Warschauer Trends 2009

Der jüngst erschienene „Poland Real Estate Review 2009“ von Colliers stellt im Rückblick für 2008 eine äußerst hohe Aktivität am Warschauer Büromarkt fest. Die Innenstadt gehört zu den Verlierern, der Süden zum großen Gewinner

Der jüngst erschienene „Poland Real Estate Review 2009“ von Colliers stellt im Rückblick für 2008 eine äußerst hohe Aktivität am Warschauer Büromarkt fest. Insgesamt wurden mehr als eine halbe Million Quadratmeter an Bürofläche vermietet, wobei es 2008 auch zur flächenmäßig größten Transaktion in der jüngsten polnischen Geschichte kam: Die polnische Pekao SA mietete im Südwesten der polnischen Hauptstadt 40.000 Quadratmeter im Lipowy Business Park an. Die größte Transaktion in der Innenstadt war die Neuverhandlung des Mietvertrages des Wirtschaftsprüfers KPMG im Warsaw Trade Tower über „nur“ 9.400 Quadratmeter.

Die meisten Neuvermietungen erfolgten auf Kosten weiterer Entwicklungen im traditionellen Wirtschafts- und Finanzzentrum Warschaus. Immerhin 85 Prozent aller Miettransaktionen erfolgten außerhalb des traditionellen Warschauer Central Business Districts. Abseits der Warschauer Hochbauten wurden so mehr als 250.000 Quadratmeter an Bürofläche fertiggestellt, denen 2009 weitere 295.000 Quadratmeter folgen sollen.

Vom Zentrum in die Peripherie
Ende 2008 war infolge der weltweiten Finanzkrise eine leichte Verunsicherung am Markt zu verspüren, was sich in längeren Überlegungsfristen und Nachdenkpausen bei den potenziellen Mietern niederschlug und in dem allgemeinen Trend, dass mehrere Firmen aus Einsparungserwägungen aus dem Zentrum an die Peripherie absiedelten.

Insgesamt stehen – so der Bericht von Colliers – zur Zeit in Warschau etwa drei Millionen Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung. Von den genau 252.400 Quadratmeter im Jahr 2008 übergebenen Büroflächen wurden nur 14.500 im traditionellen Zentrum Warschaus um Kulturpalast und Hauptbahnhof errichtet und mehr als sechzig Prozent im Süden Warschaus, der sich damit mehr und mehr in einen aufstrebenden Bürobezirk verwandelte. Insgesamt wurden 23 Gebäude fertiggestellt, unter den größten befand sich das Marynarska Business Center mit 43.000 Quadratmetern im Süden, das North Gate mit 29.000 Quadratmetern am nördlichen Ende der alten Innenstadt. Der Komplex Grzybowska Park mit 10.000 Quadratmeter war unter den 2008 übergebenen Bauten das einzige bedeutendere Projekt im Innenstadtbereich der polnischen Hauptstadt. Laut Colliers wird sich dieser Trend auch 2009 fortsetzen, sind doch im zentralen Hochhausquartier Warschaus um den Plac Defilad nur ca. 20.000 Quadratmeter Neubauten vorgesehen.

Steigende Nachfrage im Jahr 2008
Die Nachfrage nach Büroraum betrug 2008 insgesamt 523.900 Quadratmeter – eine Zunahme um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Festzustellen ist, dass allgemein der Anteil von Vorvermietungsverträgen zunahm: Lagen sie 2007 erst bei 33 Prozent, so machten sie 2008 bereits mehr als 45 Prozent aller Transaktionen aus. Die größten Vermietungen erfolgten 2008 in den Finanz- und Consultingbranchen, 25 Prozent aller Transaktionen gingen auf deren Konto. Während bei den Vermietungen kleinerer Flächen – im Bereich zwischen einhundert und fünfhundert Quadratmeter – 2008 ein Rückgang festzustellen war, kam es bei großen und mittleren Büroflächen zu einer Zunahme.

Die Leerstandsraten spiegeln ebenfalls die allgemeinen Trends des Warschauer Büromarkts wider: Während sie im Westen der Stadt 0,76 Prozent betragen, machen sie im Zentrum über fünf Prozent aus. Die Rate von 1,65 Prozent im Süden signalisiert gleichzeitig auch die steigende Attraktivität dieser Zonen am Warschauer Büromarkt.

In der Innenstadt lagen die geforderten Mieten zwischen 24 und 28 Euro pro Quadratmeter, wobei bei älteren Gebäuden durchaus auch niedrigere Mieten die Regel sein können, außerhalb des Zentrum wird im Schnitt 16 Euro pro Quadratmeter verlangt, aber Lagen in der Nähe der Innenstadt oder gutausgestattete Komplexe können durchaus auch 18 bis 20 Euro fordern.

Für 2009 erwartet Colliers die Fortsetzung der 2008 festgestellten Trends und Tendenzen.
Quelle: Colliers

dtz © dtz

Der Marynarska-Komplex in Warschau erhielt den CEE Real Estate Qalitätspreis für das beste Büroprojekt in Mittel- und Osteuropa 2008

Cushing & Wakefield © Cushing & Wakefield

Grzybowska Park war 2008 die größte Neuentwicklung in der Warschauer Innenstadt

www.dziennik.pl © www.dziennik.pl

Lipowy Business Park: Mit Pekao SA größte Miettransaktion Polens

shutterstock © shutterstock

Der zentrale Warschauer Businessbezirk musste 2008 einiges an Attraktivität einbüßen

dtz © dtz

Das North Gate war 2008 mit 29. 000 Quadratmeter Fläche einer der größten Büroneubauten der polnischen Hauptstadt


Autor:

Datum: 09.03.2009

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben

Weitere Artikel aus Märkte

Die Magan Holding, laut eigenen Angaben als „Family Office für die Immobilienwirtschaft“ in Wien und Berlin verortet, expandiert nach Sachsen. Diesen Herbst wurde ein neues Büro in Leipzig aufgesperrt. Holding-Chef Alxander Neuhuber reagiert damit auf die „enorme Dynamik des Immobilienmarkts in den ostdeutschen Städten“, wie es dazu in einer Aussendung heißt. Den neuen Standort hat mit Doris Uehlein eine langjährige Holding-Mitarbeiterin übernommen.

Neue Bausystemlösungen für mehrstöckige Häuser aus Holz: Die Österreich-Offensive wurde letzte Woche vor Fachpublikum im Wiener Architekturzentrum gestartet. Das Unternehmen will die hiesige Bauwirtschaft damit weiter auf den Holzweg führen – und zwar im positiven Sinn.

Was sich Häuslbauer wünschen? Eine Studie im Auftrag der DFH Deutsche Fertighaus Holding AG klärt auf. Wenig überrascht über die auf dem Prinzip der Nachhaltigkeit fußenden Ergebnisse zeigen sich hierzulande die Spezialisten von Vario-Haus. Ihr Branchenbefund: Die Resultate stünden mit ihren Marktbeobachtungen im Einklang. Die eigene Produkt-Range und -Entwicklung sei längst darauf abgestimmt und damit auf Kundenlinie.

In Sachen Küchenoberflächen ist man zwischen Boden- und Neusiedlersee noch immer äußerst konservativ. Laminat dominiert, innovative Produktlinien und hochwertige Materialien setzten sich nur langsam durch, sagt Oliver Reitter, General Manager von Cosentino Austria. Wie er der heimischen Klientel Innovationen schmackhaft machen will, verriet er im wohnnet Business-Talk.

Die Positivmeldungen zum Wiener Büromarkt reißen nicht ab. Auch laut aktuellem und neu standardisiertem Büro- und Investmentmarktbericht der Otto Immobilien Gruppe weist die Trendkurve für 2016 dank deutlich gestiegener Vermietungsleistung eindeutig nach oben.

Europas Fertighausmarkt zeigt für das Jahr 2015 ein sehr uneinheitliches Bild. Wie eine Interconnection Consulting-Studie herausgefunden hat, gibt es positive Kaufrückmeldungen vor allem aus den westlichen Ländern. Osteuropa hinkt tendenziell weiter hinterher. Auch für Österreich wird ein Minus ausgewiesen.

Damit der Traum vom Eigenheim nicht platzt, müssen Herr und Frau Österreicher den Gürtel immer enger schnallen: Welche Sparmaßnahmen genau ergriffen werden und mit welchen Belastungen künftige Immobilienbesitzer zu kämpfen haben, zeigt eine Untersuchung der ING-DiBa Austria.

Beschleunigter Büro-Boom: Einem EHL-Bericht zufolge hat sich die Vermietungsleistung im Q3 verdoppelt – Tendenz weiter steigend. Von Jänner bis September wurden bereits 220.000 Quadratmeter Fläche umgesetzt, ein Plus von 41 Prozent.

Die Immofinanz expandiert mit ihrer Shopping Center-Marke Vivo!. Das nächste Einkaufszentrum wird in der polnischen Stadt Krosno entwickelt, wie das Unternehmen heute meldet. Der Baustart soll in Kürze erfolgen. Zur Eröffnung wird den Retailern eine Fläche von 21.000 Quadratmetern zur Verfügung stehen, geplant sind 60 Shops. In Summe fließen 34 Millionen Euro in das neue Objekt. – Bis dato ist man am Polen-Markt mit zwei Standorten vertreten.