen: Über neue politische Forderungen, Technik-Trends und weltweite Verbreitung der Passivhaus-Idee berichtet Architekt Winfried Schuh für Wohnnet.

Schuh © Schuh

Architekt Winfried Schuh berichtet für immonet. at von der Passivhaus-Tagung in Hannover.

Zum Auftakt der Passivhaus-Tagung in Hannover wurde von Passivhaus-Pionier Prof. Wolfgang Feist ein Masterplan für die Europäische Energiewende vorgestellt und dessen Umsetzung von der EU-Kommission gefordert. Das Ziel: die radikale Erhöhung der Thermischen Sanierung. Nur so könne die die drohende Klimawende abgewehrt werden, so Feist.

Mit einer Impulsförderung von 80 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche für die Sanierung (mit einer mindestens 85%-igen Energieeinsparung) sollen in der EU in den nächsten Jahrzehnten alle Nachkriegsbauten auf zeitgemäßen Komfortstandard verbessert werden.

Vormarsch der Passivhaus-Technologie weltweit

Was fiel bei der diesjährigen Veranstaltung besonders auf? Nachdem in den letzten Jahren die Anzahl der TeilnehmerInnen stetig gestiegen ist, war die diesjährige Tagung von deutlich mehr internationalen Themen geprägt. Die vorgestellten Projekte decken mittlerweile die meisten Klimazonen ab: von extrem kalten Zonen, wie etwa in Tibet, oder tropisch feuchten Gegenden wie Indonesien reicht mittlerweile die Reichweite der mit Passivhaustechnologie gebauten Häuser. Ein weiterer Beweis dafür, dass das Konzept des Passivhauses fast in der ganzen Welt funktionieren kann.

Neuheiten: „Superwindows“ und PH-Kastenfenster

Besonders interessant für Fachleute waren Neuentwicklungen am Fenstersektor. Polnische Entwickler präsentierten ihre revolutionären „superwindows“, Fenster mit einem unglaublichen U-Wert von bis zu 0,15 W/m²K. Diese Innovation wäre damit etwa sechsfach besser als die derzeit marktgängigen Passivhausfenster mit 0,8 W/m²K. Wir werden die Weiterentwicklung der gezeigten Prototypen verfolgen und sind auf eine künftige Serienproduktion gespannt.

Für die Modernisierung von denkmalgeschützten Gebäuden ist nun dank der Fa. Freundorfer aus Bayern auch der Einsatz von zertifizierten Passivhaus-Kastenfenstern möglich.

Modernisierung in Richtung Passivhausqualität

Sehr zu begrüßen ist, dass die Möglichkeit zur Zertifizierung von modernisierten Altbauten mit Passivhaus-Komponenten weiterentwickelt wurde. Die so genannte EnerPHit-Zertifizierung dient vor allem der Qualitätssicherung und ist nunmehr auch bei denkmalgeschützten Gebäuden möglich. Saint-Gobain präsentierte neben einer ganzen Reihe neuer Innendämmsysteme auch standardisierte Wärmebrückenberechnungen für die Sanierung.

Neben der immer weiter forcierten Internationalisierung des Passivhaus-Konzeptes konnte auch der gesteigerte Fokus auf die vor uns liegende immense Hauptaufgabe, der wir uns von Hausverstand.Com seit vielen Jahren verschrieben haben: Der nachhaltigen Modernisierung von Bestandsgebäuden, vom denkmalgeschützten Gründerzeithaus bis hin zu Gebäuden der 80er und mittlerweile sogar der 90er-Jahre.

Unser Fazit der Veranstaltung: Die Modernisierung in Richtung Passivhausqualität rechnet sich, auch wenn diese schrittweise erfolgt, denn: „Der Weg ist das Ziel“.


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Datum: 10.05.2012

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