Der Campus der Wirtschaftsuni Wien besticht nicht nur durch seine mehrfach ausgezeichnete Architektur, sondern auch durch den Einsatz zukunftsweisender Bautechnik. Der größte Teil der Gebäudeklimatisierung wurde mit CLIMATEFIX Aktivdecken von KE KELIT realisiert. © Fischbauer Marcel

Zukunftsfähig Heizen, Kühlen und Wohlfühlen

Beim Heizen und Kühlen stehen die Zeichen auf Veränderung. Wir haben uns mit dem Produktmanagement von ­KE KELIT über die Möglichkeiten der Bauteilaktivierung und Aktivdecken unterhalten.

4W: Immer öfter passiert Heizen und Kühlen nicht mehr vom Boden oder den Wänden aus – die Systeme wandern in die Decke. Welche Möglichkeiten der Deckenaktivierung gibt es?

KE KELIT: Grundsätzlich lassen sich zwei Arten der Deckenkühlung bzw. -heizung unterscheiden. Bei der Bauteilaktivierung werden Heiz- bzw. Kühlrohre bereits beim Bau in die Decken eingelegt, für ein Aktivdecken-System kommen die Rohre erst nach Fertigstellung des Gebäudes in eine abgehängte Decke.

4W: Wir kennen Flächenheizungen bisher vor allem von der Fußbodenheizung. Worin unterscheidet sich die Aktivdecke nun genau? Was macht das Heizen von oben „besser“ als das Heizen von unten?

KE KELIT: Eine Fußbodenheizung erwärmt durch Konvektion in erster Linie die Luft – die Oberflächen bleiben immer kühler als die Heizungsluft. Im Gegensatz dazu erwärmt die Deckenheizung durch den reinen Strahlungsaustausch in erster Linie die Oberfläche, also Decke, Wand, Boden und Möbel. Dadurch werden diese Bauteile wärmer, als die Luft im Raum. Und je wärmer eine Oberfläche ist, desto mehr Wärme strahlt sie auch wieder ab. Man könnte also sagen, dass die reine Wärmestrahlung der Deckenheizung jede Oberfläche des Raumes in eine sanft temperierte Flächenheizung verwandelt. Die Luft bleibt dabei angenehm frisch und wird nicht überhitzt. Ein besonders behagliches Raumklima ist die Folge.

4W: Das Prinzip des Kühlens von oben ist nicht so neu – immerhin arbeiten die meisten Klimaanlagen und Ventilatoren von der Decke aus. Was sind nun aber die Vorteile einer Kühldecke gegenüber traditionellen Systemen?

KE KELIT: Das ist schnell erklärt: Eine Kühldecke macht keinen Lärm, keine Zugluft, muss nicht gewartet werden. Dank der geringen Luftbewegung gibt es weniger Staubaufwirbelung im Raum und der Energieverbrauch ist deutlich geringer, da die Wassertemperaturen in den Röhren höher sind.

4W: Kommen wir noch einmal zur Bauteilaktivierung. Was sind die Vorteile für den Nutzer, wenn Beton als Speichermasse zum Heizen und Kühlen eingesetzt wird?

KE KELIT: Bei der Bauteilaktivierung gibt es unterschiedliche Varianten der Rohrverlegung. Immer wird aber Beton als Speichermasse verwendet. Je tiefer das Rohr in der Betondecke verlegt ist, desto träger wird das Regelverhalten der Bauteilaktivierung. Bei den modernen Systemen befindet sich das Rohr ganz nahe an der Oberfläche, was eine punktgenaue Regelung mittels Raumthermostat ermöglicht.

4W: Wir werden diese Energiesysteme gesteuert?

KE KELIT: Heiz- und Kühldecken werden mittels Einzelraumregelung gesteuert. In jedem Raum befindet sich ein Thermostat, mit dem sich die gewünschte Raumtemperatur einstellen lässt. Da es keine Ventilatoren oder beweglichen Teile gibt, werden auch keine Geräusche erzeugt.

4W: Ein ganz neuer Trend sind die so genannten Metalldeckensegel. Erzählen Sie uns kurz mehr dazu.

KE KELIT: Metalldeckensegel sind großformatige kastenförmige, etwa 5 cm hohe Hohlkörper, die von der Decke abgehängt werden. In diesen Hohlkörper werden Rohre und Wärmeleiteinrichtungen eingelegt und diese erwärmen oder kühlen die Metallsegel. Durch diese großflächige warme oder kühle Deckensegel können Räume angenehm und behaglich beheizt oder gekühlt werden. Ein weiterer Vorteil ist die akustische Aktivierung der Segel da sie zugleich Schalabsorptionsflächen sind.

4W: Aktivdecke ist nicht gleich Aktivdecke. Welche Möglichkeiten der optischen Gestaltung gibt es?

KE KELIT: Bei Aktivdecken gibt es zwei grundsätzlich Materialien die verwendet werde, Gips und Metall. Bei der Farbgestaltung gibt, je nachdem welchen Farbton man wählt, es unendlich viel Möglichkeiten.

Bei der Akustikperforation sind die Auswahlmöglichkeiten nicht so groß. Hier gibt es einen großen Gestaltungsspielraum. Von Kleinen bis große, runden und Quadratischen Löcher viele unterschiedliche Möglichkeiten,

4W: Ich möchte nach- bzw. umrüsten. Vom Heizkörper zur Heizdecke quasi. Welche Lösung empfehlen Sie und wie groß ist der bauliche Aufwand?

KE KELIT: Für die Sanierung empfehlen wir das abgehängte Aktivdeckensystem mit Gipsplatten. Bei diesem System wird von der bestehenden Decke eine Abgehängte Trockenbaudecke aus Gipsdecken abgehängt. In die Unterkonstruktion der Trockenbaudecke werden unsere KCG3 Elemente integriert. Die Aufbauhöhe diese Trockenbaudecke ist ca. 6 – 8 cm. Der bauliche Aufwand ist sehr gering, da kein Estrich oder Wandputz notwendig ist

4W: Wie schaut es bei der Nachfrage aus: Sind Bauteilaktivierung und Aktivdecken eher ein Thema für öffentliche Gebäude und Büros, oder spielen diese Systeme auch im privaten Bereich eine Rolle? Ist hier eine Tendenz beobachtbar?

KE KELIT: Beide Systeme sind universell einsetzbar. Im privaten Bereich wird jedoch eher die oberflächenahe Bauteilaktivierung eingesetzt, da diese günstiger sind.

 

 

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Datum: 12.07.2022

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