Windräder und Infraschall

Es ist ein heiß diskutiertes Thema: Welche Auswirkungen hat der durch den Betrieb von Windrädern entstehende Infraschall auf die Gesundheit der Menschen im Nahbereich. Wird er überhaupt wahrgenommen? Oder ist das alles Einbildung?

Der Wind soll neben der Sonne die erneuerbare Energiequelle Nummer eins in unseren Breiten werden. Doch noch tun sich die Unterstützer und Befürworter schwer. Verzicht auf herkömmliche Stromerzeugung: Ja gerne: Ein Windrad in meiner Nähe: Nein danke! Ein Grund dafür ist der gefürchtete „Infraschall“, der durch den Betrieb von Windkraftanlagen entsteht. Doch was ist das überhaupt, und hat er wirklich Auswirkungen auf unsere Gesundheit?

Was ist Infraschall?

Infraschall ist eine Art von Schall, die auf sehr niedriger Frequenz stattfindet. Unterteilt wird Schall grundsätzlich in hohe und niedrige Frequenzbereiche: Ultraschall (hohe Frequenzbereiche ab 16 kHz) und Infraschall (niedere Frequenzbereiche im Bereich von unter 16 bis 20 Hz). Infraschall „begegnet“ uns tagtäglich und quasi überall. „Nahezu bei jedem Schallereignis sind auch Infraschallanteile enthalten“, erklärt dazu Ing. Albrecht Gabriel, Geschäftsführer der Novakustik Lärmschutztechnik GmbH. Das bedeutet, dass nicht nur technische Schallquellen wie etwa Automotoren oder Flugzeige diesen Schall erzeugen, sondern auch natürliche Quellen wie das Rauschen im Wald, Windböen oder ein Fluss.

Hören wir Infraschall überhaupt?

In dieser Frage scheiden sich die Geister. Während die Befürworter der Windkraft argumentieren, dass die Empfindlichkeit des menschlichen Ohres abnimmt, je tiefer ein Ton ist. Und der extrem niedrig frequente Infraschall somit vom Menschen eigentlich nicht mehr gehört werden kann, außer die tiefen Töne sind über 90 dB laut – was im Nahbereich von Windrädern nicht der Fall ist. Dem widerspricht der Müncher Neurobiologe Markus Drexkl aber klar: "Die Annahme, tiefe Töne würden vom Ohr nicht verarbeitet, weil sie nicht oder schwer hörbar sind, ist falsch. Das Ohr reagiert sehr wohl auch auf sehr tieffrequente Töne."

Hat Infraschall eine Wirkung auf uns?

Der Kommentar zu dieser Frage von Seiten der IG Windkraft ist eindeutig: „Sowohl internationale Untersuchungen als auch österreichische Messungen von Infraschall bestätigen, dass Infraschall selbst im Nahbereich von Windkraftanlagen die Wahrnehmungsschwelle nicht überschreitet und keine Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat.“ Nicht so eindeutig sieht das die Kritikerseite. Mehrere Studien und Experimente im Zusammenhang mit Windkraftanlagen und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit wurden bereits weltweit durchgeführt. Immer wieder kommt es zu Symptombeschreibungen, die scheinbar auf die Infraschallbelastung durch Windräder zurückzuführen sind. Unter anderem wurden hier Dinge wie Nasenbluten, Tinnitus, Kopfschmerz, Schlafstörungen, Schwindelgefühle, Herzrasen angeführt. Untermauert werden diese subjektiven Wahrnehmungen unter anderem von der Ärztekammer Wien, die in einer Stellungnahme festhält, dass "bei Anrainern von Windkraftanlagen Beschwerden durch übermäßige und vor allem niederfrequente Schallentwicklung und Infraschall gehäuft auftreten".

Sachliche Bewertung  aller Pros & Contras

Das Thema scheint noch lange nicht ausgefochten. Ob Infraschall schädliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, oder die „Betroffenen“ sich das nur einbilden ist ebenso wenig geklärt wie die Frage, ab welchem Abstand ein Windrad wirklich keinen Einfluss mehr auf die Menschen in der Umgebung hat. Wichtig ist, dass die Aufstellung von Windrädern nach strengen Kriterien erfolgt. Gerade weil es Emissionen gibt, die es zu beachten gilt.


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Datum: 27.07.2016

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