Globe Invest-Anleger bangen um 38 Millionen €

Die misslungenen Anlagegeschäfte des oberösterreichischen Finanzlers Bernhard Wolschlager wirbeln viel Staub auf

Wie das WirtschaftsBlatt berichtete, hat der Grazer Anlegeranwalt Harald Christandl die Finanzmarktaufsicht (FMA) aufgefordert, Ermittlungen einzuleiten und den Fall umgehend aufzuklären. Denn Globe Invest hat kurz vor Weihnachten die Auszahlungen an ihre Anleger gestoppt und Ausgleichsanträge für drei ihrer Gesellschaften angekündigt. Doch Globe Invest ist kein konzessionierter Wertpapierdienstleister und auch kein Mitglied der Anlegerentschädigung.

„Die Globe Invest AG ist kein von uns beaufsichtigtes Unternehmen“, sagt Klaus Grubelnik, Sprecher der Finanzmarktaufsicht. Aber in Sachen Prospektpflicht nach dem Kapitalmarktgesetz ist die FMA auch für Globe Invest zuständig. Grubelnik: „Unsere Ermittlungen drehen sich um die Frage, ob bei einzelnen Prospekten eine Prospektpflicht vorliegt oder nicht.“ Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um ein Produkt handeln, dessen Emission vorzeitig beendet worden ist.

Keine Informationen über Ermittlungen

„Uns ist weder persönlich noch schriftlich bekannt, dass die FMA gegen uns ermittelt“, sagt Globe Invest-Chef Bernhard Wolschlager zum WirtschaftsBlatt. „Wir sind schon früher mit der FMA in Verbindung gestanden.“ Im Vorjahr hat es ein Verfahren gegeben, das aber zugunsten von Globe Invest ausgegangen ist. Indes sei das Ausgleichangebot der Globe Invest an die Anleger nach wie vor aufrecht.

Am Montag trifft sich Wolschlager erneut mit seinen Anwälten. Innerhalb der nächsten vierzehn Tage ist mit der Einbringung der Anträge zu rechnen. Ob die Anträge bei einem oberösterreichischen oder Wiener Insolvenzgericht eingebracht werden, ist noch nicht entschieden.

Wolschlager setzt bei der „Entschuldung“ vor allem auf die Verwertung der angekauften Grundstücke. Dafür braucht er aber Zeit.

Die Zeit drängt

„Wenn wir unsere Immobilien nicht von heute auf morgen verkaufen müssen, bekommen wir Geld dafür, wenn wir sie aber von heute auf morgen verkaufen müssen, haben wir zu tun, die 40-Prozent-Quote zusammenzubringen“, bekennt Wolschlager. „Manche Grundstücke sind auch mit ein bisschen Kredit finanziert.“ Nachsatz: „Aber wenn ich ein Grundstück zu 25 kaufe und zu 50 verkaufe, habe ich 100 Prozent Gewinn, dann zahle ich an die Bank zurück und habe einen schönen Gewinn für die Investoren.“ Außerdem habe man eine schriftliche Zusage eines Investors an der Hand.

Bis zur „Krise“ dürften die Globe-Geschäfte ganz gut gelaufen sein. „Wir haben quer durch Österreich bis nach Osteuropa rund 5000 Kunden“, bestätigt Globe Invest-Chef Wolschlager dem Wirtschaftsblatt. „Das Investmentvolumen ist 35 bis 38 Millionen €, wir waren aber einmal größer.“ Nachsatz: „Wir haben zum Glück sehr viel in Immobilien investiert, aber waren in unseren Prospekten zu gutmütig und haben gesagt, der Kunde kann jederzeit kündigen.“

Niemand habe mit der Finanzsituation, die am Markt eingetreten ist, gerechnet. „Zum Glück betrifft es nicht nur uns“, sagt Wolschlager. „Wenn jeder Kunde verkaufen kann, obwohl er eine fünfjährige Laufzeit eingeht, dann fällt ihm das zu dieser Zeit auf den Kopf. Genau dieser Fall ist eingetreten.“ Nachsatz. „Es ist im Aktienbereich etwas verspekuliert worden, wie überall anders auch.“ (WirtschaftsBlatt)


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Datum: 13.08.2009

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