Erheblicher Einbruch bei Immoverkäufen

Die Anzahl der verkauften Immobilien ist um 12,5 Prozent gesunken, der Verkaufswert verzeichnet ein Minus von rund acht Prozent. Nicht nur der Grundstücksboom ist vorbei, auch Eigentumswohnungen gingen 2013 schlechter.

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RE/MAX Austria-Chef Bernhard Reikersdorfer:

Laut RE/MAX-ImmoSpiegel, in dem alle tatsächlich verkauften und verbücherten Immobilien aus dem amtlichen österreichischen Grundbuch erfasst werden, ist die Anzahl der Immobilienverkäufe 2013 im Vergleich zu 2012 um 12,5 % zurück gegangen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 81.447 Immobilienkäufe getätigt, wobei der Verkaufswert - 16,03 Milliarden Euro - um 8,3 % gesunken ist. RE/MAX Austria-Chef Bernhard Reikersdorfer: „Nach dem enormen Aufschwung von 2010, der Konsolidierung 2011 und dem neuerlichen Aufschwung Ende 2012 kam mit Beginn 2013 ein doch erheblicher Einbruch, der in der zweiten Jahreshälfte wieder etwas verflachte."

Rückgang der verkauften Eigentumswohnungen

Vor allem Eigentumswohnungen verkauften sich schlechter. So wechselten nur 28.478 Wohnungen 2013 die Besitzer. Das sind um 9,3 % weniger als 2012 und 18,5 % weniger als im Hype-Jahr 2010. Der Rückgang bei den Eigentumswohnungen hat laut Reikersdorfer mehrere Ursachen: "Viele Investoren und Anleger, die ihr Geld sicher in Immobilien anlegen wollten, haben dies bereits in den vergangenen Jahren gemacht oder sind bereits wieder auf anderen Pfaden unterwegs. Die Kreditbeschaffung ist für Jungfamilien weiterhin schwierig und die Zukunftserwartung vieler Eigennutzer ist zwar positiv, aber nicht euphorisch, und damit die Risikobereitschaft ebenso nicht besonders hoch. Und vor allem: In einigen Städten, besonders in Wien fehlte schlicht und ergreifend ein ausreichendes Angebot“.

Wohnungspreise um 10 % gestiegen

Während der Gesamtwert der im Jahr 2013 in Österreich verkauften Eigentumswohnungen mit 5,27 Milliarden Euro um 1,4 % unter dem Jahr 2012 liegt, stiegen die Preise: Pro Eigentumswohnung wurden im Bundesschnitt 161.574 Euro erzielt - um 10,0 % mehr als 2012. Vergleicht man die Preise in den Bundesländern, so hat Wien Vorarlberg als teuerstes Bundesland abgelöst. Das Ländle rutschte mit einem Eigentumswohnungspreis von 187.865 Euro auf Rang Drei. Davor platzierte sich noch das Bundesland Salzburg mit Preisen von 191.026 Euro.

Salzburg im Bundesschnitt

Dem West-Ost-Gefälle entsprechend kommt Tirol 2013 noch vor allen anderen Bundesländern mit einer moderaten Steigerung von 1,7 % auf einen Eigentumswohnungs-Preis von 184.042 Euro. Während die Wohnungspreise in Vorarlberg 2013 um 1,8 % und in Salzburg um 9,5 % zulegten, stiegen sie im Burgenland um 4,2 %. Dort gab es im Bundesländervergleich die günstigsten Wohnungen, nämlich typischerweise um 72.205 Euro.

Plus 14 % in Niederösterreich

Im Ranking folgen dann die Kärntner Wohnungen nahezu preisgleich wie im Jahr zuvor um 139.445 Euro. Um 0,7 % günstiger als 2012 gab es die Wohnungen in Oberösterreich mit Durchschnittspreisen von 129.949 Euro. Dagegen zog in Niederösterreich, wo der Wohnungspreis 2012 um 0,3 % nachgegeben hat, 2013 um 14,0 % auf 126.040 Euro an. Billiger als in Niederösterreich waren die Wohnungen in der Steiermark: 109.416 Euro kostet hier im Schnitt eine Wohnung, das bedeutet im Jahresvergleich einen Preisanstieg von 2,0 %.

Grundstücksboom vorbei

Hinter den Eigentumswohnungen wieder auf den zweiten Platz zurückgekehrt sind österreichweit die Gebäude mit 22.951 Kaufakten, wenngleich um 8,9 % weniger als 2012, aber immer noch über dem Niveau von 2011. In den Verkaufszahlen für Gebäude sind auch die 9.239 Einfamilienhäuser inkludiert. Bei den Einfamilienhäusern war gegenüber 2012 ein Rückgang um 11,6 % und 3,4 % gegenüber 2011 zu verzeichnen. Grundstücke, 2012 noch mengenmäßig auf den 2. Platz, fielen 2013 von 25.739 auf 21.421 Einheiten zurück. "Der Grundstücksboom scheint mit einem Minus von 16,8 % wieder seinen Boden gefunden zu haben", so die RE/MAX-Experten.

Transaktionswerte: Bundesländer-Ranking

Mit 4,85 Milliarden Euro ist Wien der mit Abstand wichtigste Immobilienmarkt in Österreich, stärker als die Verfolger Niederösterreich (€ 2,62 Mrd.) und Oberösterreich (€ 1,78 Mrd.) zusammen. Wien hat zwar 283 Millionen Euro an Verkaufswert, also 5,5 % eingebüßt, liegt aber immer noch 210 Millionen Euro über dem Wert von 2011. Auf Rang Zwei folgte im Jahr 2013 Niederösterreich mit 2,62 Milliarden Euro, das nicht nur Platz, sondern auch Umsatz beinahe halten konnte (-14 Mio. Euro oder -0,5 % im Vergleich zu 2012).

Oberösterreich behauptete mit 1,78 Milliarden Euro den dritten Platz trotz einem Minus von 17,3 %. Knapp dahinter lag erstmals Tirol auf Platz Vier mit 1,70 Milliarden Euro und einem Minus von 6,7 %. Die Steiermark bildet mit einem Transaktionswert von 1,66 Milliarden Euro und -12,4 % den Median. Salzburg hielt sich mit 1,369 Milliarden Euro Verkaufswert und einem Minus von nur 2,6 % überdurchschnittlich gut.

Das Schluss-Trio bildeten, wie schon in den Jahren zuvor, Vorarlberg, Kärnten und Burgenland: Vorarlberg landete mit 889 Millionen Euro (-11,1 %) diesmal wieder vor Kärnten, das mit 833 Millionen Euro den größten prozentuellen Einbruch unter allen Bundesländern, nämlich -24,2 % zu verzeichnen hatte. Burgenland blieb mit 323 Millionen Euro oder -1,1 % auf dem letzten Platz, konnte seinen Anteil am nationalen Kuchen jedoch wieder minimal (+0,1 %) erhöhen.


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Datum: 06.03.2014

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