Boom wirft Schatten

Hausfrauen, die Gemüse am Straßenrand verkaufen, moderne Luxusläden neben abgewirtschafteten Altbauten, neue Büropaläste, bettelnde Kinder: Bukarest ist im Umbruch, mit allen seinen Problemen

Nach einer langen Übergangsperiode nach der Revolution startete Rumänien wirtschaftlich erst Anfang des Jahrzehnts wirklich voll durch – seither steigen die Auslandsinvestitionen kontinuierlich und rasant an. Fast zu rasant, denn das Tempo, mit dem der Nachzügler in Europa inzwischen ankommt, zeigt auch Schattenseiten: Bukarest wurde in den letzten Jahren von einem Bau- und Investmentboom förmlich überrannt, die Infrastruktur konnte mit dieser Entwicklung nicht immer Schritt halten. Und seit den aberwitzigen und kühnen Projekten ihres alten "Conducators", ihres Führers, sind die Bukarester auch von allem, was die radikale Neuerfindung ihrer Stadt betrifft, nicht gerade angetan. Nicolae Ceausescu leiß ja nach dem großen Erdbeben 1977 die kleinräumige Altstadt planieren und durch einen megalomanen Prachtboulevard ersetzen, der seither die Stadt wie eine nie zugeheulte Wunde zerschneidet.

Boomtown Bukrest

"Ist Bukarest ein pakistanisches Las Vegas?" fragte im Sommer 2007 der Journalist Sorin Ionita in der größten Tageszeitung des Landes "Evenimentul Zilei" angesichts riesiger Baustellen und geschmackloser Bürokitschungetümer. Das neue Credo "Weg von den grauen Plattenbauten des Ceausescu Kommunismus, hin zu den atemberaubenden Wolkenkratzer-Kulissen des Kapitalismus" stört nicht nur ihn, sondern auch immer mehr "normale" Bukarester, vor allem weil dieser Entwicklung so viel wertvoller Grünraum geopfert wird, die Lebensqualität der rumänischen Hauptstadt empfindlich darunter leidet.

Allein in der Bukarester Immobilienszene blickt man noch immer in verklärte Gesichter, sobald die Rede auf den nördlichen Speckgürtel der Stadt kommt. Hierher, an die Peripherie, muss inzwischen die Baubranche ausweichen, weil in der City inzwischen nichts mehr geht: Erstens weil dort Baugrund rar ist und zweitens häufig die Besitzverhältnisse noch immer nicht geklärt sind, und sich dadurch Grundstückskäufe und Projektentwicklungen oft in die Länge ziehen.

Nachfrage übersteigt Angebot

Aber trotz aller atemberaubender Entwicklung bleibt Büroraum – so der Bericht von "Colliers International" "Real Estate Review Romania 2008" – in Bukarest noch immer knapp, die Leerstandsrate für qualitativ hochwertige Flächen bewegt sich seit Jahren um unglaubliche Null Prozent, Neubauten sind schon oft im Projektstadium voll vermietet: 2007 wurden bereits Verträge für 2009 fertigzustellende Bauten abgeschlossen. Überraschenderweise – so "Colliers" – kam es aber dennoch nicht zu einer markanten Erhöhung der Miete: Verträge werden in der Luxuskategorie im Schnitt für € 17,94 per Quadratmeter und Monat abgeschlossen, für €15,02 in anderen Kategorien.

Ende 2007 betrug die Gesamtbürofläche Bukarests 608,200 Quadratmeter – einer Steigerung um mehr als fünfzig Prozent der Fläche gegenüber Dezember 2006. Fünfzehn neue Projekte brachten der rumänischen Hauptstadt voriges Jahr 194.000 Quadratmeter neuer Bürofläche, dreißig Prozent davon in der oberen Klasse. Das Konzept des "Business Parks"– zum ersten Mal 2005 vor IRIDE und dann vom "Bucharest Business Park" realisiert – wird dabei immer populärer: Büros werden in niedrigen Gebäuden in einer gestalteter Landschaft untergebracht. "Victoria Park", "S-Park", "West Gate Park" und "Banasea Business & Technology" sind Folgeprojekte dieses Konzepts und waren, kaum fertiggestellt, schon vermietet,

2008 sah eine weitere Zunahme an Bürofläche, die aber ebenfalls rasch – oder schon im Voraus – vermietet war.

Andy Loghin, Panoramio © Andy Loghin, Panoramio

Tower Center

Move Channel © Move Channel

Victoriapark


Autor:

Datum: 03.12.2008

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Die Zahl der Transaktionen im Eigentumssegment lag im Jahr 2017 österreichweit bei knapp 50.000. Das berichtet das Maklernetzwerk Re/Max, basierend auf Daten von ImmoUnited, im aktualisierten ImmoSpiegel.

Laut Maklernetzwerk Re/Max wechselten 2017 Immobilien im Wert von 28,1 Milliarden Euro den Besitzer, ein Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Besonders in den Städten herrschte Dynamik. Für die teuerste Immobile wurden übrigens 57 Millionen Euro hingeblättert.

Almanach mit teilweise gänzlich neu erhobenen Zahlen und Fakten zum österreichischen Immobilienmarkt: EHL Immobilien, BDO und das Institut für Immobilienwirtschaft (IFI) haben die die zweite Ausgabe des Nachschlagewerks „IMMOFakten“ veröffentlicht.

Der urbane Wohnbau zeichnet sich hierzulande durch den weitgehenden Verzicht auf den Baustoff Holz aus. Damit soll Schluss sein, sagen zwei Insider, die Akteure wie Geldgeber in ihr Boot holen wollen. Potenzielle Käufer zeigen sich weniger scheu, wie eine Umfrage bestätigt.

Ausblick auf den rot-weiß-roten Immobilienmarkt 2018: CBRE Österreich hat im neuen Market Outlook die wichtigsten Analysen und Trends zu den einzelnen Sektoren veröffentlicht.

Wie hat sich die Zahl der Neugründungen entwickelt? Wie sieht es mit der Eigenkapitalausstattung aus? Und wie hoch ist die Insolvenzquote? CRIF Österreich hat das Jahr 2017 unter die Branchenlupe genommen.

Nach 2017 ist der österreichische Ökostromanbieter easy green energy laut der VKI-Aktion „Energiekosten-Stop“ bereits zum zweiten Mal in Folge Bestbieter – und das gleich in zwei Kategorien.

Der niederösterreichische Fertighaushersteller Vario-Haus wuchs 2017 auch auf den Auslandsmärkten. Ein Verkaufsplus konnte laut Unternehmen in Italien verzeichnet werden. Auch in der Schweiz ist die Nachfrage gestiegen.