Küchenoberflächen: Österreich ist wenig innovationsfreudig

In Sachen Küchenoberflächen ist man zwischen Boden- und Neusiedlersee noch immer äußerst konservativ. Laminat dominiert, innovative Produktlinien und hochwertige Materialien setzten sich nur langsam durch, sagt Oliver Reitter, General Manager von Cosentino Austria. Wie er der heimischen Klientel Innovationen schmackhaft machen will, verriet er im wohnnet Business-Talk.

Qualität gehört nicht nur auf den Teller, sondern sollte sich auch in der Kücheneinrichtung und im Design widerspiegeln: Für knapp drei Viertel einer Österreich-Umfrage ist die Ausstattungsqualität das entscheidende Kaufkriterium, wie das Institut Marketagent.com in einer bundesweiten Erhebung bereits im Jahr 2014 herausgefunden hat. Dich dahinter würden „Musts“ wie Funktionalität und Langlebigkeit rangieren. Erst an vierter Stelle haben die Marktforscher den Kostenfaktor auf der Rechnung. Eine Bestandsaufnahme, die einen starken Wunsch nach Wertigkeit illustriert – die aber Oliver Reitter, Area Manager von Cosentino Austria (im Bild), auch im Herbst 2016 nur bedingt nachvollziehen kann. Zumindest wenn man den Fokus auf einen der zentralen Arbeitsbereich, und damit ist die Küchenoberfläche gemeint, richtet.

Der Vertreter des spanischen Herstellers von Quarz- und Natursteinoberflächen, der mit seinen Produktlinien Dekton, Sensa oder Silestone verstärkt die heimische Klientel „einkochen“ will, sieht das Potenzial am rot-weiß-roten Küchenmarkt noch lange nicht ausgeschöpft – im Gegenteil. Seiner Erfahrung nach würden private Kunden wie Ausstatter in den Beneluxländern, in der Schweiz aber auch im Vereinigten Königreich der Küchenarbeitsplatte einen wesentlich höheren Stellenwert zusprechen. Auch hinsichtlich der Materialwahl hinke man hierzulande hinterher und wäre seiner Beschreibung nach nur wenig innovationsfreudig.

Laminat dominiert, Alternativprodukte holen nur langsam auf

Auch wenn die jüngsten Branchenzahlen eine leichte Trendwende attestierten: Bei Küchenoberflächen dominiert weiterhin ein altbekannter Werkstoff. „Obwohl innovative Materialien deutliche Vorteile bieten, werden in Österreich immer noch rund 80 Prozent Laminat als Küchenarbeitsplatten eingesetzt“, sagt Reitter im Gespräch mit wohnnet Business. Holz, Naturstein oder Beton holten bei den Marktanteilen auf – wenn auch nur in homöopathischen Dosen. Trotz einer der höchsten Kaufkraft in Europa läge Österreich – ähnlich wie Deutschland – bei der Qualität der Küchenarbeitsplatte weiter auf einem der hinteren Plätze.

Küchenstudios in die Pflicht nehmen

Um den leichten Sinneswandel stärker voranzutreiben, müsste seiner Meinung nach insbesondere in den Küchenstudios der Hebel angesetzt werden. Sein Schlagwort ist auch hier „Qualität“. Beispiele aus den Vorbildländern im europäischen Westen, wo Produzenten wie Retailer en gros ein größeres Stück vom Küchenkuchen abbekommen würden, machten es vor. „Durch kompetente Verkaufsgespräche in den Küchenstudios werden dort dem Endkunden qualitativ höherwertige Produkte verkauft“, bekundet Reitter. Resultat? „Größere Kundenzufriedenheit, eigenes Wachstum sowie höhere Margen in den Küchenstudios“.

Mehr Aufklärung, verstärkte Zielgruppenansprache

Um auch in Österreich weiteres Marktterrain für die Cosentino-Produktlinien sichern zu können, will er in den Küchenstudios verstärkt in Aufklärungs- und Schulungsmaßnahmen investieren. Die Endkundenansprache soll im Web optimiert werden. Ebenfalls ins Campaigning gehoben werden sollen die Küchenstudio-Partner von Elite. Zudem hat er vor, die Produktpräsenz zu steigert und auf weitere Verkaufsstellen auszudehnen. Als Zielgruppe nimmt Reitter das mittel- und hochpreisige Kundensegment ins Visier. „Wir können ein breites Spektrum an Endkundenpreisen realisieren“, sagt er – und hat damit wohl nicht nur ausgewiesenen Küchenkenner oder eine bunt zusammengewürfelte Umfrageklientel im Kopf.

 

Consentino Group

Die auf die Herstellung und den Vertrieb von High-Tech- und Trend-Oberflächen spezialisierte Cosentino Gruppe vertreibt als global aufgestelltes Familienunternehmen ihr Marken- und Produktportfolio in über 80 Ländern. Die Zweigstellen in 32 Staaten werden vom spanischen Firmensitz in Cantoria gesteuert.

Das Unternehmen verfügt über sieben Werke, ein Logistikzentrum und mehr als 120 Vertriebsstellen. Aktuell erwirtschaftet die Cosentino Group mehr als 90 Prozent des Konzernumsatzes auf den internationalen Märkten. Die Niederlassung von Cosentino Austria ist in Wiener Neustadt angesiedelt.


AutorIn:

Datum: 10.11.2016

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Durchschnittlich 204.000 Euro kostete ein Einfamilienhaus in Österreich im 1. Halbjahr 2016, so das Maklernetzwerk Re/Max. Das Bundesland Niederösterreich ist Spitzenreiter bei der Anzahl der Verkäufe und beim Verkaufs-Volumen.

Im Versuch, die konjunkturellen Folgen des Brexit-Votums abzufedern, bereitet die britische Regierung ein Maßnahmenpaket zur Förderung der Wohnimmobilienwirtschaft vor.

Gehört Carbonbeton und Lichtbeton die Zukunft? Beide sind leichter und damit transportfähiger, des weiteren sollen sie energieeffizienter sein als klassischer Beton. Lichtbeton ist zudem auch hübsch anzusehen.

Im ersten Halbjahr 2016 gab es in Österreich rund 60.000 Immobilien-Verbücherungen – ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2015. Die stärksten Zuwächse gab es im Burgenland, in Vorarlberg und Tirol – Oberösterreich ist Schlusslicht, so das Maklernetzwerk Re/Max.