Talk zum Modulbau: und noch viele Fragen offen …

Mit dem spitz formulierten Arbeitstitel „Lego für Erwachsene – Modulbau: Die Lösung für die Zukunft“ startete die Blaue Lagune mit ihrer Dialogreihe in einen heißen Herbst – denn nicht minder zugespitzt verlief die Debatte. Ein bunt besetztes Podium tauschte sich leidenschaftlich über Begrifflichkeiten aus und war beim Pro und Contra mitunter sehr gegensätzlicher Meinung. Hausherr Erich Benischek, Initiator der Informationsreihe, bilanzierte am Ende des Abends: „Es zeigt sich, dass sich die Debatte an Definitionen aufhängt. Wir als Blaue Lagune sind gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten.“

Was ist ein Modulbau? Benischek (Zweiter von rechts) ging hier in seinem Eröffnungsstatement mit der internationalen Klassifikation d'accord, indem er die moderne Raumzellentechnologie als Königsklasse und absolute Weiterentwicklung des Fertigbaus herausstrich. Modul sei, was zu hundert Prozent vorgefertigt, schnell und nachhaltig aufgebaut und schlüsselfertig übergeben werden könne. Die modulare Bauweise eigne sich seiner Auffassung nach idealerweise zur Nachverdichtung urbaner Räume. Werde aber auch für die künftige Wohnraumbeschaffung weit über das Einfamilienhaus hinaus – Stichwort Wohnsiedlungen – immer populärer werden, so der Chef des Fertighauszentrums.  

Klein-Klein bereits ein Modul?

Gänzlich anders sieht dies Reinhard Schuhmann von der FOAM ZT GmbH (Bildmitte). Für ihn ist schon die kleinste industriell gefertigte Baustoffeinheit Eckstein und Anfangspunkt der modularen Idee, die er auch in der klassischen, billig gebauten Doppelhaushälfte im Wiener Speckgürtel verwirklicht sieht. Eine These, die in dieser Form keiner in der Runde so teilen wollte.

Architekt Bern Wiltschek (im Bild: Erster von rechts), der in der Bundesimmobilien GmbH (BIG) unter anderem im Bereich temporärer Nutzungslösungen für Schul- und Haftanstalten mit der modularen Frage – basierend auf Stahlbau – konfrontiert war und ist, legte die Latte bereits etwas höher an, blickt dabei aber über sein berufliches Aufgabenfeld hinaus. So sieht er im Angebot der Blauen Lagune, das modulare Konzept bereits „sehr stark verwirklicht“. Eine Sichtweise des gelernten Architekten, die Benischek und Matej Vukmanič von Marles hise Maribor d.o.o. (Erster von links) nur in einem Punkt wirklich teilen wollten: Und zwar beim im Frühjahr 2017 am Standort eröffneten aktivhaus; entwickelt vom deutschen Architekten Werner Sobek, produziert vom slowenischen Fertighausbauer.

aktivhaus als aktueller Modulstandard

Das Modul sei schadstoffarm in der Produktion, nachhaltig in der Nutzung – und jederzeit transportfähig, so Vukmanič. Produziert werden die 58 Quadratmeter großen Einheiten in sieben bis acht Tagen im Werk, aufgestellt sei das Modulshaus in rund zwei Stunden. „Genauso schnell ist es auch wieder abgebaut und bereit für einen neuen Standort. Entweder als Einzelstück oder – je nach aktueller Familiengröße – im Doppel oder als übereinandergestapeltes Trio“, sagte der Produzent. Mit dem Bau einer ersten Siedlung nahe Stuttgart habe man bereits die versprochenen Zeitlimits einhalten können.

Neue Planungshorizonte

Ein wesentliches Detail, auf das Christian Steininger von Vasko + Partner ZT GmbH (Zweiter von links) weniger Wert legt. Unabhängig von der Bauweise, die er als „kleineres Thema“ beschreibt, müsste seiner Erfahrung nach künftig noch akribischer auf Anpassungs- und Änderungsfähigkeit der verbauten Haustechnik geachtet werden. Hier sei die Planungsebene gefordert, in die seiner leidvollen Erfahrung nach noch immer zu wenig Geld gepumpt werden würde. Folglich drohe Ungemach. „Wir müssen höllisch aufpassen, keine Reihenfehler zu produzieren“, warnte Steininger vor Publikum. Zustimmung erntete er von Vukmanic, der vor „kleinen Fehlern mit sehr großen Folgen“ warnte. Auch bei Fragen hinsichtlich einer eventuellen Nachrüstung und Umnutzung sowie der flexiblen Ausgestaltung der Einheiten sei Steininger zufolge Vorsicht geboten.

Benischek: „Modul kann auch Baukultur“

Potenzielle Reihenfehler scheut auch Wiltschek. Diese ortet er aber auf gänzlich anderem Terrain. Ihn erschrecke vielmehr der Gedanke an standardisierte, normierte und schnell konsumierbare bauliche Massenware, wie er vom Podium aus erklärte. Wie sich ein Bekenntnis zur Baukultur mit der modularen Philosophie vereinbare ließe? Für ihn nach wie vor eine offen Frage. Es müsse nicht alles gleich aussehen, wie er sagt. Modulare Diversity und stilistischer Mehrklang sei sicher schwierig, aber wohl machbar. Mit dieser ambivalenten Haltung sieht er sich nicht allein auf weiter Flur. Österreichs Planer hätten im Vergleich zu ihm noch sehr viel mehr Vorbehalte, so Wiltschek über den eigenen Kollegenkreis, der die Umsetzung seiner Ideen noch nicht mit der modularen Bauweise in Verbindung bringe. En gros würde so noch immer auf tradierte Muster zurückgegriffen werden. Ein Befund, der vom Publikum – darunter einige modulare Vorreiter der Baubranche  – aus eigener leidvoller Erfahrung geteilt wurde. Ihr Tenor: Im Vergleich zu den östlichen Nachbarn sei hier Österreich in einer Verhindererrolle.

Dass es auch anders geht, ist laut Benischek weiter im Norden bereits sichtbar. So haben sich die Entwickler und Planer des Studentenwohnheims Woodie in Hamburg aufs modulare Pflaster gewagt. Auch beim Wohnprojekte „Slottet“ in der Osloer Peripherie hätte es keine Berührungsängste an den entscheidenden Hebeln gegeben, wie er bei einer Fact-Finding-Mission in der norwegischen Kapitale selbst herausfinden hätte können. „Beide Beispiele zeigen, dass die Ästhetik nicht am Bausystem oder dem Wandaufbau festzumachen ist. Sie zeige sich vielmehr im Können der Architektur, neue Bausysteme anzugreifen, aufzugreifen und stilsicher, etwa beim Fassadendesign, weiterzuentwickeln.“

In die nächste Dialogrunde geht es am 28. November. Dann Thema in der Blauen Lagune: Das Hotel von morgen…


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Datum: 19.09.2017

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