Kritik an Arbeitszeitregel: Thema verfehlt

Künftig soll bei aktiven Reisezeiten und bei Gleitzeit die Möglichkeit bestehen, die tägliche Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden auszudehnen. Industriellenvereinigung und FMMI sind damit nicht zufrieden.

Die Sozialpartner verhandeln gerade mit den zuständigen Ministerien über ein größeres Arbeitsrechtspaket. Darin soll es unter anderem um die leichtere Erreichbarkeit der sechsten Urlaubswoche, die Beschränkung von All-in-Verträgen und um Verbesserungen im Lohn- und Sozialdumpinggesetz gehen. Bei aktiven Reisezeiten und bei Gleitzeit soll künftig die Möglichkeit bestehen, die tägliche Höchstarbeitszeit auf zwölf Stunden auszudehnen.

Zwölf-Stunden-Tag möglich

ÖGB-Präsident Erich Foglar: "12 Stunden tägliche Arbeitszeit soll ausschließlich in Gleitzeitmodellen möglich sein, wenn Kollektivverträge oder Betriebsvereinbarungen das zulassen. Ziel der Gewerkschaften dabei sind längere Freizeitblöcke. Selbstverständlich müssen auch weiterhin Überstundenzuschläge ausgezahlt werden. Es geht hier also nicht um längere Arbeitszeiten, sondern um eine andere Verteilung der Arbeitszeit."

...in eingeschränktem Maße

Dass künftig in Teilbereichen 12-Stunden-Regelungen, wenn auch nur in eingeschränktem Maße, möglich sein sollen, erleichtere es Betrieben zumindest teilweise, flexibel reagieren zu können, sagt der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer. "Die Umsetzung einer modernen Arbeitszeitregelung darf aber nicht durch zusätzliche Verknüpfungen erschwert werden", fordert er.

Ziel müsse nach wie vor eine bessere Verteilung der Normalarbeitszeit sein, die weiterhin im Durchschnitt bei 40 Stunden pro Woche liegen soll. "Das Arbeitszeitgesetz muss eine praxisorientierte und betriebsbezogene Arbeitszeitgestaltung und damit einen Mehrwert für alle Beteiligten ermöglichen. Davon profitieren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gleichermaßen. Die aktuellen Ankündigungen sind ein erster Schritt, dem im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standortes und seiner Arbeitsplätze weitere folgen müssen", betonte Neumayer.

FMMI: "Klare Themenverfehlung"

Der Fachverband der Maschinen und Metallwaren Industrie (FMMI) sieht die aktuelle 12-Stunden-Tag-Diskussion als "klare Themenverfehlung". FMMI-Obmann Christian Knill: "Bei diesem neuen Ansatz der Regierung geht es lediglich um Detailfragen betreffend die Gleitzeit und Reisezeiten. Das ist auch wichtig und musste angegangen werden. Aber auf die große Herausforderung der Unternehmen - nämlich den Umgang mit Konjunktur- und Auftragsschwankungen - gehen diese Regierungsvorschläge überhaupt nicht ein." So brauche es aus Sicht der Maschinen- und Metallwaren Industrie wesentlich dringender mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit, um mit extremen Auftragsschwankungen umgehen zu können.

 

 

 


Autor:

Datum: 11.04.2014

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Projektentwickler und Bauträger melden regelmäßig schnelle Verkäufe – meist schon zu Beginn der Bauphase: Die Gründe für den Run auf die eigenen vier Wände mögen individuell verschieden sein, im Regelfall lockt das weiterhin historisch niedrige Zinsniveau. Zudem kurbeln steigende Mieten – speziell in den Ballungsräumen – den Eigentumswohnungsmarkt weiter an. Die Zahl der aufgenommen Kredite steigt jedenfalls, wie auch das Kultur- und Informationsradio Ö1 jüngst berichtet hat.

Der heimische Wirtschaftsmotor brummt, die Arbeitslosenzahlen sinken. Zuletzt publizierte Zahlen der Statistik Austria zeigen das auch für den gesamten produzierenden Bereich (Sachgüter und Bau). Gemeldet werden für die Untersuchungsperiode Jänner bis April 2017 ein Beschäftigungsplus von 1,8 Prozent (insgesamt 933.797 unselbstständig Beschäftige). In Summe wurden von diesen Umsatzerlöse von 87 Milliarden Euro (plus 4,3 Prozent zur Vorjahresperiode) erzielt. Top: Auch viele der extra ausgewiesenen Produktionszahlen für den Bereich Bau liegen im Plus.

Österreich glänzt auf der internationalen Investmentlandkarte. Laut den jüngsten Zahlen, die CBRE heute vor Journalisten präsentiert hat, wurden in den ersten sechs Kalendermonaten des Jahres Verträge für rund 2,5 Milliarden Euro unterzeichnet. Mehr als die Hälfte (rund 56 Prozent) ist dabei auf das Konto deutscher Anleger gegangen. Die Experten des Immobiliendienstleisters rechnen bis Ende 2017 mit einer weiteren Milliarde. Damit, sagt Georg Fichtinger von CBRE, werde am Rekord aus 2015 gekratzt.

Trotz vieler Unkenrufe: Die Assetklasse Handel zieht. Internationale Retailer werfen wieder ein Auge auf Europa – und verstärkt auch auf Österreich. Wien rangiert laut einer aktuellen Branchenstudie weltweit unter den Top 10-Städten für internationale Einzelhändler wie Walter Wölfler, Head of Retail CEE & Österreich bei CBRE (im Bild), gegenüber der Presse betont.

Langsamere Preissteigerungen in allen Segmenten – im Schnitt nahe an der Inflationsrate: Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder präsentierte heute vor Journalisten den Immobilienpreisspiegel 2017, der in Kooperation mit ZT datenforum erarbeitet wurde.

Laut den jüngsten Zahlen eines österreichischen Branchenmagazins hielt Re/Max 2016 den Spitzenplatz unter den Immobilien-Franchisern: Aktuell wird dort für das abgelaufene Jahr 2016 ein Umsatz von 44,2 Millionen Euro ausgewiesen. Platz eins gab es für das Netzwerk auch in drei weiteren Kategorien. Und auch 2017 ist laut Maklernetzwerk gut angelaufen.

Österreichs größtes Maklernetzwerk mit seinen mittlerweile 60 Mitgliedsunternehmen begeht dieser Tage seinen zehnten Geburtstag. Der Präsident des Immobilienring IR Österreich, Georg Spiegelfeld, nahm das Jubiläum zum Anlass um zurückzuschauen und – „als neutrales Sprachrohr“ – heiße Eisen, wie etwa die heiklen Themen Maklerprovision und Mietrecht, anzusprechen.

Laut Re/Max ImmoSpiegel wurden 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent mehr Einfamilienhäuser verkauft und verbüchert. Das sind genau 88 Liegenschaften mehr als im Rekordjahr davor: Der Hype um das Häuschen im Grünen ging also in die Verlängerung. Im Vergleich zu 2012 sind die dafür eingesetzten Mittel gleich um ein knappes Drittel nach oben geschnellt.

CBRE meldete heute die ersten Quartalszahlen zum Wiener Büromarkt 2017: Demnach seien rund 36.000 Quadratmeter Fläche neu vermietet worden. Im Vergleich zum Q1 2016 ergibt das ein Minus von 43 Prozent. Doch der Markt soll den Experten zufolge wieder anziehen: Neue Büroflächen und der in die Wege geleitete Brexit könnten für Bewegung sorgen. Die Erwartungen sind jedenfalls hoch.