Wiener Büromarkt noch im Wellental

Frische Zahlen zum Wiener Büromarkt: Wie EHL informiert, war auch das dritte Quartal (noch) von Zurückhaltung geprägt. Diese sorgte dafür, dass die Vermietungsleistung seit Jänner 2017 weiter hinter den Zahlen des Vorjahres hinterherhinkt. Das bis vor kurzem sehr geringe Neubauvolumen schlägt hier weiter durch. Doch eine Trendwende scheint in Sicht.

Laut Analyse entfielen auf die Monate Juli, August und September nur rund 28.000 Quadratmeter, ein im Jahresvergleich um rund 75 Prozent schwächeres Ergebnis. Aufsummiert konnten laut EHL seit Jänner 2017 114.000 Quadratmeter neuvermietet werden – davon  75.000 Quadratmeter in frisch hochgezogenen Offices, die – lassen sich Fragen der Qualität, nach flexiblen Bürolösungen in einer prestigeträchtigen Lage positiv beantworten – in den nächsten Monaten stärker nachgefragt würden, vorausgesetzt das wirtschaftliche Hoch hält.

Bereits das laufende letzte Quartal dürfte noch für einige Überraschungen gut sein. „Für 2017 prognostizieren wir aktuell eine Vermietungsleistung von rund 200.000 Quadratmetern im Gesamtbestand und rechnen damit noch mit einem spannenden Schlussquartal. Der quantitative Anstieg der Vermietungsleistung wird sich auch 2018 bemerkbar machen“, sagt Thomas Schanda, Leiter Market Research bei EHL Immobilien.

Konjunkturlage soll Nachfrage befeuern

Neben dem wirtschaftlich an Fahrt zulegenden privaten Sektor wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch die öffentliche Hand wieder flächenhungriger werden.  Diese sei aufgrund der vorgezogenen Nationalratswahl bei Anmietungen ja zuletzt auf der Bremse gestanden ist, wie es seitens der EHL heißt. Auch das übliche Wellental zwischen vielen Fertigstellungsterminen würde bereits durchtaucht werden.

Die auf den Markt kommenden Flächen dürften die Nachfrage somit wieder befeuern.  „Die positive Ertragslage der Unternehmen schlägt sich bis jetzt vor allem qualitativ, im Sinne einer verstärkten Nachfrage nach hochwertigen Flächen nieder“, sagt EHL Büroimmobilien-Chef Stefan Wernhart. In Gunstlagen, wie dem Viertel am Wiener Hauptbahnhof oder beim Praterstern, sei mit steigenden Durchschnittsmieten zu rechnen. Zur Erinnerung: Aktuell sind in Spitzenlagen der City 26 Euro auf den Quadratmeter hinzulegen, für den Erstbezug werden aktuell zwischen 15 und 22 Euro bezahlt; Beträge die über dem Schnitt von aktuell 14,30 Euro pro Quadratmeter liegen.

Die noch bis Jahresende auf den Markt kommenden Neuobjekte – darunter das Projekt Square Plus mit dem Bauteil 1 in Döbling, aber auch die Bauteile 3 (im Bild) und 4 des Quartier Belvedere Central beim Wiener Hauptbahnhof – sind bereits seit Längerem praktisch vollvermietet, was auch zum Jahresschluss die Leerstandsquote weiter niedrig halten und Wien im Metropolenvergleich das diesbezügliches Top-Ranking sichern dürfte: Mit Ende September wurde ein Wert von 5,6 Prozent ausgewiesen, seit Jänner konnte der schon damals sehr niedrige Wert um weitere 0,2 Prozentpunkte verringert werden.

Co-Working-Spaces als weiterer Marktfaktor

Als weiteren Wachstumstreiber macht die EHL den Co-Working-Bereich aus. Neben den stark expandierenden Serviced-Office-Providern würden weitere internationale Anbieter intensiv den Markteintritt in Wien evaluieren. Vor allem neue Co-Working-Konzepte und Start-up-Hubs seien an großflächigen Standorten am Wiener Büromarkt interessiert.


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Datum: 24.10.2017

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