Synergien für Hotel, Konzerthaus und Eislaufverein

Das Areal das den Wiener Eislaufverein, das Hotel InterContinental und das Wiener Konzerthaus umfasst, soll neu gestaltet werden. Exponenten und Institutionen der Wiener Architekturszene fordern ein sofortiges Moratorium des Planungsverfahrens.

Das Wiener Unternehmen Wertinvest will gemeinsam mit der Stadt Wien das gesamte Areal um den Wiener Eislaufverein, das Hotel InterContinental Wien und das Wiener Konzerthaus neu gestalteten. Wertinvest ist sowohl Eigentümerin des Hotel InterContinentals als auch Mehrheitseigentümerin der Liegenschaften, auf denen sich der Wiener Eislaufverein (WEV) befindet.

Die öffentliche und private Fläche wird gemeinsam von Stadt und Investor geplant. Es sollen nicht nur Werte für den Investor geschaffen, sondern auch der öffentliche Raum aufgewertet werden. In Zukunft soll es möglich sein, Synergien zwischen Hotel, Konzerthaus und Eislaufverein zu schaffen, etwa durch gemeinsame Nutzung von Flächen. Das Ziel: Ein urbaner Treffpunkt, der als Einheit verstanden und genutzt wird.

Um eine konsensfähige Planungsgrundlage zu erarbeiten, setzte die Stadt Wien erstmals auf ein integratives Verfahren. Es galt alle Möglichkeiten zu überlegen und zu prüfen, wie sich die vorhandene Verbindung von Sport und Freizeitgestaltung, Musik und Kultur sowie Gastronomie und Hotellerie gemeinsam weiter entwickeln kann – zu einem attraktiven, lebendigen Ort, der die vielen Möglichkeiten dieses besonderen Platzes in das beste Licht rückt.

Auf Grundlage der Wünsche und Vorgaben der Projektpartner (Stadt, Bezirk, Investor und Eigentümer in Abstimmung mit WEV, Konzerthaus und dem Hotel InterContinental) entwickelten und diskutierten drei Planungsteams in regem Austausch mit Vertretern aller Parteien unterschiedliche Szenarien für den städtebaulichen Rahmen. Auch die unterschiedlichen Magistratsdienststellen, Repräsentanten des Wiener Eislaufvereines und des Konzerthauses, Vertretern des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos), des Investors und des Hotelmanagements wurden in die Planung eingebunden. Parallel dazu wurde auch die Öffentlichkeit befragt.

Die Empfehlung der mehr als 50-köpfigen Expertengruppe in Kurzform: Entlang des Heumarktes werden die unschönen Zweckbauten durch eine Zeile ersetzt, die sich an der Fassadenhöhe des Konzerthauses orientiert; die Lothringerstraße wird durch eine Verlegung der Fahrbahnen Richtung Ring zu einem Boulevard ausgestaltet, von dem aus es freie Sicht auf den Freiluft-Eislaufplatz (in der derzeitigen Größe) gibt. Die Frage, ob das Gebäude des Hotel InterContinentals saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden soll, lassen die Expertinnen und Experten ("Für beide Varianten gibt es Pros und Contras") zunächst bewusst offen. "Die WertInvest als Financier hat beschlossen, sich zunächst an der Erhaltungs-Variante zu orientieren und in dieser Richtung zu arbeiten. Die Machbarkeit in technischer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht ist allerdings noch genau zu prüfen", erklärt WertInvest-Eigentümer Michael Tojner.

"Für diese schwierige Aufgabe wurde umfassend geplant und gedacht, wieder verworfen und neue Entwürfe entwickelt. Die Teams aus Architekten und Stadtplanern entwickelten mehr als 30 Entwürfe möglicher Entwicklungskonzepte. Diese wurden fortlaufend diskutiert und verfeinert, bis letztlich klare Empfehlungen ausgesprochen werden konnten", erläutert der Vorsitzende des ExpertInnen-Verfahrens, Universitätsprofessor RudolfScheuvens von der TU Wien.

Schlanker Turm soll Ensemble-Charakter betonen

Die Städtebau-Experten empfehlen, den Ensemble-Charakter des "neuen Platzes am Glacis" durch ein markantes zusätzliches Gebäude zu betonen. Entwickelt wurde die Idee eines schlanken Turms, der neben dem Hotelgebäude nahe der Kreuzung Lothringerstraß/Johannesgasse errichtet werden soll. "Ein identitätsstiftendes Gebäude mit Leitfunktion und Signalwirkung", erläutert Scheuvens, und verweist auf den (in derselben Ära wie das InterContinental erbauten) Ringturm, der seit rund 60 Jahren Ähnliches für den Übergang vom Ring zum Kai leistet.

Meinungen der Anrainer

Im März 2013 besuchten mehr als 700 Besucherinnen und Besucher die siebentägige Ausstellung "Zur Zukunft des Areals Wiener Eislaufverein – Hotel InterContinental Wien – Wiener Konzerthaus". Mehr als ein Drittel davon Anrainer, schätzt Stadtpsychologin Cornelia Ehmayer, die mit ihrem Team zur Erfassung der Gedanken und Meinungen der Besucher zur Verfügung stand.

"Die Menschen freuen sich, dass endlich etwas für diesen Platz geschieht. Wir haben viele konstruktive Anregungen und Meinungen zu Freiraumgestaltung und –nutzung erhalten und interessante Einblicke in die Erwartungshaltung der Menschen an die Architektur gewonnen", fasst Daniela Enzi, die für die Standortentwicklung für WertInvest verantwortlich zeichnet, ihre Eindrücke zusammen.

Erarbeitung konkreter Ideen: Mitte 2013

Mitte 2013 will Tojner – weiter in laufendem Kontakt mit allen Stakeholdern und der Bevölkerung – an die Erarbeitung konkreter Ideen zu Architektur und Freiraumgestaltung gehen. Er verspricht "erstklassige Architektur, die das Glacis in unsere Zeit weiterdenkt, und einen Boulevard, der zum Verweilen einlädt: ein Sport-, Musik- und Veranstaltungszentrum auf höchstem Niveau".

Details zum Projekt und das genaue Programm sind unter www.dasbesondereprojekt.at abrufbar.

UPDATE (23. Mai 2013): Kritik an den Plänen kommt von Exponenten und Institutionen der Wiener Architekturszene. Sie fordern ein sofortiges Moratorium des Planungsverfahrens zur Neubebauung am Grundstück des Wiener Eislaufverein und des Hotel InterContinental und haben einen offenen Brief an die Wiener Vizebürgemeisterin und Planungsstadträtin Maria Vassilakou verfasst.

Für die Verfasser des Briefes – darunter Architekturexperten wie Marta Schreieck als Vorsitzende der Zentralvereinigung der Architekten, der Architekturpublizist Otto Kapfinger, der Präsident der Architektenkammer, die Vorstände der IG Architektur und der Österreichischen Gesellschaft für Architektur (Ögfa), der Architekturkritiker Friedrich Achleitner, die Architekten Hermann Czech und Friedrich Kurrent sowie Dietmar Steiner, der Direktor des Architekturzentrums - konnte insbesondere die zentrale Frage nach der dem Areal angemessenen Bebauungsdichte nicht ernsthaft gestellt werden. "Eine Reduktion der vom Investor, der Wertinvest Beteiligungs- und Immobilienberatungs AG, gewünschten Verdichtung, die fast einer Verdreifachung der nach derzeitiger Widmung möglichen Bebauung gleichkommt, wurde von Wertinvest konsequent verweigert. Die eindeutige Ablehnung eines Hochhauses, die aus einer im Rahmen des Planungsverfahrens durchgeführten BürgerInnenbefragung hervorging, wurde ignoriert, obwohl der Standort in der Kernzone des Welterbes 'Wiener Innenstadt' und exakt in der Belevedere-Achse liegt. Vielmehr wurden zum Abschluss des Verfahrens ohne Beteiligung der eingeladenen Planungsteams von Investor selbst erstellte Luxus-Wohnhochhaus-Varianten als 'Resultat‘ präsentiert." Laut den Kritikern entbehren diese Varianten jeder stadträumlichen, gesellschaftspolitischen und baukulturellen Rechtfertigung. Es fehlt auch jeglicher Nachweis der behaupteten kalkulatorischen Notwendigkeit.

Die Architekturexperten fordern:

  • ein sofortiges Aus jeder Weiterplanung auf Basis des präsentierten "Resultats" und das Einlegen einer Nachdenkpause, um tragfähige Grundlagen für die weitere Vorbereitung des angekündigten Planungswettbewerbs zu finden
  • einen ernsthaften Dialog mit den Kritikern des Verfahrens
  • eine detailliert nachvollziehbare Veröffentlichung sämtlicher im Verfahren entwickelter Projektvarianten inklusive der Kalkulationsbasis des Investors und der extern beauftragten Gutachten
  • eine detaillierte Untersuchung aller relevanten stadträumlichen, funktionalen, technischen, bestandsmäßigen Grundlagen und Erarbeitung klarer Kriterien für den Wettbewerb
  • auf Basis dieser Untersuchungen eine Neufestlegung der Baumassenobergrenzen, wobei ein Flächenzuwachs gegenüber der derzeitigen Widmung nur gegen entsprechende Leistungen für die öffentliche Hand gewährt werden darf.

 

Der Eislaufvereinsplatz wurde im Jahr 1900 vom Architekten Ludwig Baumann im Jugendstil errichtet. Das neue Gelände sollte dem Sport und der Musik gewidmet werden.

Ulrike Biberschick © Ulrike Biberschick

Die Architekten Walter Stelzhammer, Hans Puchhammer, Andreas Vass, Marta Schreieck und Otto Kapfinger fordern ein Moratorium des Planungsverfahrens.


Autor:

Datum: 23.05.2013

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Immobilienprojekte

Die Signa-Gruppe investiert aktuell rund 1 Mrd. Euro in ihre Immobilienprojekte und Realbeteiligungen in der bayerischen Landeshauptstadt. Jüngster Co-Neuzugang: das Warenhausensemble „Karstadt München Bahnhof“ – nächst dem Hauptbahnhof und dem Karlsplatz (Stachus).

Wien wächst weiter – und damit die Nachfrage nach Wohnraum. Das bringt Anleger und Developer verstärkt auf den Plan. Für Erstere hat die Avoris Immobilienentwicklungs Gmbh ein neues Projekt in der Anschützgasse 32 (Wien 15) als Bauherrenmodell am Start.

Signa errichtet bis Herbst 2018 das erste Projekt von Renzo Piano in Österreich. Im neuen Stadtteil Quartier Belvedere entstehen mehr als 340 Wohnungen, direkt daneben baut Signa, in Kooperation mit der Hyatt Gruppe, das Lifestyle-Boutique-Hotel Andaz Am Belvedere Vienna. Die Bauarbeiten für die beiden Projekte schreiten seit dem Baustart im Februar 2016 zügig voran.

Vor kurzem hat die ARE Austrian Real Estate Development – eine auf Projektentwicklungen spezialisierte Tochter der ARE – die Wohnhausanlage „Rosenhöfe” in Graz Geidorf fertiggestellt. Jetzt laufen die Übergaben an die neuen Eigentümer.

Die Buwog baut 36 freifinanzierte Dachgeschoßwohnungen auf dem Bestandsobjekt am Samhaberplatz in Wien 1140. Bereits vor Fertigstellung sind 80 Prozent der Wohnungen verkauft.

In der Pelikangasse in Wien Altersgrund entstehen 45 Eigentumswohnungen. Bezirksvorsteher-Stellvertreter Thomas Liebig: "Dieses neue Projekt trägt der Nachfrage nach mehr Wohnraum im Bezirk Rechnung."

Die BUWOG Group hat die Gleichenfeier für das Projekt "Uferkrone" im Berliner Stadtteil Köpenick begangen - Nicht das einzige Großprojekt der BUWOG, das zur Zeit in der deutschen Hauptstadt verwirklicht wird.

Die Bauarbeiten für das neue Stadion des SK Rapid Wien in Wien Hütteldorf gehen voran. Dass die Spielstätte an ihrem historischen Standort bleibt, war von Anfang an außer Diskussion. Ab 2016 können die Fußball-Fans in ihrem "neuen Zuhause" wieder jubeln.

Die 2011 ins Leben gerufene Wohnbauinitiative ist Wiens Antwort auf den steigenden Wohnraumbedarf der kommenden Jahrzehnte. Die Seestadt Aspern gilt dabei als ein prestigeträchtiges Vorzeigebeispiel für urbanes Wachstum innerhalb der Stadtgrenzen. Nun ist das gesamte Wohnbauprojekt abgeschlossen.