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Bauplanung

Barrierefrei Bauen für ein gutes Wohnen im Alter.

Jetzt schon für später vorsorgen – das hört und liest man immer wieder. Und das ist natürlich völlig richtig, denn die Zukunft kommt meist schneller als gedacht. Ein eigenes Haus ist dabei eine der besten Vorsorgemöglichkeiten. Allerdings sollte beim Bau nicht nur der finanzielle Aspekt beachtet werden: Wer seinen Lebensabend noch in der eigenen Immobilie verbringen möchte, muss auch dahingehend Vorkehrungen treffen. Denn eine Nachrüstung kann später hohe Kosten nach sich ziehen. Wir haben zusammengefasst, was es beim barrierefreien Bauen für ein gutes Leben im Alter zu beachten gibt.

Besitzer profitieren auf zweierlei Weise

Beim barrierefreien Bauen geht es in erster Linie darum, Menschen mit einer Beeinträchtigung oder älteren Personen, die in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, trotzdem einen möglichst zufriedenstellenden Alltag zu ermöglichen.

Daneben kann es sich aber auch finanziell für Sie lohnen. Denn der barrierefreie Ausbau von Wohnraum wird in Österreich gefördert. Hierbei sollten Sie sich jedoch gut beraten lassen, denn als Laie lässt sich die Planung eines zu 100 % hindernisfreien Zuhauses kaum stemmen. Viel zu viel gilt es dabei zu beachten, das auf den ersten Blick nicht ins Auge fällt, wie zum Beispiel die Höhe von Küchengeräten oder so manche Unebenheit, die beseitigt werden muss.

Vorteile für die nächste Lebensetappe

Selbst wenn in den meisten Fällen der Nutzen einer beeinträchtigtengerechten Immobilie noch nicht unmittelbar erkennbar ist, weil man selbst noch fit und rüstig ist, so bietet er zumindest für Ihr späteres Leben einige Vorteile:

  • Falls Sie plötzlich pflegebedürftig werden oder Sie die Folgen eines Unfalls körperlich stark einschränken, müssen Sie deshalb nicht gleich Ihre eigenen vier Wände aufgeben, denn diese sind für Sie so weiterhin bewohnbar.
  • Zusätzliche Umbaukosten, die später einmal fällig werden könnten, werden geringgehalten.
  • Eine Unterbringung in einem Alten- oder Pflegeheim kann vermieden oder zumindest hinausgezögert werden.
  • Möchten Sie die Immobilie später verkaufen, sorgt der hindernisfreie Umbau dafür, dass der Wert Ihres Hauses steigt, denn beeinträchtigten- und altersgerechter Wohnraum ist in Österreich Mangelware

Für solchen Wohnraum gibt es jedoch eine Menge gesetzlicher Vorgaben und Standards, über die Sie sich bei diversen Beratungsstellen informieren können.

Bauen oder umbauen – das ist die Frage

Im Idealfall wissen Sie bereits vor dem Bauen, dass Ihr Haus rollstuhlgerecht gestaltet werden soll. Das erspart Ihnen eine Menge Arbeit und Zusatzkosten, die für einen späteren Umbau benötigt werden. Die Räume und Wege im Haus können so grundsätzlich schon einmal großzügiger gestaltet werden und statt einer mehrgeschossigen Immobilie bleibt es bei einem Erdgeschoss und damit bei ausschließlich ebenerdigen Zugängen.

Bauen Sie direkt barrierefrei, leisten Sie zudem einen wertvollen Beitrag dazu, dass Österreich generell diesbezüglich fortschrittlicher wird.

Natürlich ist aber auch ein späterer Umbau nicht unmöglich. Allerdings gestaltet sich die Ausgangssituation dann mitunter etwas komplizierter und komplexer. Trotzdem können Sie auch hierbei von den Förderungen und Zuschüssen profitieren.

Lifte bei mehrstöckigen Immobilien

Eine der größten Investitionen beim späteren Umbau betrifft vor allem mehrstöckige Immobilien. Im Alter kann das Treppensteigen nämlich zur täglichen Herausforderung werden – gerade dann, wenn die Beine nicht mehr so recht mitspielen wollen. Mit einem Treppenlift lässt sich dieses Problem rasch lösen. So lässt sich zumindest ein kleines Stück verlorene Mobilität wiedererlangen, indem Sie sich bequem durch Ihr Zuhause bewegen können. Wer neu baut sollte über einen Senkrechtlift nachdenken. Insbesondere für Rollstuhlfahrer bietet dieser Lift genügend Platz. Der Einbau eines Senkrechtliftes wird am besten gleich bei der Planung mit dem Architekten besprochen.

Auf Zufahrtswege und Zugänge achten

Barrierefreiheit beginnt allerdings nicht erst im Haus, sondern bereits beim Zugang zum Grundstück sowie beim Eingang. Wenn Sie einen Stellplatz für das Auto anlegen oder eine Garage bauen, so sollte beides breit genug sein, damit ein problemloses Einsteigen mit dem Rollstuhl oder dem Rollator möglich ist. Eine Breite von 3,50 Metern sollte ausreichen.

Verzichten Sie beim Hauseingang möglichst auf eine Treppe. Die Eingangstür muss außerdem ebenso breit genug sein, damit Rollstuhlfahrer mühelos ins Haus gelangen. Alle nötigen Vorrichtungen, wie etwa Türgriffe, Briefkästen, Schlösser oder Lichtschalter, sollten auf einer gut erreichbaren Höhe sein, sodass sie im Sitzen bedient werden können.

Breite Türen und Fenster 

Im Inneren des Hauses müssen die Türen ebenfalls breit genug für Menschen sein, die ein Hilfsmittel zur Fortbewegung brauchen. Türschwellen und sonstige Absätze sollten vermieden werden. So ist es später für Sie leichter, sich ohne große Mühen durch die Wohnung zu bewegen. Achten Sie hierbei darauf, dass auch die Flure breit genug sind. Selbst wenn es sich zunächst nach verschenktem Platz anfüllt, so ist es im Ernstfall wirklich sinnvoll.

Aber nicht nur die Türen sind wichtig, sondern auch die Fenster, schließlich wollen Sie später doch nicht auf Frischluft verzichten müssen. Fenster sollten leicht auch aus dem Sitzen geöffnet werden können. Vor allem elektrische Bedienelemente, beispielsweise für die Absenkung des Rollladens, können hier sinnvoll sein.

Viel Platz in Bad und Küche

Gerade in der Küche und im Badezimmer ist Barrierefreiheit ein großes Thema. Viele sehnen sich heutzutage nach einer Badewanne im Eigenheim – bedenken Sie jedoch, dass diese im Alter Nachteile haben könnte. Deshalb sollten Sie dafür sorgen, dass zumindest Platz für einen Handlauf oder einen Badewannenlift ist, sollten Sie später darauf zurückgreifen müssen. Noch besser ist allerdings eine offene, ebenerdige Dusche. Insgesamt sollte ausreichend Platz zum Rangieren mit einem Hilfsmittel zur Fortbewegung vorhanden sein. Waschtisch, Toilette und alle Bedienelemente sollten auf einer rollstuhlverträglichen Höhe angebracht sein.

Achten Sie auch bei der Planung der Küche darauf, dass sie groß genug ist und Sie vom Rollstuhl aus alles gut erreichen können. Grundsätzlich empfiehlt es sich hier auf höhenverstellbare Küchenmöbel zu setzen, die unterfahrbar sind.

Fazit

Beim barrierefreien Bau eines Hauses genauso wie beim Umbau einer bereits vorhandenen Immobilie gibt es eine Menge zu beachten. Oft können Laien gar nicht alles überblicken, denn in jedem Raum gibt es bestimmte potenzielle Hindernisse, die es auszumerzen gilt. Beginnend bei der Treppe, die mithilfe eines Treppenlifts entschärft wird, bis hin zur Küche, die durch eine altersgerechte Einrichtung in jeder Lebenslage nutzbar bleibt.

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Datum: 16.12.2021

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