Europaletten: Nach den Möbeln kommt das Haus

800 gebrauchte Paletten, verbaut zu Modulen, zusammengefügt zu einem vollwertigen Wohnhaus. Die vor zehn Jahren entstandene Idee hat heute Passivhausstandard in Serienreife. Jetzt in der Blauen Lagune zu besuchen.

Ein zweites Leben für Europaletten – dieses Konzept ist nicht neu und inzwischen sind Loungemöbel, Betten und Regalsysteme aus Paletten fixer Bestandteil der Interieur-Designlinien national und international. Doch ein ganzes Haus aus Paletten? Dieses Konzept ist neu und bisher einzigartig in Österreich. Entwickelt wurde es schon vor zehn Jahren von Arch. DI Andreas Claus Schnetzer und Arch. DI Gregor Pils, SchnetzerPils ZT GmbH: „Bauen der Zukunft muss sich nicht nur mit Energieeffizienz sondern auch mit Ressourcenschonung auseinandersetzen. Das Palettenhaus soll dazu beitragen, über die nachhaltige Nutzung und die Wiederverwendung von Materialien nachzudenken", bringt Schnetzer die Idee dahinter auf den Punkt.

Blaue Lagune / Raidt-Lager © Blaue Lagune / Raidt-Lager

Ökologisch, energieeffizient, günstig

Die Paletten dienen als Fassaden- Decken- und Wandelemente, der mehrschichtige Aufbau eignet sich für den Einbau von Installationen, Dämmung und Beleuchtung. Das Haus wird vorgefertigt und lässt ich problemlos an unterschiedliche Nutzungsanforderungen anpassen. Durch die hohe Flexibilität ist es für verschiedene Standorte geeignet und kommt dem Boom des Minimodulhauses voll entgegen. Bereits 2009 wurde das Palettenhaus im Rahmen des Programms „Haus der Zukunft“ (bmvls) Passivhaus weiterentwickelt und zur Serienreife gebracht. Dies inkludierte statische und bauphysikalische Nachweise, die dreidimensionale Simulation der Wärmebrücken sowie die Berechnung des langjährig zu erwartenden Energiebedarfs. Dazu wurden exemplarisch zwei Szenarien untersucht: die temporäre Zwischennutzung von Palettenhäusern in aspern Die Seestadt Wiens sowie die Errichtung eines Low-cost-Gebäudes in Südafrika.

Blaue Lagune / Thomas Maria Laimgruber © Blaue Lagune / Thomas Maria Laimgruber

Eröffnung Palettenhaus in der Blauen Lagune. v.l.n.r. Gregor Pils (Entwickler), Erich Benischek (Blaue Lagune), Andreas Claus Schnetzer (Entwickler), Michael Paula (bmvit), Karin Stieldorf (TU Wien)  

Zahlreiche Auszeichnungen

2008 wurde das Palettenhaus mit dem französischen Architekturpreis GAU:DI ausgezeichnet und anschließend auf der Architekturbiennale in Venedig präsentiert. Weitere Ausstellungen folgten in Wien, Linz (Kulturhauptstadt 2009) und Brüssel (European Economic and Social Committee/Overshootday 2009). 2016 startete zeitgleich mit der 15. Architekturbiennale in Venedig eine Dauerausstellung des Hauses in der Architektur- und Innovationszone der Blauen Lagune in Wiener Neudorf.


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Archivmeldung: 11.09.2017

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