Wer auf dem Salone Internazionale del Mobile in Mailand die großen Neuheiten erwartet hat, kam nicht so ganz auf seine Rechnung. Allerdings scheint die Einrichtungsbranche auf ein ganz anderes Konzept zu setzen, nämlich auf jenes der hundertprozentigen Nachhaltigkeit, das sich – wie es auf der wichtigsten Möbelmesse des Jahres ganz offensichtlich wurde – auch auf das Design selbst bezieht. Noch nie wurden so viele Klassiker reeditiert und so viele Produkte präsentiert, die in deren Fußstapfen treten. Selbstverständlich sind Entwürfe aus den vergangenen Jahrzehnten, die stets Inspirationsquelle für junge Designer waren, auf die heutigen Bedürfnisse der Konsumenten zugeschnitten – farblich, formal und auch im Komfort.
Auffallend war auch die zunehmende Verwendung von Holz, die farbliche Orientierung an essbaren Beeren sowie an intensiven Gewürzen wie Senf, Wasabi, Chili, Paprika und dergleichen, aber auch als absoluter Eyecatcher ein kräftiges Lippenstift-Rot, von dem es in den meisten Kollektionen mindestens ein Stück zu entdecken gab. Stark ausgeprägt ist auch ein gewisser Kuschel-Faktor in Hinblick auf die wachsende Bedeutung der eigenen vier Wände als private, intime Rückzugsoase, die nach Möbelstücken verlangt, die nicht nur solide in der Qualität, sondern auch mit einem interessanten Hintergrund, etwa der eigenen Entstehungsgeschichte, behaftet sind. So erleben zum Beispiel Schaukelstuhl, Sekretär und Ohrensessel gerade ihren zweiten Frühling, ebenso wie Tischplatten aus Stein auf Metallbeinen oder die Nackenrolle, natürlich in neuen Zusammenhängen.