Bauen im Bestand: Das beste Haus 2018

Die Expertenjury hat gesprochen: Das sind die landesweit besten Einfamilienhäuser, die in Sachen nachhaltiger Nach- und Umrüstung sowie bei der Neuinterpretation von Alltagsarchitektur die Nase vorn haben.

Bundeslandsieger fürs Bauen im Bestand: Die Fachjury hatte bei Umnutzungs- und Erweiterungsbauten die Qual der Wahl. Aus rund 100 Einreichungen schafften es knapp 30 auf die Nominierungsliste. Hier nun die siegreichen neun zwischen Boden- und Neusiedler See. Warum der Az W-Direktorin und Wien-Jurorin Angelika Fitz das Thema wichtig ist, lesen Sie unter: „Einfamilienhaus kann kleinen  Fußabdruck“.

Hunderttausende Einfamilienhäuser, die seit den 1950er-Jahren landauf, landab entstanden sind, stellen ein Erbe dar, mit dem sich die Architektur auseinandersetzen muss, sagt Angelika Fitz, Direktorin des Architekturzentrum Wien. Um die Mammutaufgabe der ressourcenschonenden Bestandsaufwertung zu bewältigen, sei visionäres Denken und viel Überzeugungsarbeit gefragt, wie die „Das beste Haus“-Mitausloberin im AiM-Talk ausführt.

Architektur im Mittelpunkt:
Ist „Das beste Haus“ aus Sicht der Architektur im Großen wie im Kleinen eigentlich gleichermaßen ökologisch-nachhaltig verwirklichbar?

Angelika Fitz, Architekturzentrum
Gute Architektur ist in jedem Maßstab möglich. In Bezug auf Einfamilienhäuser will der Preis zeigen, dass die besten Häuser jene sind, die auf gekonnte Weise mit einem kleinen Fußabdruck und vorhandener Substanz arbeiten. Wir müssen den exzessiven Bodenverbrauch eindämmen.

AIM: Für Herrn und Frau Österreicher ist die eigene Immobilie noch immer zentraler Teil der Lebenskultur: Inwieweit will und kann die Architektur aus dem Bestand heraus gestalten oder auf den Veränderungswillen im Land einwirken?

AF: Es ist wichtig, dass Architektinnen und Architekten hier mitgestalten. Wenn wir Sorge für die Zukunft tragen wollen, braucht es viele gute Ideen für den Umbau und Weiterbau des großen Bestandes an Häusern, den wir aus den letzten Jahrzehnten geerbt haben. Hier sind die Expertise von Architekturbüros und die Visionen von Bauherren und Baufrauen gefragt.

AIM: Wie lässt sich der klassische Häuslbauer für Architektur begeistern?

AF: Preise wie dieser machen Lust auf Architektur. Vor allem, wenn schöne und dabei leistbare, alltagstaugliche Beispiele gezeigt werden.

AIM: Und was braucht es, um das Band zwischen Bauherrn/Baufrau und Architekt noch enger knüpfen zu können?

AF: Ein gemeinsames Projekt ist oft die beste Architekturvermittlung. Man kann direkt erleben, wie gute architektonische Ideen das Leben besser machen.

AIM: Flächenverbrauch, Zersiedlung, Einheitslook: Die Liste der der Kritikpunkte am Einfamilienhaus ist lang. Was spricht noch für die eigenen vier Wände auf grüner Wiese?

AF: Es spricht tatsächlich wenig für einen Neubau, aber viel für eine Revitalisierung vorhandener Substanz, vor allem in den Ortszentren.

AIM: Zurück zum Award: Zufrieden mit den Bundeslandsiegern?

AF: Das Besondere daran ist, dass die Jurymitglieder, je eine Person aus jedem Bundesland, die Häuser vorab besichtigen. Dann wird gemeinsam ausgewählt. Das ist ein spannender Prozess, bei dem alle viel über regionale Eigenheiten lernen. Was alle verbindet, sind die Ressourcenfrage, der sparsame Umgang mit Grund und Boden, natürliche Materialien, intelligente Grundrisse und gut choreografierte Ausblicke.

AIM: Abschließend: Wie stellt sich das Az W dem Diskurs rund ums Einfamilienhaus – Traum oder Trauma?

AF: Wir wollen zu einem positiven Wandel beitragen.

AIM: Danke für das Gespräch!

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Datum: 02.08.2018