Ein Keller der den modernen Bauweisen angepasst wird, verbessert den Nutzwert eines Hauses in vielen Bereichen. In Niedrigenergiebauweise senken Keller zudem den Heizwärmeverbrauch eines Hauses um bis zu neun Prozent. Das ergab eine Studie unter Mitwirkung der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. "Die Vorteile eines Kellers sind evident", erklärt der Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), DI Felix Friembichler.
Bei einem vergleichsweise geringen Kostenanteil an der gesamten Bausumme sind Keller gleichzeitig die günstigste Möglichkeit zur Erhöhung der hochwertigen Nutzfläche eines Gebäudes, denn die Kosten für einen Keller betragen nur fünf bis sieben Prozent der Gesamtbaukosten, können aber die Nutzfläche bis auf das Doppelte erweitern.
Ein Keller steigert zudem den Wert einer Immobilie langfristig. Friembichler: "Häuser mit Keller erzielen Verkaufspreise, die im Schnitt um ein Viertel höher liegen als bei nicht unterkellerten Objekten." Ein weiterer Vorteil des unterkellerten Hauses ist ein deutlich besseres Raumklima. Im Sommer heizt sich das Haus nicht so schnell auf, weil Wärme in den kühleren Keller abgeleitet wird.
Im Winter dagegen ist das Erdreich, das die Kellerwände umgibt, deutlich wärmer als die kalte Außenluft. Friembichler: "Damit trägt der Keller dazu bei, dass das Haus weniger Heizenergie verbraucht." Zusätzlich verlaufen die Temperaturschwankungen langsamer, weil die Masse des Kellers und seine große Berührungsfläche zum Erdreich als Wärmepuffer wirken.
Kellergeschoß als "Wärmepuffer" sorgt für besseres Wohnklima
Moderne Keller unterstützen durch ihre Funktion als Wärmepuffer optimal energiesparende Bauweisen und verbessern zusätzlich das ganze Jahr das Wohnklima, so die Vergleichsstudie. Friembichler: "Durch die Wirkung des Kellers als thermischer Puffer verringert sich der Heizwärmebedarf und damit die Heizkosten um bis zu 378 Kilowattstunden pro Jahr, das sind bei einem Niedrigenergiehaus neun Prozent der Heizkosten."
Im Rahmen dieser Studie wurde ein Musterhaus mit vier Kellervarianten und einer Variante ohne Keller auf seine Heizkosten hin untersucht. Jede Variante wurde sowohl als Niedrigenergiehaus mit einem Heizwärmebedarf von 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr und als weniger gut gedämmtes Haus mit einem Bedarf von 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr durchgerechnet.
Heizwärmebedarf sinkt durch Keller um bis zu neun Prozent
Beim "40-Kilowattstunden-Haus" zeigen sich durch die Unterkellerung deutliche Einsparungen beim Heizwärmebedarf, ergab die Vergleichsstudie des renommierten Ingenieurbüros Schöberl & Pöll. Basis der Berechnungen bildete ein Normhaus mit einer Gesamtnutzfläche von 175,3 Quadratmetern. Ein Haus mit einer Wohnnutzfläche von 85,5 Quadratmeter und einem Keller mit knapp 90 Quadratmeter verbraucht lediglich 4130 Kilowattstunden pro Jahr. Ein Haus ohne Keller, dafür aber mit zusätzlichem Abstell- und Technikraum, benötigt mit seiner Gesamtnutzfläche von 107 Quadratmetern 4508 Kilowattstunden.
Friembichler: "Das entspricht einer Ersparnis von ca. 40 Euro pro Jahr." Wichtig ist dabei eine gute Dämmung bei der Kellerdecke und zum Erdreich, denn bei ungedämmten Kellern entfallen in Einfamilienhäusern rund 20 Prozent der Wärmeverluste auf diesen Bereich.
Flächenreserve für moderne Haustechnik
Gut gedämmte moderne Keller bieten nicht nur Raum für innovative Haustechnik, sondern sind die wichtigste Flächenreserve u.a. auch für umweltgerechte Heizungen. An die Stelle der simplen Heizung von früher treten heute verstärkt moderne Energiesysteme, die nicht nur Energie sparen, sondern auch die Umwelt schützen und den Wohnkomfort verbessern.
Friembichler: "Typische Beispiele sind Hackschnitzelheizungen, die einen Vorratsraum für das Heizmaterial benötigen, Wärmepumpenanlagen, Luftwärmetauscher, Systeme zur Raumbelüftung in Passivhäusern oder voluminöse Wärmespeicher im Verbund mit Sonnenkollektoren." Wird überlegt, später derartige Systeme einzubauen, sollte man die Kellerplanung schon vor dem Hausbau darauf einrichten und auch für Anschlüsse und Zuleitungen vorsorgen. Das erspart später teure Stemmarbeiten, Schmutz und Umbauten. Häuser, die nicht unterkellert sind, sind dagegen deutlich weniger flexibel, wenn es um die Nutzung nachhaltiger Energiequellen geht.
Kellerplanung auf künftige Nutzungsmöglichkeiten abstimmen
Bei der Planung von Kellern sollte schon zu Beginn die zukünftig mögliche Nutzung überlegt werden. Wichtigstes Kriterium ist die richtige Isolierung von erdberührenden Bauteilen und Decken. Friembichler: "Die Dämmung ist entscheidend, welche Nutzung später möglich ist." Verwendet werden geschlossenporige Dämmstoffe, die auch dem Erdruck widerstehen können.
Werden Keller nicht beheizt, muss die Kellerdecke mit einer Dämmschicht isoliert werden, um Wärmeverluste aus den Wohnräumen zu vermeiden, "sonst drohen kalte Füße", so Friembichler. Ein Keller ermöglicht eine großzügigere Planung des gesamten Hauses und es kann auch Geld gespart werden. Im Wohnbereich wird weniger Platz für Hausanschlüsse, Heizung, Waschmaschine oder Trockner benötigt, die "billigen Flächen" im Keller ergänzen die teureren Wohnflächen.
Keller machen Platz für Wohnträume
Keller sind in den meisten Häusern die Basis für eine eigene Werkstatt, Lagerräume, Arbeitsräume und für die Erfüllung von - heute durchaus normalen - Wohnträumen. Die Wellness-Oase für zuhause mit Sauna, Dampfbad, Whirlpool und Relax - oder Fitness-Raum findet am günstigsten Platz im Keller.
Friembichler: "Keller erweitern die Nutzfläche eines Einfamilienhauses bis auf das Doppelte, das bietet Raum für die steigenden Wohnbedürfnisse. Immerhin soll die Wohnfläche in den kommenden zehn bis 15 Jahren laut Trendstudien von derzeit 46 auf 56 Quadratmeter pro Kopf wachsen" (Quelle: deutsche Landesbausparkassen).