Österreicher sind Umzugsmuffel und wollen es besser haben

Die große Wohnumfrage von wohnnet und s REAL: Warum begibt sich jemand auf Immobiliensuche? Überraschend: Kostenersparnis oder auslaufende Verträge sind selten der Grund. Warum kaufen Interessenten oder mieten lieber? Qualitätssteigerung, Umzugsunwille, Freiheit und Flexibilität sind Hauptmotive.

Ein Achtel der Bevölkerung in Österreich ist laufend in Bewegung und beschäftigt sich mit dem Thema Wohnen. „Die Menschen suchen oder ziehen nicht deshalb um, weil sie Kosten sparen wollen oder ein auslaufender Vertrag sie dazu zwingt – gemeinsam betrachtet trifft dies nicht einmal auf jeden Zehnten zu –, sondern hauptsächlich deshalb, weil sie eine Verbesserung ihrer Wohnqualität wünschen oder sich die persönliche Lebenssituation verändert und weiterentwickelt hat“, erklärt Michael Pisecky, Geschäftsführer bei der s REAL Immobilien.

Kosten- oder sonstiger Druck würde dagegen von Konsumenten- oder Mieterschutzverbänden übertrieben als Gründe für einen Umzug dargestellt, merkt Pisecky an.

Als weitere Motive nannten die Befragten Berufs- und ein damit verbundener Ortswechsel (17%), der Wunsch nach einem Eigenheim anstelle einer Mietimmobilie (17%), die erste eigene Wohnung (8%), das oben genannte Bedürfnis der Kostensenkung (6%) sowie ein ausgelaufener Vertrag (3%).

Bei den sonstigen Angaben (23%) wurden u.a. die Suche nach einer Investitionsmöglichkeit, allgemeines Interesse am Immobilienmarkt und veränderte Lebensbedingungen im Zuge einer Scheidung oder Trennung) genannt.

Warum wird gekauft?

Der mit Abstand am häufigsten genannte Grund für einen Immobilienkauf ist mit 33 Prozent das Faktum, dass im Eigenheim keine weiteren Übersiedlungen mehr nötig sind. Immerhin 19 Prozent sehen in einer Immobilie eine Vorsorge für das Alter, weitere 13 Prozent erachten sie als Geldanlage. „Aber nur drei Prozent erwarten wirklich eine Wertsteigerung“, betont Pisecky, ein Spekulationsgedanke ließe sich den Interessenten daher eher nicht unterstellen. „Wer Eigentum schafft, schafft sich auch Freiheit – ein für viele erstrebenswertes Ziel“, so Pisecky. Zudem sei Österreich mit 56 Prozent Eigenheimbewohnern das Land in Europa mit der zweithöchsten Quote an Mietern.

Wer mietet?

Nach den Gründen befragt, warum eine Immobilie zur Miete gesucht wird, landen Flexibilität und (auch wiederum) Freiheit mit 25 Prozent ganz weit vorne, gefolgt von mangelnden finanziellen Möglichkeiten (21%) und der aktuellen Lebensphase (20%).

Gut die Hälfte der Umfrageteilnehmer (53%) möchte also Eigentum an einer Immobilie erwerben. Jeweils 19 Prozent suchen Eigentumswohnungen und Häuser, elf Prozent würden gern auf dem passenden Grundstück bauen, vier Prozent suchen eine Gewerbeimmobilie zum Kauf.

Die Mietwohnung ist demnach für 21 Prozent das Objekt der Begierde, sieben Prozent suchen ein Miethaus, weitere 16 Prozent sind auf der Suche nach einer „Sonstigen Immobilie“ (z.B. land- und forstwirtschaftliche Liegenschaft, Genossenschaftswohnung, …).

Teilnahmerekord

Seit nunmehr fast fünf Jahren führen s REAL und Wohnnet einmal jährlich eine gemeinsame große, repräsentative Wohnumfrage unter den Usern der Websites www.sreal.at und www.wohnnet.at durch, um die aktuellen Wohnbedürfnisse zu erheben. Heuer wurden Österreicherinnen und Österreicher von Ende April bis Mitte Juni 2016 befragt, mit 6.875 Personen wurde eine Rekordbeteiligung verbucht.

Von den Teilnehmenden waren 52 Prozent Frauen und 48 Prozent Männer, 73 Prozent waren unter 50 Jahre alt, die restlichen 27 Prozent waren älter.


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Datum: 20.07.2016

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