© DI Michael Steinbrecher

Bauschadensbericht Fassaden

Der 4. Österreichische Bauschadensbericht widmet sich Wärmedämmverbund- und Putzfassaden: Das Bummerl bekommen die Arbeiter aufgrund der mangelhaften Ausführung zugeschoben. Diese kontern jedoch: zu viel Zeitdruck.

Die Behebung von Bauschäden beträgt rund zwei Prozent der Baukosten. Insgesamt fallen dadurch rund 180 Millionen Euro Gesamtkosten pro Jahr in Österreich an. Die Hälfte der Schäden betreffen Feuchtigkeitsschäden im erdberührten Bereich und bei Dächern und Balkonen, berichtete Robert Rosenberger von der Wiener Bundesinnung Bau bei der Weiterbildungs und Diskussionsveranstaltung "Wärmedämmstoffe und Verbundsysteme“ der Arch + Ing Akademie.

Rosenberger stellte den bereits 4. Österreichischen Bauschadensbericht vor. Das von der österreichischen Forschungsfördergesellschaft geförderte und in Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle Bau der Wirtschaftskammer Österreich und dem ofi-Institut für Bauschadensforschung durchgeführte Forschungsprojekt zählt diesmal die häufigsten Mängel und Schäden an Fassaden auf. Die Ergebnisse zu den Wärmedämmverbundfassaden (WDVS-Fassaden) werden im Teil 1 des Bauschadensberichts veröffentlicht. Im zweiten Teil 2 werden die Putzfassaden behandelt.

Häufige Mängel: Schichtdicke des Unterputzes

Laut dem Bericht betreffen viele Mängel bei der Ausführung von Außenwand-Wärmedämmverbundsysteme die Schichtdicke des Unterputzes. Einige Schadensfälle wurden auf das Schwindverhalten der Dämmplatten zurückgeführt sowie auf deren mangelhafte Ausführung bei der Befestigung. Mehrfach wurden die Mindestschichtdicke des Deckputzes unterschritten, Anschlüsse im Sockelbereich mangelhaft ausgeführt und größere Fugen zwischen den Dämmplatten nicht ausgeschäumt.

Die Analyse der Arbeiten an WDVS-Fassaden ergab, dass die Vorgaben der ÖNORM in vielen Bereichen nicht eingehalten werden. Die meisten Ausführungsfehler betrafen die Verlegung der Dämmplatten. Nicht eingehalten wurde vor allem die Mindestbreite der Reststücke und die Verlegevorschrift "Voll auf Fug“. Auch der sogenannte Schuhschnitt wurde nicht überall ausgeführt. Weitere Mängel betrafen den Untergrund, die Ausbildung der Fugen, das Dübelschema, das Setzen der Dübel, die Diagonalbewehrung bei den Fenstern und die Schichtstärke des Unterputzes. Zwar soll das Wissen um die richtige Ausführung bei den Arbeitern durchaus vorhanden sein, bei der Umsetzung würden aber zu viele Fehler passieren. Einen Teil der Mängel führt der Bericht auf den Zeitdruck, der auf Baustellen herrscht, zurück, da eine nicht normgemäße Ausführung manchmal ein schnelleres Arbeiten erlaubt – vor allem in Bezug auf die Ausbildung der Ecken und die Reststückbreite.

Vorschläge zur Verbesserung

Vorschläge zur Verbesserung hält der Bericht auch parat: Empfohlen wird die Ausarbeitung von Verlegeplänen für die Dämmplatten. Wenn „richtig“ mit einer halben oder ganzen Platte an einer Ecke begonnen wird, können möglicherweise ungünstige Fugenbilder bei Fenstern und Anschlüssen bzw. zu kleine Reststücke vermieden werden.

Um die Fehlerquote zu verringern, wird auch empfohlen, Arbeiter regelmäßig zu schulen bzw. ihr vorhandenes Wissen wieder aufzufrischen.

Auswertung der Energieausweise

Die Auswertung der Energieausweise ergab, dass der jährliche Heizenergiebedarf von unsanierten Mehrfamilienhäusern der Energieeffizienzklasse C entsprach. Nach einer thermischen Sanierung wird durchschnittlich die Energieeffizienzklasse B erreicht. Die Heizenergieeinsparung beträgt ca. 2/3 bis 70 Prozent bei den üblichen Außenwanddämmstärken von 10, 12 bzw 16 cm. Am häufigsten wurden Dämmplatten mit einer Stärke von 10 cm verwendet. 16 cm ist im Zunehmen, 20 cm stellt eher die Ausnahme dar, siehe Grafik, links.

Putzfassaden: Materialwahl wichtig

Im zweiten Teil des Bauschadensbericht wurden die Putzfassaden behandelt: Die meisten Mängel entstanden wegen einer Feucht- und/oder Schadsalzbelastung des Untergrunds. Weitere Ursachen für Mängel: Ungünstiges Festigkeitsgefälle im Putzaufbau, unregelmäßige und/oder zu große Schichtdicken, die Schwindspannungen verursachten und zu Rissbildungen führten. Um Mängel bzw. Schäden zu vermeiden, ist auf die Materialwahl und auf die geometrischen Randbedingungen zu achten.

Bezüglich der Ausführung von Putzarbeiten weist der Bericht auf die großen Unterschiede zwischen denkmalgeschützten und nicht denkmalgeschützte Fassaden hin. Bei ersteren werden umfangreiche Voruntersuchungen durchgeführt, ein detailliertes Instandsetzungskonzept erarbeitet und Musterflächen und –achsen angelegt. Bei denkmalgeschützten Fassaden wird als Unterputz nur Kalkputz verwendet, als Oberputz kommen nur Kalkputze und Kalkschlämmen bzw. Silikatputze in Frage, vorhandene Zementputze und –plomben werden entfernt. Die Arbeiten werden von einem in diesen Handwerkstechniken geschulten Personal durchgeführt, die Ausführung erfolgt in enger Kooperation mit dem Denkmalamt und den Restauratoren. Entsprechend hoch ist die Ausführungsqualität, so der Bericht.

Bei nicht denkmalgeschützten Fassaden hingegen, wird davon ausgegangen, das bei der Instandsetzung von Putzfassaden keinerlei Planung notwendig ist. Ohne Gesamtleitung und der notwendigen Koordination mit den Anschlussgewerken wie zum Beispiel Spengler oder Fensterherstellern und der Abklärung der Anschlussdetails, sind Mängel in der Ausführung meist vorprogrammiert.

Qualifikation der Arbeiter

Bei Fassadenarbeiten, insbesondere bei Putzfassaden sind angelernte Arbeiter deutlich in der Minderheit. Die Arbeiten werden üblicherweise von gelernten Maurern mit langer Berufserfahrung erledigt, die zu über 75 Prozent in Österreich ihre Schul- und Ausbildung absolviert haben. Bei den möglichen Problembereiche bzw. Verbesserungsmöglichkeiten wurde von den Arbeitern an erster Stelle die Bauzeit bzw. der Zeitdruck genannt.

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Archivmeldung: 21.01.2013

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