Seit 2012 ist DI Dr.tech Clemens Hecht Sprecher der Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme. © ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsystem

Ethouse Award 2020: Die neuen Sanierkaiser stehen fest

Der gestrige Abend im Zeichen von Energieeffizienz, Klimaschutz, Sanierkunst und verdichteter Architekturqualität: Die Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme (QG WDS) suchte nach optimierten Ausnahmeprojekten und wurde fündig.

Der vom Interessensverband der heimischen Wärmedämmverbundsystem-Industrie ausgelobte Preis ging mit der 2020er-Ausgabe in seine zehnte und damit Jubiläumsrunde. Der Preis würdigt Sanierungen, die das Thema Energieeffizienz ganzheitlich umsetzen und dabei auch architektonisch Impulse setzen. Die Auszeichnung geht sowohl an Architekten als auch an WDVS-verarbeitende Betriebe und war abermals mit einem Preisgeld dotiert. Aufgrund der aktuellen Situation von Indoor-Veranstaltungen ab 100 Personen abzusehen, fand die Preisverleihung nicht wie geplant im designforum Wien statt, sondern virtuell. Das geplante bio-vegetarische Buffet wurde an caritative Einrichtungen gespendet.

Vier Gewinner in drei Kategorien

Ausgelobt wurden die Siegerprojekte in den Kategorien "Privater Wohnbau", "Wohnbau" und "Öffentlicher Bau". Die Jury wählte aus besonders innovativen und energieeffizienten Gebäudesanierungen. Wichtigste Kriterien dabei: Kreativität, Nachhaltigkeit, Energieeffizienz. Hier die ETHOUSE-Gewinner 2020 im Überblick:

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2-Familienhaus, Rum

  • Architektur: U1architektur
  • Projektverantwortlicher: Architekt DI Norbert Buchauer
  • Verarbeitung: Mate & Darko OG, Hall in Tirol
  • Energiekennzahl: Erdgeschoß: 47,7 kWh/m2a, Dachgeschoß: 34,5 kWh/m2a (122,9 kWh/m2a vor Sanierung)
  • Verbesserung in %: Erdgeschoß: 61,2 %, Dachgeschoß: 71,9 %

 

Im Bereich „Privater Wohnbau“ konnte das Mehrgenerationenhaus in Rum die Jury überzeugen: „Dieses Projekt ist ein mustergültiges Beispiel der Nachverdichtung im privaten Wohnbau unter Beibehaltung des ursprünglichen Grundrisses. Die flexible Nutzung zweier Ebenen verdeutlicht die Auseinandersetzung der Planer mit dem Thema Raum.“

Bei der Sanierung dieses Mehrgenerationenhauses in der Tiroler Ortschaft Rum spielte die Nachverdichtung eine große Rolle. Das Dach wurde entfernt und das Gesamtgebäude um ein volles Geschoß aufgestockt. Die beiden Bestandsebenen wurden erweitert: jeweils um eine Raumachse in Massivbauweise und eine vorgesetzte, thermisch getrennte Terrasse. Dabei sind die beiden Ebenen als je eine Wohnung oder als zwei kleinere Einheiten zu nutzen. Die großzügigen Verglasungen werden u.a. durch das auskragende Vordach vor Überhitzung geschützt. Altbau und Zubauten wurden gemeinsam wärmebrückenfrei in einen neuen thermischen Mantel eingebettet. Das Gesamtgebäude wird mittels LuftWasserwärmepumpe beheizt.

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Göthehof, Wien

  •  Einreicher: GSD Gesellschaft für Stadt- und Dorferneuerung Ges.m.b.H.
  • Projektverantwortliche: Werner Rebernig; Arch. Martin Kiener
  • Verarbeitung: ARGE Leyrer+Graf Baugesellschaft m.b.H., Sareno Objektisolierung GmbH & Co KG
  • Energiekennzahl: 44,77 kWh/m2a (167,77 kWh/m2a vor Sanierung)
  • Verbesserung in %: 73,3 %

„Hier wird klar aufgezeigt, dass Denkmalschutz und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen Hand in Hand gehen können. Der Rückbau von befestigten Flächen, die Nachverdichtung und die Barrierefreiheit machen die Wohnanlage fit für die Zukunft", so die hochkarätige Jury zur Wahl des Projektes Göthehof.


Die denkmalgeschützte Wohnhausanlage aus der Zwischenkriegszeit in Wien Donaustadt wurde über mehrere Jahre saniert. Im Zuge der Sanierung wurden zahlreiche Fassadenkunstwerke restauriert, im Dachgeschoss 128 neue Wohnungen geschaffen und an das Fernwärmenetz angeschlossen. Das ehemalige Tröpferlbad erhielt als Wohngemeinschaft für Betreutes Wohnen eine neue Nutzung. Zur verbesserten Wohnqualität nach der Sanierung tragen gegenüber dem Bestand u. a. bei: Der nachträgliche Tiefgaragenbau, er ermöglicht Grünfläche statt Parkfläche im Mittelhof, Freiflächen in den Wohnungen – vor allem im Dachgeschoss –, Aufzugsanlagen sowie barrierefreie Erschließung des gesamten Areals.

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Mariahilferstraße 182, 1150 Wien

  • Architektur: trimmel wall architekten zt gmbh
  • Projektverantwortliche: Günter Trimmel, Isabella Wall
  • Verarbeitung: Leyrer + Graf Baugesellschaft mbH
  • Energiekennzahl: 25,79 kWh/m2a (119,53 kWh/m2a vor Sanierung)
  • Verbesserung in %: 78,4 %

Die Kategorie Wohnbau konnte das Projekt Mariahilferstraße 182 für sich entscheiden. Die Jury begründete: „Es ist besonders, wenn ein stark beschädigtes Gebäude nicht abgerissen, sondern wieder aufgebaut wird. Bemerkenswert ist zudem der städtebauliche Identitätserhalt im Zuge der Sanierung.“

Das stadtbildprägende Gründerzeit-Eckwohnhaus an der äußeren Mariahilfer Straße in Wien wurde nach einer Gasexplosion im April 2014 wiederaufgebaut und auf einem hohen energietechnischen Standard saniert. Die Altbauwohnungen mit offenen, zeitgemäßen Wohnungsgrundrissen und der Dachgeschossausbau erfüllen Passivhausstandard. Im begrünten Innenhof konnten für rund ein Drittel der Altbauwohnungen Freiräume geschaffen werden; die Belichtungssituation im Innenhof wurde durch bauliche Maßnahmen verbessert und eine Aufzugsanlage gewährleistet die barrierefreie Erschließung aller Wohnungen. Die neu aufgebauten Außenwände und die Innenhoffassaden wurden mit einem nachwachsenden Rohstoff gedämmt. Die erhalten gebliebene, gegliederte Straßenfassade wurde mit einem hochwärmedämmenden Putz ausgeführt. Die Erdgeschoßzone wurde neugestaltet und garantiert eine nachhaltige Geschäftslokalvermietung.

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Seniorenwohnhaus Penzing

  • Architektur: Karl und Bremhorst Architekten ZT GmbH
  • Projektverantwortliche: Ingrid Pulkert (Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser, KWP), Arch. DI Christoph Karl, Arch. DI David Schinerl
  • Verarbeitung: DI Wilhelm Sedlak GmbH
  • Energiekennzahl: 22,93 kWh/m2a (160 kWh/m2a vor Sanierung)
  • Verbesserung in %: 85,67 %

Sieger der Kategorie "Öffentliche Bauten" ist das Seniorenwohnhaus Penzing, weil „Das Seniorenwohnhaus hat in seiner gesamten Architektur überzeugt. Der reduzierte Heizwärmebedarf nach der Sanierung ist vorbildlich für die Nutzungsart des Gebäudes.“

Das im Jahr 1971 errichtete Seniorenwohnhaus in Wien Penzing wurde umfassend generalsaniert. Im Mittelpunkt des Planungskonzeptes lag die optische und qualitative Aufwertung der Fassade und der Innenräume wie auch die Umsetzung des Passivhausstandards. So wurde mit einer hellen Fassade und diversen Zubauten das heterogene Erscheinungsbild des Bestandes beruhigt. Lichtdurchflutete Räume und großzügige Gemeinschaftsloggien und Terrassen sorgen nach der Sanierung für eine hohe Wohnqualität. Sowohl die Haustechnik als auch die komplette Innen- und Außenausstattung entsprechen nach der Sanierung zeitgemäßen Standards.

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Datum: 06.03.2020