Bosch: Politik gefährdet Wirtschaftsstandort Österreich

Die vorherrschende Bürokratie und Gesetzeslage sieht Bosch-Chef Klaus Peter Fouquet als Hindernis für den Wirtschaftsstandort Österreich. Er fordert Flexibilisierung, etwa bei den Arbeitszeiten.

Im Rahmen der Präsentation der Bosch-Geschäftszahlen 2015 übte Unternehmenschef Klaus Peter Fouquet heftige Kritik an den bestehenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Produktstandortes Österreich. "Es braucht gesetzliche Grundlagen für eine Arbeitszeitflexibilisierung," forderte der Alleinvorstand der Robert Bosch AG, dem größten von acht Unternehmen der Bosch-Gruppe in Österreich. Und: Um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhalten müsse "schnell gehandelt werden, sonst gehen Standorte ins Ausland verloren." 

Parallel dazu veröffentlichte das Schweizer Institut für Management-Entwicklung (IMD) in der Vorwoche sein jährliches Ranking zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit, bei dem Österreich nur Rang 24 belegte - ein signifikanter Rückschritt zu 2007, wo Österreich noch auf Platz 11 gelegen hatte.

Enormer Bürokratieaufwand

Besonders heftig fiel Fouquets Kritik am bestehenden Sozialdumping-Gesetz und dem damit verbundenen Bürokratieaufwand aus. “Das Gesetz schwächt den Standort,“ ist er sich sicher. Hintergrund der Kontroverse: In der Vergangenheit hatte der Konzern immer wieder indische Mitarbeiter für einige Monate zum Wissenstransfer nach Wien entsandt. Dies ist jedoch mittlerweile nicht mehr möglich, da der damit verbundene bürokratische Aufwand zu groß ist. So müssten etwa alle Arbeitsverträge aus dem Indischen übersetzt und die Lohndifferenz zu einem durchschnittlichen österreichischen Gehalt gezahlt und versteuert werden. 

Fouquet fordert Reformen

Um diese Entwicklungen entgegenzuwirken forderte der Bosch-Vorstand Ausnahmeregelungen für seine internationalen Mitarbeiter sowie den raschen Abbau bürokratischer Hürden. "Es geht nicht darum, billige Arbeitskräfte ins Land zu holen sondern die Konkurrenzfähigkeit des Standortes zu wahren," betont er.

Im Rahmen der Pressekonferenz äußerte Fouquet auch die Notwendigkeit für flexiblere Arbeitszeiten mit 300 Plus- beziehungsweise 300 Minus-Stunden, um je nach Auftragslage produzieren zu können. Zudem pocht er auf die Ausweitung des Durchrechnungszeitraumes auf drei Jahren und die Erhöhung der Arbeitszeit auf zwölf Stunden pro Tag. Große Hoffnungen für die Umsetzung seiner Forderungen setzt der Manager in die neue Regierung unter der Führung des neuen Bundeskanzlers Christian Kern, denn "man wolle dem Standort Österreich auch in Zukunft treu bleiben." 

Erfolgreiche Jahresbilanz 2015

Insgesamt konnte Bosch das Geschäftsjahr 2015 äußerst positiv bilanzieren: Der Technologieriese steigerte seinen Österreich-Umsatz um rund sieben Prozent von 1,068 Milliarden Euro auf 1,146 Milliarden Euro. Das Unternehmen unterhält in Österreich aktuell 14 Standorte und beschäftigt knapp 3000 Mitarbeiter.


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Datum: 07.06.2016

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