Gartengestaltung - was der Profi meint

Was macht den perfekten Garten? Unser Experte Wolfgang Praskac gibt im großen wohnnet.at-Interview Auskunft zu Fragen rund um die Planung Ihres Grün- und Außenbereiches.

Als Inhaber eines Familienunternehmens seit mehreren Generationen sind Sie Profi in Sachen Gartengestaltung und Planung. Sie raten dem Grundbesitzer, sich am besten schon während des Hausbauprozesses Gedanken über die künftige Gartengestaltung zu machen. Warum so früh? Reicht es nicht, erst einmal Rasen zu sähen und den Zaun um das Grundstück zu ziehen, bevor man sich mit Bepflanzung und Bestuhlung beschäftigt?
Der Garten – wenn man ihn zu seinem neuen Wohn- und Lebensraum rechnen möchte – sollte wie alle anderen Räume vor dem Bau geplant werden. Immerhin wird er in vielen Fällen die größte Fläche ausmachen. Die Entscheidung über den Stil des Gartens spielt eine wesentliche Rolle, weil in der Planungsphase Strom- und Wasseranschlüsse bedacht werden müssen, sowie etwaige Aushebungen bzw. Umgrabungen, zum Beispiel für geplante Wasserwelten wie Pools, Brunnen, Brücken, Teiche oder Bäche.

Viel kann man selbst in die Hand nehmen. In welchen Bereichen empfehlen Sie aber besonders das Hinzuziehen eines Gartenarchitekten? Wovon sollte der nicht so begabte grüne Daumen lieber Abstand nehmen?
Ich empfehle jedem Gartenbesitzer, eine detaillierte Wunschliste zu erstellen. Was soll mein Garten können? Stehen Kinder im Mittelpunkt? Wird Platz für Sandkiste, Spielgeräte, Liegewise, etc. benötigt? Möchte man eine Ruheoase mit Lounge-Charakter und großzügigem Grillplatz? Wird der Garten vorwiegend dem Anbau von Gemüse, Kräutern und Obst dienen oder gar eine Mischung aus allem? Anhand dieser Liste sollte dann der fachkundige Planer zu Rate gezogen werden, der ausreichende Erfahrungswerte zu Pflanzenart, Wuchsverhalten, Blüte und Blattfarbe, Pflegeintensität, Lichteinfall, tatsächlichen Platzbedarf und viele weitere Parameter mitbringt. Das Ziel ist eine nachhaltige Planung eines Gartens, der für viele Jahre wichtiger Lebensraum sein wird. Ein belesener Hobbygärtner wird sehr wohl vor allem in der Phase der Ausgestaltung mit Blütensträuchern und Blumen vieles in Eigenregie machen können. Soll er ja auch, denn das Experimentieren gehört doch zu den schönen Dingen des Lebens.

Die Technik ist inzwischen ein wichtiger, ja unvermeidbarer Teil unseres Lebens. Wie erleben Sie das in Ihrem beruflichen Alltag? Wo speziell hält Technik und Automatisierung Einzug in heimische Gärten?
Egal wie groß der Garten letztendlich ist, macht sich eine Bewässerungsanlage auf jeden Fall bezahlt und entspricht dem heutigen Stand der Technik. Selbst Mähroboter haben ihre Berechtigung gefunden, weil sie uns das Leben erleichtern. Licht ist ein besonders wichtiges gestalterisches Element und die Vielfalt der heutigen Beleuchtungsmöglichkeiten ist phantastisch.

Blumen, Hecken, Sträucher gehören wohl in jeden Garten. Können Sie unseren Lesern ein paar Grundregeln zur Bepflanzung nennen? Inwieweit muss man auf Sonnenverlauf, Untergrund, Schatten etc. achten? Wie bestimmt die Funktion und die Nutzung des Gartens seine Ausstattung?
Es gibt für jeden Standort passende Pflanzen. Wir planen in mehreren Stufen: die langjährige Basis sind die Großgehölze (Bäume und Sträucher), dann kommen die Hecken für den Sichtschutz. Zuletzt Blütensträucher und Blumen für die intensive Ausgestaltung des Gartens. Es muss ganz besonders auf die Wuchsform, Größe und Breite aber auch den Charakter einer Pflanze sowie die Verträglichkeit mit Nachbarpflanzen geachtet werden. So sind etwa Schwarzföhren dunkel, grobnadelig und wirken sehr wuchtig, Weißföhren hingegen sind kleiner und zarter. Sie besitzen helle Nadeln und wirken dadurch leichter und zierlicher. Nicht zu vernachlässigen sind auch Überlegungen zur Pflanzendichte, die ausgewogen sein sollte, ganz besonders bei Bodendeckern. Unsere Empfehlung ist, sich hier an die jeweiligen Mengenangaben pro Quadratmeter zu halten.

Wer lässt sich heute seinen Garten professionell planen, wie setzt sich Ihre Kundschaft zusammen? Können Sie typische Vorlieben der unterschiedlichen Gartenbesitzer beobachten?
Wir planen Gärten jeder Größe – vom Vorgarten bis hin zum Großgarten mit 2.000 bis 3.000 m². Wir sind aber auch Spezialisten für Umplanungen von Altgärten. Zu unseren Kunden dürfen wir fast alle Altersstufen zählen: Jungfamilien, Singles und Pensionisten – alle haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse, die wir individuell erfüllen können. Das macht unsere Arbeit besonders spannend und attraktiv! Wir planen immer gemeinsam mit dem Kunden und profitieren dabei ebenso durch den kreativen Austausch.

Praskac Pflanzenland © Praskac Pflanzenland

Nach den ersten Gesprächen mit dem Gartenbesitzer zeichnet der Profi einen Entwurf. Dieser beinhaltet u.a. Gartenbereiche, Bepflanzung und Gestaltungselemente.

Kommen wir kurz zu den ausgelassensten Bewohnern eines Gartens. Was empfehlen Sie dem Gartenbesitzer, der einen kind- bzw. tiergerechten Garten möchte? Worauf sollte lieber verzichtet, woran jedenfalls gedacht werden?
Ob Hund oder Katz ist eigentlich ja kein Problem. Im Allgemeinen kann jedes Lebewesen einen Garten verwüsten. Je mehr zierliches Gewächs ihn schmückt, desto größer die Gefahr, dass das eine oder andere Pflänzchen einem Haustier zum Opfer fallen könnte. Es ist absolut darauf zu achten, den Garten weitgehend frei von Giftpflanzen zu halten. So schön die Pflanzenwelt auch ist, es gibt doch einiges, das vor allem für Kleinkinder und Haustiere zur Gefahr werden könnten. Daher empfehlen wir, auch dahingehend eine Beratung in Anspruch zu nehmen, um diesen wirklich unnötigen Stress zu vermeiden.
Noch etwas zum Thema Haustiere: Wenn man glücklicher Besitzer eines Gartens ist und die Überlegung hat, z. B. Hasen oder Kaninchen zu halten, dann ist das sicher eine gute Idee. Man sollte jedoch den Platzbedarf und den Pflegeaufwand nicht unterschätzen und sorgfältig in seine Gartenplanung integrieren.

Sie als Profi haben natürlich ein genau getaktetes Gartenjahr, nach dem Sie arbeiten. Welche Reihenfolge empfehlen Sie unseren Lesern - von den ersten Beratungsgesprächen bis zum ersten gemütlichen Zusammensitzen in der eigenen grünen Oase, damit das Ergebnis auch zufriedenstellend ausfällt?
Wir empfehlen, wie bereits erwähnt, die Planung des Gartens gleich in die Bauplanung einzubeziehen. Der Beginn der Erdbewegungen für die Gartenanlage und alle nötigen Aushubarbeiten für Kabel-Wasser-und Stromleitungen, die Humusierung und die Pflanzung größerer Bäumchen und Hecken sollten am besten noch im Herbst stattfinden. Im Frühling wird die Bewässerung eingebaut, der Rasen angelegt und die Blumenbeete werden bepflanzt.

Eine professionelle Gartenplanung erspart viel Arbeit, mitunter auch Ärger und Unzufriedenheit. Trotzdem ist gerade zur Zeit des Hausbaues das Budget oft begrenzt. Wie viel muss ich für den Gartenarchitekten einrechnen und wo kann ich bzw. der Gartenplaner einsparen?
Eine perfekte Gartenplanung und Gestaltung zu Beginn spart Nerven, Zeit und Geld. Die kostenintensivsten Faktoren sind Erdarbeiten, Zäune und Pflasterungen. Die Pflanze an sich macht nicht so viel aus, ist aber ein gestalterisches Element und trägt zum Charakter des Gartens bei. Jeder muss sich selbst einige Fragen stellen, die zum Traumgarten führen: Wann möchte ich gerne was haben? Eine Sichtschutzhecke, die schon nach ein bis zwei Jahren ihren Zweck erfüllt oder erst nach fünf bis zehn Jahren? Warte ich zehn Jahre auf meinen ersehnten Hausbaum, der mir als Schattenspender dienen wird? Oder möchte ich mich nahezu sofort in die Hängematte darunter legen? Wir erstellen ab 1 Euro/m2 den Vorentwurf und eine Kostenschätzung. Unsere Kunden erhalten diesen Betrag bei Beauftragung rückvergütet.

Trendströmungen gibt es ja nicht nur in der Mode. Was tut sich in dieser Hinsicht beim Garten momentan? Gibt es eine Stilrichtung, die besonders beliebt ist? Was würden Sie unseren Lesern empfehlen, wenn der Garten unabhängig von Trends zeitlos und langlebig sein soll?
Besonders modern sind momentan Japangärten, aber auch üppige, großzügige Blumenbeete mit Strauchrosen. Derzeit beobachten wir, wie wichtig die verschiedensten Gestaltungselemente für unsere Kunden geworden sind. Egal welche Gartenart gewählt wird.
Möbel und Accessoires, Farben und weiche Stoffe, Elemente aus Bambus aber auch Beton, Altes wird mit Neuem kombiniert, Teakmöbel und Schaukeln aller Art. Einflüsse aus aller Welt werden im eigenen Garten verwirklicht. Der Garten ist ein wertvoller Ort der Erholung, der Entspannung und ein persönlicher Kraftort. Heute mehr, denn je! Nicht die Gartenarbeit steht im Vordergrund sondern vor allem Genuss und Nutzen der eigenen Grünoase.

 
 

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Datum: 08.01.2014

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