Mauer-Trockenlegung: Erfolg mit Elektroden

Ein deutsches Trockenlegungssystem zeigt jetzt auch in Österreich wahre Wunder, wie ein Projekt nahe des Praters bestätigt: Binnen der ersten vier Wochen konnte der Wassergehalt einer feuchten Wand von 300l/m3 auf 180l/m3 beinahe halbiert werden.

Wer mit alter Bausubstanz zu tun hat, kann ein Lied davon singen: Feuchte, ja oft klitschnasse Kellerwände sind hierzulande wirklich keine Seltenheit. Die sinnvollen Möglichkeiten zur  gezielten Trockenlegung können aber an einer Hand aufgezählt werden - und bringen entweder keinen anhaltenden Erfolg oder erfordern umfangreiche, rohe Baumaßnahmen, die zudem nicht immer anwendbar sind.

Neues System Drymat

Das von einem deutschen Unternehmen in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten und Fachleuten entwickelte elektro-physikalische Trockenlegungssystem Drymat (in Österreich von Progal Service OG vertrieben) verspricht nun die Revolution bei der Sanierung feuchter Gebäude. Dabei ist es eben für eine nachhaltige Trockenlegung nicht mehr notwendig, die tragenden Mauern durchzuschneiden, sondern es genügt, Elektroden in den feuchten Mauern einzubringen um das Gebäude nachhaltig trocken zu bekommen. Das erspart hohe Kosten, lange Bauzeit, Eingriff in die Statik und die Problematik, dass unter der Sperre das Wasser weiterhin aufsteigen kann und somit sich die Erfolgsaussichten sehr projektbezogen darstellten. Insbesondere bei älteren, denkmalgeschützten Bauten wird neben dem Budget des Bauherrn auch die Bausubstanz geschont.

So funktioniert das System

Die Funktionsweise des Drymat-Systems ist rasch erklärt (siehe auch Videos): Es handelt sich dabei um ein elektronisch gesteuertes Verfahren. Elektroden werden schräg in der Mauer angebracht, unter geringe Spannung gesetzt und so ein elektrisches Feld aufgebaut. Dies führt dazu, dass das Wasser vom negativ geladenen Erdboden angezogen wird und die Mauer die Feuchtigkeit an das umgebende Erdreich abgibt. Diese Methode ist bei jedem Mauerwerk anwendbar. Es entsteht kein Schmutz durch Bauarbeiten und die Statik des Gebäudes bleibt im Originalzustand erhalten.

Die Anlage arbeitet in wartungsfreiem Dauerbetrieb für mehrere Jahrzehnte.Im Gegensatz zu anderen Trockenlegungsmaßnahmen ist Drymat auf Grund der edelmetallbeschichteten Anoden eine kontinuierliche Trockenlegung von mindestens 20 Jahren ausgelegt. Auch die Betriebskosten von etwa zehn Euro pro Jahr sind gegenüber der Wirkung zu vernachlässigen.

Halbierung des Wassergehalts in 4 Wochen

In Deutschland hat sich das System bereits mehrfach bewährt und auch in Österreich zeigen erste Projekte bereits nach wenigen Wochen die Leistungsfähigkeit des Drymat Trockenlegungssystems. Martin Galler von Österreichs Drymat-Anbieter Progal Service dazu: "Wir haben etwa in einem Keller eines Jahrhundertwende-Hauses nähe dem Prater zwei Systeme installiert. Bereits nach vier Wochen konnte der Wassergehalt von über 300l/m3 auf unter 180l/m3 gesenkt werden, was fast einer Halbierung entspricht."

Das Projekt im Detail: Die Feuchte eines nassen Kellers aus der Jahrhundertwende, wie sie in Wien sehr zahlreich anzutreffen sind, machte sich auch bereits im Erdgeschoss durch feuchte Stellen als auch ein feuchtes Wohnklima deutlich bemerkbar. Galler: "Hier konnte das Drymat System seine Vorteile ausspielen. Zu einem Bruchteil der Kosten, des Schmutzes und der Baudauer konnte ein System installiert werden, das die gesamte betroffene Bausubstanz nachhaltig trockenlegt." Das bestätigt auch Auftraggeber Erich Mayer von der Wiener Realkanzlei Schöll: "Ganz besonders überascht bin ich, so schnell schon deutliche Ergebnisse zu sehen."

Details Projekt Prater

Auf Grund der Größe des selten benutzten Kellers wurden zwei Steuergeräte in Schutzkästen installiert. So ist die Funktionsfähigkeit der Anlage jederzeit abzulesen, ohne einen direkten Zugriff darauf zu gestatten.

Die Elektroden wurden entweder direkt in die Kabelkanäle oder über Überputzdosen eingebracht. Auf eine Unterputzverlegung der Elektroden als auch der sie verbindenden Kabelstränge konnte somit verzichtet werden. Zur Verstärkung des elektrischen Feldes wurde aufgrund der Tatsache, dass die Tiefe des Fundaments nicht bekannt war und Probesonden auch nach 100 Zentimeter kein Erdreich erreicht haben, eine Verlegung der Kathoden im angrenzenden Garten gewählt.


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Datum: 27.05.2013

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