Immobranche für 2014 optimistisch

immonet.at befragte Experten, welche Entwicklungen die Bau- und Immobilien-Branche im neuen Jahr zu erwarten hat. Weitreichender Konsens herrscht in der Grundstimmung: Optimismus macht sich breit.

CBRE Group © CBRE Group

Andreas Ridder, Geschäftsführer CBRE Österreich:

S IMMO AG © S IMMO AG

Friedrich Wachernig, Vorstand der S IMMO AG:

Reichl und Partner PR GmbH/APA-Fotoservice/Schedl © Reichl und Partner PR GmbH/APA-Fotoservice/Schedl

Anton E. Nenning, RE/MAX Managing Director:

s Real © s Real

s REAL-Geschäftsführer Michael Pisecky.Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe Wien der Immobilientreuhänder der Wirtschaftskammer:

Wopfinger Baustoffindustrie GmbH © Wopfinger Baustoffindustrie GmbH

Georg Bursik, Geschäftsführer der Wopfinger Baustoffindustrie GmbH:

EHL Immobilien GmbH © EHL Immobilien GmbH

Franz Pöltl, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting:

Ein neues Jahr hat begonnen und dieses verspricht - ganz allgemein - eine Erholung der Wirtschaft. So ortet das WIFO für 2014 europaweit eine "deutliche Zunahme der Auftragseingänge" und sieht bereits Anfang des Jahres ein Wachstum in Österreich, das 2014 1,7% erreichen wird. Auch die Baubranche ist zuversichtlich.

So wird das europäische Bauvolumen laut Prognosen des Bauforschungsnetzwerkes Euroconstruct ab 2014 wieder mäßig zunehmen (+0,9%). In den Folgejahren werde sich das Wachstum dank der Konjunkturbelebung beschleunigen. Nach dem empfindlichen Einbruch in den Vorjahren geht dieser Zuwachs allerdings von niedrigem Niveau aus. Der Hochbau profitiert laut Euroconstruct in fast allen europäischen Ländern von der Stabilisierung der Gesamtwirtschaft, im Tiefbau wird der Investitionsrückstau der letzten Jahre aufgearbeitet.

Konjunkturelle Erholung in Sicht

Experten der Immobilienbranche erwarten eine Konsolidierung des Marktes und rechnen damit, dass sich die Immobilienpreise 2014 langsam stabilisieren. So meint etwa Andreas Ridder, Geschäftsführer CBRE Österreich: "Prinzipiell sollte das Jahr 2014 ein gutes sein, beflügelt von der allgemein erwarteten konjunkturellen Erholung." Auch Friedrich Wachernig, Vorstand der S IMMO AG, rechnet mit einer positiven Entwicklung: "Schon das letzte Quartal des heurigen Jahres hat einiges an positiven Signalen gebracht, es ist definitiv wieder Optimismus in der Branche spürbar. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Jahr 2014 einen ersten Aufschwung bringen wird. Gerade die Länder in Zentral- und Südosteuropa werden sich zunehmend erholen, auch der Kapitalmarkt gewinnt wieder an Fahrt."

Entlastung für Käufer und Mieter

Käufer und Mieter können laut Immobilien-Experten mit einer Entlastung rechnen: Die Nachfrage nach Häusern, Wohnungen und Grundstücken sinkt laut Aussendung von RE/MAX um 0,2 %, das Angebot an Immobilien steigt um 0,7% und der Preis sinkt um 1 %. "Damit wächst 2014 erstmals seit Jahren wieder das Immobilien-Angebot und die Nachfrage nach Häusern, Wohnungen und Grundstücken sinkt, und daher werden generell die Immobilien-Preise eher fallen als steigen. Das ist das verdichtete Ergebnis der Erwartungen der 470 RE/MAX-Immobilien-Experten für 2014. Unterschiede wird's natürlich je nach Immobilientyp, Preissegment, Lage und Bundesland geben", erklärt Anton E. Nenning, RE/MAX Managing Director. "Je teurer eine Immobilie ist, desto eher ist 2014 mit einer Preiskorrektur nach unten zu rechnen, je billiger eine Immobilie ist, desto eher wird die Nachfrage noch steigen und der Preis minimal anziehen", meint Nenning.

Wien: Abflachung des Mietniveaus

Zur Situation im stark nachgefragten Wien sagt Michael Pisecky, Obmann der Fachgruppe Wien der Immobilientreuhänder der Wirtschaftskammer: "Seit dem Frühjahr 2013 ist in der Bundeshauptstadt ein eindeutiger Trend zu einer Abflachung des Mietniveaus erkennbar. Vor allem bei Mieten über der 1.000 Euro Marke wird es immer schwieriger Mieter zu finden, was dazu führt, dass vor allem größere Wohnungen sogar billiger werden. Das beweist, dass der Markt auch im Wohnbereich weiterhin funktioniert. 2014 wird voraussichtlich lediglich die mit 1.1.2014 in Kraft getretene Erhöhung der Gebühren für Wasser, Kanal und Müllabfuhr zu einem Anstieg der durchschnittlichen Bruttomieten führen."

Ländliche Regionen hingegen werden vor allem für Käufer attraktiv. So werden laut RE/MAX-Experten Eigentumswohnungen in Landgemeinden dieses Jahr um 3,7 % weniger nachgefragt als 2013. Das Angebot bleibt konstant (-0,1 %), der Eigentumswohnungspreis am Land sinkt dementsprechend. "Auf ins Grüne!" rät daher Nenning und: "wer siedeln kann, der siedle, und nütze den günstigeren Preis am Land."

Wirtschaftsmotor Wohnungsneubau

Die österreichische Bauwirtschaft wird sich 2014 überdurchschnittlich entwickeln, vor allem weil der Wohnungsneubau aktuell wieder deutlich an Dynamik gewinnt, sind die Experten von Euroconstruct überzeugt. Auch Georg Bursik, Geschäftsführer der Wopfinger Baustoffindustrie GmbH, streicht die Bedeutung des Wohnungsneubaus für die österreichische Bauwirtschaft hervor: "Generell sehe ich dem Jahr 2014 positiv entgegen. Grund zum Optimismus liefert der zu erwartende Anstieg im Wohnungsneubau, auch weil die Politik vor der Wahl versprochen hat, in den sozialen Wohnbau zu investieren. Weiters können wir davon ausgehen, dass Wien und Wien Umgebung eine der wenigen Städte im europäischen Raum ist, welche voraussichtlich auch in Zukunft wachsen wird und hier einfach zusätzlicher Wohnraum gebraucht wird."

Marktanalyst Andreas Kreutzer, Kreutzer Fischer & Partner Consulting GmbH, ist zwar sicher, dass das Thema "leistbares Wohnen" uns noch länger beschäftigen wird, aber auch er denkt, dass der Wohnungsneubau und ganz allgemein der Bau von Mehrgeschossern zunehmen wird. "Wobei leistbares Wohnen vor allem die Ballungszentren betrifft", sagt er im Interview.

Investoren: Chance Leerstand

Der Immobilieninvestmentmarkt wird laut EHL 2014 im Wesentlichen von zwei Faktoren geprägt sein: Den anhaltend niedrigen Zinsen und dem wieder anspringenden Vermietungsmarkt im Bereich gewerblicher Immobilien, insbesondere Büros. So werden die niedrigen Zinsen dafür sorgen, dass das Preisniveau für erstklassige Objekte mit Spitzenrenditen von 5,0 bis 5,25 Prozent im Bürosegment auf hohem Niveau stabil bleibt. Die steigenden Vermietungszahlen machen hingegen auch Objekte außerhalb des Topsegments wieder interessant. „In den vergangenen drei Jahren waren Objekte auch mit nur geringem Leerstand sehr schwer verkaufbar. Jetzt beginnen die Investoren, das wieder entspannter zu sehen, weil wieder mehr Mietinteressenten auf dem Markt sind und Leerstände daher kein unlösbares Problem, sondern manchmal sogar eine Chance sind“, erklärt Franz Pöltl, Geschäftsführer der zur EHL-Gruppe zählenden EHL Investment Consulting.

Büromarkt-Trends

Am Büromarkt wird der Trend zur Nachhaltigkeit laut EHL auch im neuen Jahr anhalten und sogar noch stärker werden. So hätten energieeffiziente und ressourcenschonend errichtete „Green Buildings“ für Mietinteressenten einen immer höheren Stellenwert und Öko-Zertifizierungen werden immer wichtiger. Außerdem zeichnet sich laut Experten von EHL eine Verschiebung der Nachfrage hin zu mittel- und hochpreisigen Büroflächen ab. Kostenoptimierung sei nicht mehr das Hauptkriterium, stattdessen spielen Faktoren wie Qualität und repräsentative Lage eine stärkere Rolle. Auch die Nachfrage nach hochwertigen Büroflächen in Zweitvermietung steigt laut Experten wieder.


Autor:

Datum: 14.01.2014

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Die Umsatzeinbrüche der Jahre 2012 bis 2015 in der Fertighausbranche gehören der Vergangenheit an: 2016 nahm die mittlerweile stark konzentrierte Branche Fahrt auf. Und mit plus sieben Prozent recht deutlich. Die Zahl der verkauften Häuser stieg um 4,6 Prozent, wie Interconnection Consulting in einer aktuellen Studie aufzeigt. 2017 soll den Autoren zufolge ähnlich gut performen. Realistisch sei ein Umsatzwachstum von 6,4 Prozent. Mit ein Grund? Die Häuslbauer werden bequemer; schlüsselfertige Lösungen boomen. Zudem seien der Aufschwung in der Bauwirtschaft und steigende Preise hilfreich.

Wien wächst rasant weiter, im letzten Jahr zogen rund 28.000 Menschen in die Bundeshauptstadt. Damit steigt die Misere auf den Wohnungsmarkt, wie auch der erste Wiener Wohnungsmarktbericht für das Jahr 2017, der heute von der Buwog und EHL im Architekturzentrum Wien präsentiert wurde, belegt. Fazit: der Nachfrageüberhang wird nicht gedeckt. Das hat steigende Mieten und Kaufpreise zu Folge.

Fachmarktzentren, dominierende Großketten, die in die Malls drängen – die Innenstädte haben zunehmend mit dem Geschäftssterben zu kämpfen. In Wien steuert die Wirtschaftskammer mit einem Leerflächenmanagement in enger Kooperation mit der Immobilienwirtschaft gegen – und meldet damit für 2016 positive Ergebnisse. Die Leerstandsquote sank dank Gastronomie und Kleinhandel im Vergleich zu 2015 um 16 Prozent.

Plus bei Umsatz und Gewinn, neue Standorte realisiert und weitere in der Pipeline – auch in Österreich: Die Budget Design Hotelgruppe Motel One präsentierte dieser Tage ihre Bilanz zum Geschäftsjahr 2016 und gab ihre nächsten Expansionsziele bekannt.

Die Immofinanz ließ 2016 am rumänischen Büromarkt die Muskeln spielen: In der Hauptstadt Bukarest wurden circa 80.000 Quadratmeter Bürofläche vermietet. Das sind laut Unternehmensangaben mehr als 40 Prozent des gesamten Büro-Bestandsportfolios im Kernmarkt.

Die Rekordjagd am heimischen Immobilienmarkt ist auch im Jahr 2016 weitergegangen. Wie das Maklernetzwerk Re/Max meldet, wurden im abgelaufenen Jahr landesweit 121.436 Immobilienverkäufe im Wert von 26,87 Mrd. Euro im Amtlichen Grundbuch vermerkt. Ein Steigerungsrate von satten 8,3 Prozent im Vergleich zu 2015.

Die UBM macht weiter Tempo. Nach dem Pilot Tower in Krakau trennt sich der Immobilienentwickler im Zuge seines strategischen Verkaufsprogramms „Fast Track 2017“ gemeinsam mit seinem Joint Venture-Partner Warimpex für insgesamt 34 Millionen Euro von zwei Hotels in Katowice (PL) und Pilsen (CZ). In Österreich geht das Magna Logistik- und Betriebszentrum in Graz für 17 Millionen Euro an Palmira Capital Partners.

Die Re/Max Commercial Group geht unter die City Consulter. Ziel sei es, den Entscheidungsträgern abseits der Ballungszentren neue Ansätze zur Attraktivitätssteigerung der Innenstädte zu bieten, heißt es dazu aus dem Unternehmen. Ansprechen will man sowohl öffentlichen Entscheidungsträger als auch Wirtschaftstreibende. Bedarf gibt es jedenfalls: Die Verkaufsfläche reduziert sich kontinuierlich, der Handel ist und bleibt im Wandel.

Ein Bild mit ersten Schönheitsfehlern: Der soeben erschienene Konjunkturbarometer des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke (VÖB) zeichnet zwar ein grundsätzliches Hoch. Im Halbjahresvergleich orten die Autoren in einzelnen Produktgruppen aber eine "problematische Tendenz". Laut VÖB würden hier einige auslaufende Großprojekte hineinspielen. Ein weiterer Grund zur Sorge: Neben dem Tiefbau mangle es vor allem im Bereich Gewerbe- und Industriebau an der notwendigen Investitionsbereitschaft.