Immobilienmarkt 2015 - Was war, was kommt?

Wie die ÖsterreicherInnen heute wohnen wollen. Ein Vergleich. Die große Wohnumfrage von s REAL und Wohnnet 2015 mit Richard Mauerlechner und Michael Pisecky.

Andreas Listmayr © Andreas Listmayr

Mit:

  • Richard Mauerlechner, Geschäftsführer Wohnnet Medien GmbH
  • Michael Pisecky, Geschäftsführer s REAL Immobilien

Pressemappe - Inhalt:

  • Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage
  • Immobilienmarkt Österreich 2015
  • Zukünftige Herausforderungen
  • Wohnnet – die Datenbasis
  • s REAL – Zahlen, Daten, Fakten
  • CV Richard Mauerlechner, Michael Pisecky

Wie die ÖsterreicherInnen heute wohnen wollen. Ein Vergleich: 

Seit 2012 führen s REAL und Wohnnet einmal jährlich eine gemeinsame große, repräsentative Wohnumfrage unter den Usern der Websites www.sreal.at und www.wohnnet.at durch, um die aktuellen Wohnbedürfnisse der Österreicherinnen und Österreicher zu erheben. So auch heuer, und zwar im Zeitraum von Mitte April bis Anfang Juni 2015.

Auch in diesem Jahr hat sich wieder eine erstaunlich große Anzahl von Userinnen und Usern an dieser Umfrage beteiligt: Exakt 2.748 Personen fanden das Thema Wohnen so wichtig, dass sie uns ihre Bedürfnisse auf diesem Gebiet mitteilen wollten - nach 2.400 Personen in den Jahren 2012/2013 und 3.165 Personen im Jahr 2014 neuerlich eine sehr große Resonanz. Von den Teilnehmenden waren 55 % Frauen und 45 % Männer, 68 % waren unter 50 Jahre alt, älter waren 32 %.

 

Ländliche Idylle versus pulsierendes Stadtleben

Österreicherinnen und Österreicher wollen, ginge es nur nach ihren Wünschen, auch 2015 am liebsten am Land leben: 45 % der Befragten wünschen sich ländliche Idylle, weitere 18 % ziehen ein Leben in einer Bezirksstadt dem in der Bundeshauptstadt oder einer Landeshauptstadt vor. In einer dieser größeren Städte wollen nur 37 % aller Befragungsteilnehmer wohnen.

Immobilie gesucht: Die Motive

Die Gründe dafür, warum sich jemand auf Immobiliensuche begibt, könnten vielfältiger nicht sein: Hauptmotive waren bei 18 %, dass die derzeitige Immobilie zu klein ist, gefolgt von jenen 17 %, die angaben, statt einer Mietwohnung Eigentum erwerben zu wollen. Für 14 % ist ein Berufs- oder Ortswechsel der ausschlaggebende Grund, und weitere 11 % wollen mit der neuen Immobilie die Qualität ihrer Wohnsituation verbessern. Familiengründung und -zuwachs (9 %), die erste eigene Wohnung (7 %) oder Kostensenkung (6 %) waren weitere Faktoren, die die Befragten als Gründe für ihre Immobiliensuche angaben. Bei nur 3 % der Wohnungssuchenden war ein auslaufender (Miet-)Vertrag das Motiv.

Fazit: Die Menschen in Österreich ziehen nicht deshalb um, weil sie Kosten sparen wollen oder ein auslaufender Vertrag sie dazu zwingt (insgesamt 9 %), sondern hauptsächlich deshalb, weil sie eine Verbesserung ihrer Wohnqualität wünschen (46 %) oder sich die persönliche Lebenssituation verändert und weiterentwickelt hat (45 %).

 

 

Im Vergleich zu den Umfragen der vergangenen Jahre unverändert blieb das Verhältnis derer, die Immobilieneigentum erwerben wollen (60 %), zu denjenigen, die auf der Suche nach einer Mietimmobilie sind (40 %). Letztere werden aber nicht nur wegen der aktuellen Lebensphase bevorzugt (26 %), sondern - wenig verwunderlich - auch aufgrund aktueller finanzieller Möglichkeiten (33 %). Flexibilität und Freiheit sind für weitere 26 % ausschlaggebend dafür, dass sie einem Mietverhältnis den Vorzug vor Eigentumserwerb geben wollen.

Diejenigen, die auf der Suche nach Immobilieneigentum sind (60 % der Befragten), tun dies zum weitaus größten Teil, nämlich zu 44 %, weil sie in einem Eigenheim wohnen und nicht mehr übersiedeln wollen. Im Vergleich zum Vorjahr stabile 14 % wollen eine Immobilie als Geldanlage erwerben, weitere 5 % wollen das wegen der zu erwartenden Wertsteigerung tun. Als eigene Altersvorsorge und Vermögensbildung für die Nachkommen gaben insgesamt 23 % der Umfrageteilnehmer als Motiv für den geplanten Erwerb einer Eigentumsimmobilie an. Für insgesamt 81 % überwiegt der Eigennutzen als entscheidender Faktor den reinen Anlagegedanken (19 %) als Motiv bei der Schaffung von Immobilieneigentum bei Weitem.

Bei den Wünschen zur Wohnqualität ergab unsere Umfrage 2015 eine Verschiebung der Prioritäten im Vergleich zu den Vorjahren: Während eine intelligente Raumaufteilung in den letzten Jahren noch für 50 % der Befragten und mehr eine entscheidende Rolle spielte, tut sie das heuer nur noch für 34 %. Eklatant zugenommen hat hingegen der Anteil derjenigen, die sich einen Balkon oder eine Terrasse wünschen, nämlich von 22 % auf 31 % der Wohnungssuchenden. Auch die absolute Wohnfläche ist heuer wieder wichtiger als noch in den Vorjahren: Für 23 % spielt die Fläche eine wichtige Rolle, 2012 waren es 18 %. Der Suchtrend geht also durchaus in Richtung gehobener Qualität.

Neu waren heuer die Fragen zur gewünschten Raumhöhe, zu Wohnbereich und Küche und zur Größe des Eingangsbereichs. Bei der Auswertung war signifikant, dass sich Befragte aus dem höheren Einkommensbereich tendenziell höhere Räume und eine in den Wohnbereich integrierte Küche wünschen, während ein großes Vorzimmer nicht so wichtig scheint. In den niedrigeren Einkommensschichten hingegen ist die Raumhöhe weniger Thema, und Küche und Wohnraum sollten sich für die Mehrheit in getrennten Räumen befinden.

In diesem Jahr wollten wir auch das Ruhebedürfnis der Österreicherinnen und Österreicher erheben, und die Ergebnisse sind doch einigermaßen erstaunlich: Nur 16 % der Befragten gaben an, dass ihnen eine zentrale Lage der Immobilie wichtiger sei und sie deshalb auf Ruhelage verzichten wollten. 36 % wollen, dass ihre Immobilie urban liegt, aber ruhige Schlafräume hat. Die überwältigende Mehrheit, nämlich 48 %, wünschen sich, dass sich ihre Immobilie insgesamt in einer sehr ruhigen Lage befindet.

Energiekennzahlen: Die großen Unbekannten

Seit 1. Dezember 2012, also seit nunmehr zweieinhalb Jahren, gibt es nun in Österreich das neue Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG). Demnach ist die Vorlage eines Energieausweises und die Angabe von Heizwärmebedarf (HWB) und des Gesamtenergieeffizienz-Faktors (fGEE) in Immobilieninseraten bei Verkauf oder Vermietung verpflichtend. Verstöße können mit einer Verwaltungsstrafe von bis zu 1.450,- Euro geahndet werden.

Leider hat sich seit der Einführung des EAVG im energetischen Bewusstsein der Immobilieninteressenten nicht viel getan. Leicht gestiegen ist der Prozentsatz derer, die eine Immobilie aufgrund von schlechten energetischen Faktoren nicht kaufen oder mieten würden, selbst wenn sie sich in der gewünschten Lage befände (von 23 auf 26 %). Mit heuer nur 47 % sank der Prozentsatz derer, die angaben, dass Energieeffizienz zwar wichtig, aber kein Muss-Kriterium sei (2014: 53 %). Und mit ganzen 27 % der Probanden, die angaben, dass die Lage der Immobilie allemal entscheidender sei als gute Kennzahlen im Energieausweis, ist dieses Segment im Vergleich zu den Vorjahren sogar größer geworden (2014: 24 %).

„Das Resümee kann hier nur lauten, dass die Intention des Gesetzgebers, nämlich die Sensibilisierung der Menschen auf energieeffizientes Bauen und Wohnen, durch das EAVG nicht erreicht werden konnte und die Mehrheit mit den Kennzahlen HWB und fGEE immer noch nichts anzufangen weiß“, meint Richard Mauerlechner, Geschäftsführer der Wohnnet Medien GmbH. „Aus diesem Grund und als direkte Reaktion auf die Umfrage wird Wohnnet als zusätzliche Serviceleistung die Infografik zum Heizwärmebedarf und der gesamtheitlichen Energieeffizienz wieder einführen“, so Richard Mauerlechner.

Immobilienmarkt: Ein Rückblick, ein Ausblick.

Exklusiv oder relativ günstig: Vor allem diese beiden Segmente sind 2015 am Immobilienmarkt gefragt. „Exklusive Immobilien werden immer noch gut nachgefragt, aber die Interessenten in diesem Bereich sind sehr wählerisch. Es muss wirklich alles passen, damit auch gekauft wird, Kompromisse gibt es kaum“, berichtet s REAL-Geschäftsführer Michael Pisecky. Neben exklusiven Liegenschaften stehen vor allem günstigere Wohnungen im Fokus des Interesses: In Wien sind das zum Beispiel Durchschnittspreise bis zu 3.500 Euro/m² bzw. Gesamtkaufpreise um die 350.000 Euro für eine Eigentumswohnung. „Wenn also der Preis passt, ist noch immer viel Bewegung am Immobilienmarkt vorhanden. Auch die nach wie vor sehr günstigen Finanzierungen ermöglichen es, sich trotz der derzeitigen Preise den Wunsch nach einer Eigentumswohnung oder einem Haus zu erfüllen, man muss aber damit rechnen, dass man solche Immobilien nicht in den zentralen Lagen finden wird“, weiß auch Richard Mauerlechner von Wohnnet.

Gebrauchte Wohnungen haben durch das extrem geringe Angebot weiter Preispotenzial nach oben. Seit dem Sommer 2014 zeigt sich auch wieder eine größere Bereitschaft, in Immobilien zu investieren, von Institutionellen, wie Immobilienfonds, bis zu Privatpersonen, die Wohnungen selbst nutzen oder sie als Vorsorgewohnung erwerben.

Dabei hatte der Gesetzgeber die Branche im Vorjahr vor eine große Herausforderung gestellt: Mit 13. Juni 2014 erfolgte die Umsetzung der EU-Verbraucherrechte-Richtlinie in das österreichische Recht. Das Verbraucherrechte-Richtlinie-Umsetzungsgesetz(VRUG) hat die Informationspflichten durch Unternehmer und die Rücktrittsrechte der Verbraucher bei Außer-Haus-Geschäften und Fernabsatzverträgen neu geregelt. „In Summe haben die neuen gesetzlichen Regelungen zwar zu mehr Transparenz bei den Maklerverträgen beigetragen und waren ein weiterer wesentlicher Schritt in Richtung qualitätsvolle und von den Kunden wertgeschätzte Immobiliendienstleistung“, meint Michael Pisecky, will aber auch daran erinnern, „dass der Gesetzgeber die Informationspflichten und damit den Arbeitsaufwand für die Immobilienmaklerbranche - vom EAVG über die Elektrotechnikverordnung, die Einführung der Immobilienertragssteuer und 2014 eben VRUG - in den letzten Jahren laufend erweitert und erhöht hat, um dem Kunden mehr Information und damit mehr Sicherheit zu geben.“

Die Diskussion um leistbares Wohnen wird dem Immobilienmarkt wohl weiterhin erhalten bleiben. Das Angebot ist nach wie vor knapp und eine Erleichterung nicht in Sicht. In Wien wird die 2014 in Kraft getretene neue Bauordnung Impulse für Investitionen in Wohnungsneubau und Nachverdichtung bringen, die in vielen Orten Österreichs nötig wären, denn die Bevölkerungsentwicklungsprognosen sagen einen ungebrochenen Zustrom in die Städte und Ballungszentren voraus. „Leistbares Wohnen hängt aber in erster Linie von einem ausreichenden Angebot ab, und um dieses zu sichern, sollten alle verfügbaren Mittel - auch die der Privaten - herangezogen werden können“, sagt Michael Pisecky.

Datenbasis der Wohnumfrage

An der von s REAL und Wohnnet durchgeführten Umfrage nahmen 2.748 Personen teil. Der aus 21 Fragen bestehende Fragebogen wurde zwischen 21. April und 2. Juni 2015 den Website-Besuchern von www.wohnnet.at und www.sreal.at eingespielt. Die Geschlechterverteilung liegt bei 45 % männlichen und 55 % weiblichen Teilnehmern. 68 % der Teilnehmenden waren unter 50 Jahre alt.

Die vorliegenden Daten und Preise basieren auf durchschnittlich 45.000 Immobilien pro Monat auf www.wohnnet.at österreichweit im Zeitraum Jänner 2014 bis März 2015,es handelt sich also nicht um Schätzungen oder Annahmen. Berücksichtigt wurden Objektwerte, welche sich innerhalb der dreifachen Schwankungsbreite befanden, wodurch „Ausreißer“entsprechend eliminiert wurden.

Dass der private Wohnungssuchende sich zunehmend mehr Service und Informationsmöglichkeit wünscht, ist deutlich zu bemerken. So beträgt die Gruppe der Personen, die mit mobilen Endgeräten ihre Immobilie suchen, bereits 33%. 13% der Befragten sind älter als 60 Jahre. Das lässt den Schluss zu, dass auch die ältere Generation verstärkt mobile Endgeräte nutzt. Immobilienplattformen und Makler müssen sich für die mobile Kommunikation durch Apps und responsive Design für die Interessenten fit machen.


Datum: 17.06.2015

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie jetzt den Newsletter von wohnnet

Beitrag schreiben