Architekturzentrum zeigt „Europas beste Bauten“

Der mit insgesamt 80.000 Euro dotierte, alle zwei Jahre verliehene „Mies van der Rohe Award“ geht heuer an zwei Wohnbauten. Die Wanderschau im Az W zeigt jetzt die Sieger, alle Finalisten sowie die rot-weiß-roten Einreichungen.

Unter den weiteren Finalist*innen, die in der Ausstellung ausführlich vorgestellt werden, finden sich das Projekt Kannikegården von Lundgaard & Tranberg Architects, das sich auf einmalige Weise in das Ensemble des mittelalterlichen Hauptplatzes in Ribe, Dänemark einfügt; das Rivesaltes Memorial Museum in Frankreich von Rudy Ricciotti, das mit einer ruhigen und schweigsamen Entschlossenheit in die Erde gegraben ist und kraft seiner Architektur der Geschichte des Internierungslagers Camp Joffre Ausdruck verleiht; mit dem Ely Court ein weiteres Wohnbauprojekt aus London von Alison Brooks Architects und das Katyn Museum in Warschau von BBGK Architekci, Jerzy Kalina und Maksa, das sich eindrucksvoll mit der Geschichte und dem Ort auseinandersetzt.

Im Zentrum der Wanderausstellung, die dieser Tage eröffnet wurde und noch bis zum 22. Oktober geöffnet ist, stehen diesmal keine modernen Kulturtempel, sondern zwei Wohnbauten in niederländischer beziehungsweise belgischer Stadtperipherie. Das Projekt De Flat Kleiburg von NL architects und XVW Architectuur, das sich den Hauptpreis sichern konnte, stemmte laut den Preisjuroren die Mammutaufgabe, einen Plattenbau der 1960er Jahre, noch dazu eingebettet in einen partizipativen Sanierungsprozess, zu sanieren. Ein Beispiel, das laut dem Architekturzentrum auch hierzulande Schule machen könnte. Müssten doch viele in die Jahre gekommenen Großwohnbauten aus dem Nachkriegs-Wien dringend sozial, funktional und technisch erneuert werden.

Der Nachwuchspreis geht an einen sozialen Wohnungsbau des Büros MSA und V+ in Brüssel.

Az W-Direktorin Angelika Fitz ortet aufgrund der Hinwendung zum Wohnbau eine Agenda der Auslober wie Juroren. „Die Hinwendung zum sozialen Wohnbau, aber auch zum Thema Umbau und Weiterbau des Bestandes setzt ein klares Zeichen für eine Reorientierung der Architektur in Richtung einer gebauten Verteilungsgerechtigkeit und des Haushaltens mit Ressourcen.“

Ausstellung: Best-of aus 355 nominierten Projekten

In der Ausstellung sind insgesamt 40 Bauten aus den Bereichen Wohnbau, Kultur, Bildung, Gewerbe und Infrastruktur zu sehen. Sie alle wurden aus insgesamt 355 Projekten aus 36 europäischen Ländern ausgewählt. „Die Ausstellung vermittelt die hohe Qualität der Projekte anschaulich in Modellen, Videos, Originalzeichnungen und Eins-zu-Eins-Konstruktionselementen“, erklärt Kurator Ivan Blasi von der Mies van der Rohe Foundation. Weiters werden im Az W auch die 18 österreichischen Nominierungen gezeigt. Der begleitende Katalog stellt alle nominierten Projekte vor.

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Datum: 24.08.2018