So bauen Sie Ihr Lehmhaus selbst

Lehm ist schon sehr lange eines der wichtigsten Baustoffe der Menschheit - zu Recht. Lehm ist nicht nur günstig, sondern auch multifunktional.

Lehmbestandteile

Lehm besteht aus drei Bestandteilen: Ton, Schluff und Sand. Letzterer ist uns vermutlich noch von den ersten Bauversuchen aus der Kindheit in Erinnerung. Schluff hingegen ist so feiner Sand, dass die einzelnen Teilchen vom Auge nicht mehr erfasst werden können, und Ton ist das Bindemittel im Lehm. Da es sich um ein Naturprodukt handelt, ist das Mischungsverhältnis unterschiedlich.

Gute Materialkenntnisse oder ein Fachmann helfen bei der Auswahl der richtigen Mischung, damit in der Anwendung das gewünschte Ergebnis erzielt wird. Eine weitere Alternative stellen auch noch die im Fachhandel erhältlichen Fertigmischungen dar. Lehm lässt sich problemlos wiederverwenden, er kann selbst nach Jahrhunderten noch, mit Wasser aufgeweicht, erneut verwendet werden.

Fetter Lehm

Er enthält viel Ton und hat eine hohe Bindekraft, da er jedoch bei der Aushärtung um bis zu 12 % schwinden kann, behilft man sich mit der Beigabe von Stroh, Holz oder eben Sand.

Magerer Lehm

Diese Art von Lehm enthält bereits von Natur aus viel Sand.

Simpel im Selbstbau

Gute Nachrichten hält das trendige Biomaterial aber auch für "Self-Lehm-Männer" parat. Die Kosten von Lehmhäusern, die lediglich wegen des höheren Anteils an Arbeit um rund zehn Prozent über denen eines normalen Ziegelbaues liegen, können beim Selbstbau entscheidend gedrückt werden. Immer beliebter wird Lehm nämlich auch wegen seiner Low-Tech-Qualitäten, die ihn für eingefleischte, aber (noch) nicht sattelfeste Selbstbauer interessant machen. Etwaige Fehler werden dabei nicht bis in alle Ewigkeiten festbetoniert, sondern großzügig verziehen.

Wohnen mit der Behaglichkeit von Erde

Um einen möglichst hohen k-Wert zu erreichen, kommt für die Außenwände zunächst Holzleichtlehm zum Einsatz. Wie die genaue Mischung aus Wasser, Lehm und Holzhäckseln in der Praxis aussieht, sollte zumindest am Anfang ein Fachmann vorzeigen.

Anders erfolgt hingegen der Aufbau der Innenwände, die weniger isolieren, als vielmehr Wärme speichern sollen. Hier kommen entweder luftgetrocknete Ziegel oder der urigere Stampflehm zum Einsatz. Nachdem alle Installationsarbeiten erledigt sind, legt der Lehm noch eine Schicht ein, und zwar die Verputzschicht. Lehmputz kann übrigens auch auf jedem anderen Untergrund aufgebracht werden, im Idealfall in Kombination mit einer Wandheizung. Sowohl das Strahlungsverhalten, als auch die Speicherfähigkeit des Lehms, sind dafür regelrecht prädestiniert - sie entsprechen der eines Kachelofens. Und durch die, im Vergleich zu Ziegel oder Beton 10-30 mal höhere Luftfeuchtigkeitsregulation, kann die Raumtemperatur um 2-3 Grad Celsius abgesenkt werden - was ein gutes Zehntel der Heizkosten erspart. Das klingt heimelig. Vor allem, wenn man dabei auch noch einen weiteren Vorteil der Lehmbauweise genießt: Gemäuer im Kuschellook. Mühelos lassen sich in den Innenräumen all jene optischen Spielereien anbringen, die man mit Lehmhäusern ohnehin assoziiert: leicht unregelmäßige Wände, organisch wirkende Sitznischen oder rundliche Fensterlaibungen.


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Datum: 29.03.2010

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