Kreditrückzahlung mit welchem Tilgungsträger?

Es gibt viele Möglichkeiten, seine Bankschulden zu tilgen, nicht immer muss es die Ratenzahlung sein. Hier die passende Lösung zu finden, ist die große Kunst der optimalen Finanzierung. Ohne Profi geht das nicht. Wir haben einen Überblick für Sie.

Die monatliche Ratenzahlung ist nur eine Möglichkeit, seine Schulden zu tilgen. (Fondsgebundene) Lebensversicherungen, Aktienpakete etc. können ebenfalls dafür herangezogen werden. Realistischerweise muss langfristig mit einem Durchschnittszins von 5,5 bis sechs Prozent p. a. gerechnet werden, auch wenn sich das dank momentaner Niedrigstzinsen nicht so ausmacht. Als Maßstab dient der Euro-Zinssatz. Die effektive Nettorendite des Tilgungsträgers nach Steuern einer Geldanlage muss also deutlich über sechs Prozent liegen, um attraktiv zu sein und höhere Risiken zu kompensieren. Welche Geldanlagen kommen also als Tilgungsträger in Frage?

Anleihen und Anleihenfonds 

Topsichere Anleihen (Rating-Kategorie A) bringen effektive Nachsteuererträge von knapp über vier Prozent p. a., bei Anleihenfonds liegen die Erträge ähnlich. Daher sind diese Produkte als Tilgungsträger ein fast sicheres Verlustgeschäft. Kauft man Anleihen, tut man nichts anderes, als einem Schuldner (z. B. Österreich) einen Kredit zu gewähren. Eigentlich ganz logisch: Wenn Sie sich selbst Geld ausleihen und dieses wieder verleient, können de facto nur die Transaktionskosten (Bankaufschlag, Spesen) verloren gehen, zudem müssen die Erträge aus dem gewährten Anleihen(-Kredit) mit 25 % KESt versteuert werden. Aber da gibt es ja auch Anleihen mit Renditen von sieben, acht Prozent oder noch mehr! Richtig, doch Schuldner wie Brasilien, Venezuela oder Russland weisen ein entsprechend höheres Risiko auf (Rating-Klassen B und C). Wenn Sie Pech haben, werden diese sogenannten High-Yield-Anleihen aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten der Schuldner nicht mehr bedient und das Geld zur Kredittilgung fehlt.

Lebensversicherungen

Im Wesentlichen kann eine Lebensversicherung nur so viel auszahlen, als sie mit den Kundengeldern auf den Finanzmärkten erwirtschaftet - der entscheidende Faktor ist also die Veranlagungspolitik. Zudem schmälern bei Lebensversicherungen Abschlussprovisionen und sonstige interne Kosten das Veranlagungsergebnis. Zur Veranlagung stehen die nach Abzug des Prämienteils für die Ablebenskomponente, Vertriebsprovisionen, Kosten und Versicherungssteuer verbleibenden Gelder (= Sparteil).

Für den Kreditkunden entscheidend ist bei einer Lebensversicherung ebenfalls die Effektivrendite netto auf die gesamte eingezahlte Prämie und nicht der gerne angegebene Ertrag auf den reinen Sparteil. Der Vorteil der Lebensversicherung liegt - abgesehen von der 4 %igen Versicherungssteuer in der KESt- und Einkommensteuerfreiheit.

Klassische österreichische Er- und Ablebensversicherungen veranlagen oft bis zu 90 % in Anleihen, womit die Ertragsaussichten sehr beschränkt sind. Nimmt man die effektiven Vergangenheitsrenditen von im Schnitt zwischen drei und 5,5 Prozent als Maßstab, sind diese Produkte wohl kaum ein geeigneter Tilgungsträger. In letzter Zeit setzen sich vermehrt fondsgebundene Lebensversicherungen durch. Je nach dem gewählten Risikograd der zugrundeliegenden Fonds ist man hier mehr oder weniger den Marktschwankungen ausgesetzt.

Aktienfonds-Sparpläne 

Langfristig betrachtet lassen einzig Aktien deutlich über dem Kreditzins liegende Erträge erwarten. Sicherlich treten kurzfristig heftige Schwankungen auf; auch gibt es Märkte wie z. B. Japan oder Österreich, auf denen selbst bei langfristiger Betrachtung kaum positive Ergebnisse zu erzielen waren. Entscheidend ist bei Aktien die Beachtung des wissenschaftlich bestätigten Anlagegrundsatzes der internationalen Streuung, das heißt als Kredittilgungsträger kommen weltweit gestreute Aktienfonds in Frage, ein bloß in Österreich oder Europa veranlagender Fonds wäre zu riskant.

 

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Datum: 17.05.2015

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