Energiespar Contracting am Beispiel einer Wohnhausanlage

Eine Wohnhausanlage mit schlechter Bausubstanz wurde thermisch saniert. Ziel: Verbesserung und Aufwertung des Gebäudebestandes, Steigerung des Nutzerkomforts und Kostenneutralität für die Mieter.

Der Erfolg ist gewaltig: 24.500 Euro oder 45 Prozent der Energiekosten werden pro Jahr eingespart. "Wir waren mit dem Contracting-Projekt zufrieden und werden über eine Verlängerung verhandeln", sagt Isabella Schwab, von der Gemeinnützige Grazer Wohnbaugenossenschaft (GGW). Die Genossenschaft entschied sich im Jahr 2002 bei der Wohnhausanlage Daungasse, Asperngasse, Wagner-Biro-Straße für ein Einspar-Contracting Modell. Das Projekt wurde im Verhandlungsverfahren mit öffentlicher Bekanntmachung vergeben. Als ausführender Contractor zeichnete dann die Steirische Gas-Wärme GmbH (Tochter-Unternehmen der Energie Steiermark AG) verantwortlich. Die Grazer Energieagentur begleitete das Projekt.


Die Gebäude wiesen eine schlechte Bausubstanz auf und die einzelnen Wohnungen verfügten über keine Heizung bzw. nur Einzelfeuerungen. Darüber hinaus gab es keine einheitliche Warmwasserversorgung. Aufgrund dieser schlechten Wohnbedingungen gab es eine hohe Mieterfluktuation sowie viele leerstehende Wohnungen. Mit der dringend notwendigen Sanierung der Gebäude sollte eine Verbesserung und Aufwertung des Gebäudebestandes, eine Steigerung des Nutzerkomforts und die Verbesserung der Siedlungs- und Nutzungsstruktur erfolgen. Ziel war es, dies mit gleichzeitiger Kostenneutralität für die Mieterinnen und Mieter zu erreichen. Das Modell sollte Vorbild für die Sanierung von Bauten aus den 1960ern und 70ern sein.

Verlängerungsoption von sieben Jahren

Auch Hannes Zeichen, Abteilungsleiter Energy Complete der Energie Steiermark, zeigte sich auf Nachfrage von immonet.at mit dem Projekt sehr zufrieden: "Bereits jetzt, zwei Jahre bevor der Vertrag ausläuft, wird eine Fortsetzung überlegt." Die Verlängerungsoption von sieben Jahren ist Teil des Vertrages. "Dann wird die Anlage weiter von uns betrieben, das heißt wir übernehmen die Wärmelieferung, Betriebsführung, Instandhaltung, E-Monitoring und den kompletten Störungsdienst. Nur der Finanzierungsteil fällt raus", erklärt Zeichen, der die Kalkulation mit der einer Versicherung vergleicht. "Wir betreiben rund 1200 Anlagen in Osterreich, auch den Hausverwaltungen wird viel von uns abgenommen", so Zeichen.

Trotz der umfassenden Sanierung, dürfen für die Bewohnerinnen und Bewohner keinen Mehrkosten anfallen, das war Vertragsbedingung. Diese Kostenneutralität für die Mieterinnen und Mieter trug zur hohen Akzeptanz des Projektes bei.

Beispiel: Wohnhausanlage Daungasse, Asperngasse, Wagner-Biro-Straße, Graz
Bundesland: Steiermark
Auftraggeber: Gemeinnützige Grazer Wohnbaugenossenschaft
Ausführender Contractor: Steirische Gas-Wärme GmbH

Vertrag:

Laufzeit: 15 Jahre, Verlängerungsoption um sieben Jahre
Beginn: 2002
Der Auftraggeber wird während der Vertragslaufzeit an den Einsparungen beteiligt.
Gesamtinvestition: 2.180.185 Euro
CO2-Einsparung: 405 t/Jahr

Durchgeführte Maßnahmen:

Energie
Heizung

  • Installation eines Verteilersystems: Wohnungsinstallationen, Heizkörper, Thermostate, Wärmemengenzähler
  • Warmwasser
  • Errichtung einer zentralen Warmwasseranlage mit Solaranlage


Gebäudeleittechnik

  • Leittechnik zur Fernsteuerung


Energiecontrolling

  • Einrichten eines Energiemanagement/-controllingsystems (Informationspflicht gegenüber dem Auftraggeber, Stördienstanzeige, Heizkostenabrechnung)


Andere

  • Erneuerung der Elektroanlagen in den Gemeinschaftsteilen

Bauen
Fenster

  • Fenstertausch (Kunststoff-Fenster, U-Wert 1,1 W/m2K)


Gebäudehülle

  • Dämmung der gesamten Gebäudehülle


Heizung

  • Heizungsumstellung von Einzelöfen auf zentrale Wärmeversorgung (Gas-Brennwertkessel)


Andere

  • Errichtung von Liftanlagen für jedes Stiegenhaus

Organisation / Schulung / Information

  • Information der Bewohner über richtiges Heizen und Lüften
  • bei jeder Abrechnung liegen Verbrauchswerte zum Energieverbrauch bei
  • Regelungen bezüglich des Komfortstandards: Raumtemperatur 22°C, mind. 1x wöchentlich Legionellenschaltung beim Warmwasser
  • Störungsreaktion innerhalb von vier Stunden und Behebung innerhalb von 24 Stunden


Finanzierung
Finanzierung durch Contractor: 1.240.000 Euro
Landesdarlehen für Baumaßnahmen: 940.185 Euro, Laufzeit: 22 Jahre


Die GGW schloss mit der Steirischen Ferngas (jetzt Steirische Gas-Wärme, StGW) einen Wärmelieferungsvertrag ab. Die StGW erhält nach Umsetzung der Maßnahmen die gesamte Investition rückerstattet. Für laufende Leistungen (Betriebsführung, Wartung, Inspektion, Instandsetzung) erhält sie eine jährliche Vergütung unter der Voraussetzung, dass die Heizkostenobergrenze eingehalten wird. Die Differenz zwischen den Heizkosten vor der Sanierung, dem Wärmepreis und der garantierten Heizkostenobergrenze wird für die Tilgung des Landesdarlehens verwendet. Die Kosten für die Mieterinnen und Mieter bleiben konstant.


Autor:

Datum: 25.02.2013

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Investment

819 Wohnungen sind bereits am Markt, 1.340 freifinanzierte Miet- und Eigentumswohnungen in Bau und rund 4.700 in der Projektpipeline: Die ARE Austrian Real Estate, Tochtergesellschaft der BIG, zog im Rahmen der Übergabe der Wohnhausanlage "Kaar 21"an die Ärztekammer Oberösterreich in Linz eine positive Zwischenbilanz zur laufenden Wohnbauoffensive. Laut Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der in seiner Eigenschaft als Eigentümervertreter vor Ort war, beläuft sich das dahinterstehende Investitionsvolumen mittlerweile auf rund 1,7 Milliarden Euro.

Im Zuge des strategischen Verkaufsprogramms „Fast Track 2017“ trennt sich die UBM vom Krakauer Pilot Tower. Neoeigentümer ist der Immobilienfondsmanager First Property Group, der dafür 22 Millionen Euro bereitstellt. Der Kaufvertrag wurde letzte Woche unterschrieben. Das Closing soll laut UBM bis zum Sommer erfolgen.

Ein angekündigter Immo-Deal, der nunmehr unter Dach und Fach ist: Wie nun offiziell von den unterzeichnenden Vertragsparteien bekanntgegeben wurde, übernehmen Signa (im Bild: GF Christoph Stadlhuber) und die Investorengruppe um Erwin Krause und Franz Kollitsch die BAI Bauträger Austria Immobilien GmbH im Rahmen eine Joint Ventures (50/50) von der Bank Austria.

Die Austrotherm GmbH streckt ihre Fühler verstärkt nach Deutschland aus: Im heurigen Jahr will der Anbieter im Bereich Wärmedämmung dank positivem Geschäftsverlauf sieben Millionen Euro in den Bau einer weiteren Produktionslinie für wasser- und druckresistente XPS-Dämmstoffe in das bereits bestehende Dämmstoffwerk in Wittenberge (Bundesland Brandenburg) investieren. Auch die Manpower soll weiter erhöht werden. Der Betriebsstart für den Neubau wird laut Unternehmensaussendung für das dritte Quartal geplant.

Die Immofinanz AG hat das Salzburger Einkaufszentrum ZIB (Zentrum im Berg) an eine private Investorengruppe verkauft. Der Deal wurde von der EHL-Tochter Investment Consulting begleitet. Über den Verkaufspreis wurde Stilschweigen vereinbart.

Neuer und bekannter Mitspieler beim heimischen Bauträger: Wie gestern im Zuge der außerordentlichen Hauptversammlung offiziell bekannt gegeben wurde, übernimmt Klemens Hallmann mit seiner Hallmann Holding 38 Prozent an der österreichischen SÜBA-Beteiligungs Aktiengesellschaft. Gleichzeitig wird er in den Aufsichtsrat einziehen.

Die Buwog Group hat den Verkauf von gut 1.100 Wohnungen im Bundesland Tirol gemeldet. Damit werden rund 89.000 Quadratmeter Gesamtmietfläche – rund 4,8 Prozent des Österreich-Portfolios – veräußert. Käufer ist der Immo-Investor Jargonnant Partners. Über den Verkaufspreis wurde Stillschweigen vereinbart, das Closing soll laut Aussendung bis Mitte 2017 über die Bühne gehen.

Neuer Eigentümer für den geplanten Wohnturm: Die Wiener 6B47 Real Estate Investors AG hat die Projektentwicklung der 21-geschossigen Wohnimmobilie „Cascada“ im Frankfurter Europaviertel an ein Joint Venture der Bauwerk Liegenschaften aus München und der Red Square aus Neu-Isenburg verkauft.

Die S Immo AG meldet erneut positive Quartalszahlen. Laut heutiger Aussendung sei man auf bestem Wege das Geschäftsjahr mit einem neuen Rekord abzuschließen, wie es seitens des Immo-Investors heißt. Vorstandsvorsitzender Ernst Vejdovszky nennt dafür vor allem zwei Gründe: die aus dem Verkauf von rund einem Drittel des deutschen Wohn-Portfolios lukrierten Bewertungsgewinne und die generelle Entwicklung im laufenden operativen Geschäft.