Megastädte - Gigantische Stadtentwicklungsprojekte

Rund um den Erdball entstehen riesige Städte auf dem Reißbrettern der großen Architektenbüros. Dabei stehen auch ökologische Sichtweisen und durchdachte Stadtentwicklung im Rampenlicht.

Rund um die Welt entstehen gerade riesige, neue Metropolen. Und sie sollen ganz anders werden, die Städte der Zukunft.

Und doch kämpfen Sie mit den gleichen Problemen wie auch andere Metropolen der Welt: demografische Entwicklung, städtebaulicher Wildwuchs, umweltbedingte Lebensqualität. Anlässlich der Real Corp, der größten Konferenz Europas zum Thema Stadt- und Raumplanung verdeutlichte Ingolf Schädler, Bereichsleiter für Innovation im österreichischen Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, die globale Problematik: Derzeit lebten etwa 50 Prozent aller Menschen in urbanen Gebieten. Bis 2050 werden es schon 70 Prozent sein, während gleichzeitig die Weltbevölkerung von rund sechs Milliarden auf – je nach Schätzung – neun bis zwölf Milliarden anwachsen wird. Die Anzahl der Menschen könnte sich also in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln, wobei als ein Megatrend die rapide Alterung der Gesellschaft die demografische Entwicklung maßgeblich beeinflussen wird.

Baietan, China

SOM © SOM

Ein gutes Beispiel für den Weg zur Nachhaltigkeit schon ab der Wiege einer Stadt liefert das Projekt Baietan in China. Die neue 4.000-Hektar-Stadt bei Guangzhou soll rund 740.000 Menschen Obdach bieten.

Die Planer von SOM (Skidmore, Owings & Merrill) wollen unter anderem bis zu zehn Prozent des jährlichen Energiebedarfs aus erneuerbarer Energie – Solarenergie, Photovoltaik, Windkraft und Erdwärme - liefern.

Songdo, Südkorea

Spannend wird es auch beim Projekt Songdo in Südkorea. Die neue 600-Hektar-Metropole wird aus 40 Prozent Grünfläche bestehen, völlig nach Kriterien des Umweltlabel LEED errichtet und gänzlich autofrei sein.

Bereits bis Ende 2012 werden 27.000 von geplanten 65.000 Menschen in Songdo wohnen und fast neun Millionen Quadratmeter LEED-zertifizierte Raum abgeschlossen sein. In Songdo, so nur ein weiteres Ziel, soll außerdem die sauberste Luft der Welt geatmet werden können.

Archipelagio 21, Südkorea

Ray-us corp © Ray-us corp

Archipelago21 nennt sich eine umfassende Sanierungsmaßnahmen für den Yongsan International Business District of Seoul, Südkorea. Hier wird die Landschaft der historischen Hauptstadt Koreas neu erfunden.

Das nachhaltige Stadtentwicklungsprojekt setzt sich aus mehr als 30 Millionen Quadratmeter bebaute Fläche zusammen und wird ein neues internationale Geschäftsviertel, mit Einkaufsmöglichkeiten, Wohngebieten Kultureinrichtungen, Bildungseinrichtungen und Verkehrsinfrastruktur.

Masdar, VAE

Foster + Partners © Foster + Partners

Gewohnt extrem gehen die Emirate das Thema an: Mit dem Plan zu Masdar City in Abu Dhabi wird eine Ökostadt als globales Musterbeispiel angestrebt. Sie soll auf sechs Quadratkilometer nicht nur der Wissenschaft ausreichend Platz bieten, Masdar ist zudem als Hauptsitz der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (IRENA) geplant.

Dementsprechend ehrgeizig sind die Pläne des laufenden Projekts: Masdar soll vollkommen CO2-neutral werden, sich völlig durch erneuerbare Energie versorgen. So soll etwa die Wasserversorgung durch solarbetriebene Entsalzungsanlagen gedeckt werden, die Stadt durch ausgefeilte Recyclingsysteme nahezu abfallfrei sein. Es bleibt abzuwarten, ob dies alles mit dem neuen Fertigstellungstermin 2020 erreicht werden kann.

Aspern, Österreich

Schreinerkastler © Schreinerkastler

Städtebauliche Überlegungen europäischer Cities zielen inzwischen verstärkt auf ein Miteinander sozialer Schichten ab: quasi Multikulti 2.0. Längst hat sich nämlich erwiesen, dass ein durchdachter kultureller und sozialer Mix in Quartieren für ein funktionierendes Zusammenleben überaus förderlich ist.Mit einem der größten Stadterweiterungsgebiete Europas, der sogenannten Seestadt Aspern in Wien, wird dies bereits bei der Planung berücksichtigt. Aspern soll aber vielmehr noch eine eigenständige Stadt in der Stadt werden.

Auf 240 Hektar entsteht rund um eine urbane Seelandschaft ein Ort, der Generationen und Lebensstile in sich vereinen soll. Als „open minded city“ sollen auch neue Lebensmodell ermöglicht werden, hin zum Trend der Selbstständigen, die Leben, Freizeit und Beruf unter einem Dach vereinen – mit ausgewogener life-work-balance. Die ambitionierten Pläne Asperns sehen also mehr als nur einen weiteren Stadtteil vor: Sie kommen einem beinahe experimentellen Raum für Leben, Freizeit, Bildung und Wirtschaft in Union gleich.

Dholera, Indien

Halcrow © Halcrow

Insbesondere für Asien ist Raumgewinnung für Wirtschaft und wachende Population ein entscheidendes Zukunftsthema. Das größte Entwicklungsprojekt läuft aktuell in der indischen Provinz Gujarat, wenn auch mit geringer umweltpolitischer Relevanz: Unter dem Titel Dholera entsteht hier auf 36.000 Hektar eine gänzliche neue Wirtschaftsregion mit 22 neuen Orten für insgesamt zwei Millionen Einwohner.

Lavasa, Indien

HOK © HOK

Unter der Planung des internationalen Architekturbüros HOK wird der neue Bezirk Lavasa, ebenfalls in Indien, geboren – mit mehreren Orten auf 10.000 Hektar. Im Gegensatz zur reinen Raumgewinnung sorgt hier ein recht neues Konzept für Aufmerksamkeit: Planungschef Chip Crawford (Interview) will sich unter dem Konzept der Bionik der Natur weitgehend annähern: „Wir wollen nicht nur die Natur kopieren - wir wollen mit der Funktionsweise der Natur übereinstimmen. Nach unserer bio-inspirierten Sichtweise funktioniert die Stadt der Zukunft eher wie das Ökosystem eines Waldes als wie eine ausgedehnte Metropole. Wir wollen die ökologische Struktur in die der städtischen Infrastruktur integrieren.“


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Datum: 22.03.2012

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