Berlin boomt, Blase nicht in Sicht

Der Immobilienmarkt in Berlin zeigt sich dynamischer denn je. Nach einer Art Schockstarre in den Neunzigern, entwickelt sich die Stadt wieder zur Weltmetropole. Angst vor einer Blase herrscht unter Experten aber nicht.

City West und City Ost sind die Hotspots in Berlin. Auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die bewegte – und bewegende – Vergangenheit der Stadt nicht vergessen. Scheint der Immobilienmarkt in den Neunzigern in eine Art Schockstarre verfallen zu sein, zeigt sich seit wenigen Jahren eine rasante Entwicklung zurück zur Weltmetropole, die Berlin schon vor dem zweiten Weltkrieg und seiner brutalen Teilung in West und Ost war.

Starke Zuwanderung

Heute ist die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland eine der am stärksten wachsenden Großstädte in Europa. Lag der Zuzug 2010 noch unter 17.000 Personen, so ziehen seit 2011 jährlich rund 40.000 Personen neu in die Stadt. Laut Bevölkerungsprognosen wird die Einwohnerzahl Berlins von 2011 bis 2015 um 151.000 Personen gestiegen sein. Von 2015 bis 2020 wird ein Wachstum um 116.000 Menschen erwartet. Die Konsequenz: Wohnraum wird knapp.

immonet/Karin Bornett © immonet/Karin Bornett

Die Entwickler setzen auf Eigentum. Hier entstand eine großzügige Loftwohnung im trendigen Stadtbezirk Neuköln.

immonet/Karin Bornett © immonet/Karin Bornett

Neuköln zählt zu den beliebtesten Wohngegenden Berlins. Auch hier wird modernisiert und Wohnraum geschaffen.

immonet/Karin Bornett © immonet/Karin Bornett

Robert Neumüller, Geschäftsführer der S IMMO Germany und Ernst Vejdovzky, CEO S IMMO AG, sind vom hohen Potenzial des Berliner Immobilienmarkts überzeugt (v.l. ).

Günstiges Marktumfeld für Investitionen

Für Projektentwickler und Investoren herrscht ein freundliches Marktumfeld. So haben sich die Mietpreise nach einem kurzen „Nachwende-Boom“ auf niedrigem Niveau eingependelt. Zwar steigen die Preise seit 2010 stetig, sie liegen aber mit durchschnittlich 5,54 Euro pro Quadratmeter Nettomiete immer noch unter dem Niveau von 1994. „Da bleibt durchaus Luft nach oben“, sagt etwa Robert Neumüller, Geschäftsführer der S IMMO Germany. Ernst Vejdovzky, CEO S IMMO AG, ergänzt: „ Jetzt ist die richtige Zeit für nachhaltige Investitionen.“

immonet/Karin Bornett © immonet/Karin Bornett

Wo früher noch ein Rechenzentrum war, entstehen jetzt moderne Büroräume.

Nur 14 Prozent besitzen Eigentumswohnung

Großes Potenzial sieht der Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland Jürgen Michael Schick in Eigentumswohnungen. Schließlich wohnen in Berlin satte 86 Prozent der Bevölkerung zur Miete. Laut Marktberichten haben sich die durchschnittlichen Kaufpreise für neue Einheiten in guten Lagen seit dem Jahr 2004 um rund 70 Prozent erhöht, die größte Steigerung im Vergleich nahezu aller Wohnungsmärkte in Deutschland. Viele Berliner können es sich leisten. So ist seit 2005 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stark und viel schneller als im Bundesdurchschnitt gestiegen.

immonet/Karin Bornett © immonet/Karin Bornett

Musterbüro im Rechenzentrum.

Thema leistbar wohnen

Trotzdem ist auch leistbares Wohnen Thema. Denn die für Berlin charakteristisch hohe Sockelarbeitslosigkeit (rund 11 %) sinkt langsamer. Mit einer der Hauptgründe, warum die Kaufkraft der Bevölkerung nach wie vor deutlich unter bundesdeutschem Durchschnitt bleibt. Zunehmende Verknappungstendenzen in zentrumsnahen Lagen und im unteren Preissegment kennzeichnen das Marktgeschehen. Die Politik reagiert mit einem Neubauziel von 10.000 Einheiten pro Jahr – zu wenig, betrachtet man den Zuzug. Neben der Förderung des Wohnungsbaus hat der Senat die „Verordnung über das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum“ erlassen.

Entwicklung der ortsüblichen Mietpreise in deutschen Städten in Euro/qm.

Politische Maßnahmen nicht ausreichend

Wohnungseigentümer, die ihre Räume gewerblich nutzen, haben nun drei Monate Zeit, um diese gewerbliche Nutzung dem zuständigen Bezirksamt zu melden. Sie müssen dann beantragen, die Wohnung weiterhin auf diese Weise nutzen zu dürfen. Insgesamt bleibt ihnen eine Übergangsfrist von zwei Jahren, um sich auf die neue Rechtslage einzustellen. Danach müssen die Eigentümer die Räume wieder als Wohnraum zur Verfügung stellen. Auch Ferienwohnungen sind von der Verordnung betroffen. Dem Senat zufolge werden rund 15.000 Wohneinheiten in Berlin als Ferienwohnungen genutzt. Trotzdem: Die Nachfrage wird auch in den nächsten Jahren steigen und weit über dem Angebot liegen.

Von Immoblase keine Rede

Die gute Nachricht: Die Gefahr einer Blase ist laut Experten nicht gegeben. So spricht laut Wohnungsmarktbericht der IBB Investitionsbank Berlin vieles dafür, dass es bis dato zu keiner substanziellen Überbewertung gekommen ist. Die Preisbewegungen seien vielmehr Ausdruck der verzögerten Angebotsausweitung. Außerdem habe das Volumen der privaten Immobilienkredite moderat zugenommen. Der Markt wird jedenfalls dynamisch bleiben und birgt viel Potenzial, da sind sich die Experten einig.


Autor:

Datum: 20.09.2014

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Investment

Die Wertpapierexperten der Raiffeisen Centrobank bekräftigen ihre Anlageempfehlung „Hold” für die Wertpapiere des heimischen Immobilienunternehmens Buwog. Das Kursziel von 24,50 Euro bleibt unverändert. Im ersten Quartal hat die Buwog mehr Mieteinnahmen und weniger Gewinn erzielt. Beim Projekt Pfarrwiesengasse wurde neulich die Dachgleiche gefeiert, das Projekt Töllergasse ist frisch im Vertrieb.

Für Anleger der Immofinanz ist jetzt eine Dividende von 6 Cent je Aktie fix. Es werden in Summe rund 58 Millionen Euro ausgeschüttet.

Die Immobilieninvestmentgesellschaft Wienwert begibt eine neue Anleihe mit einem Emissionsvolumen von bis zu 5 Millionen Euro, mit 3,75 Prozent Zinsen pro Jahr und einer Mindestzeichnungssumme von 1.000 Euro.

Sowohl die Analysten der Baader Bank als auch von Kepler Cheuvreux haben die CA Immo auf ihrer Kaufliste. Vor kurzem hat die CA Immo bekanntgegeben, in Frankfurt 2.100 weitere Quadratmeter Bürofläche im Tower 185 vermietet zu haben.

Der Vorstand der an der Börse Wien notierten S Immo AG hat am 28. September 2016 beschlossen, ein Aktienrückkaufprogramm zu starten.

Deutschlands größter Baukonzern Hochtief zieht eigene Aktien ein: Die 5.009.434 Stück entsprechen 7,2 Prozent des Aktienkapitals von Hochtief.