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Gelungene Nachverdichtung

Räume mit viel Tageslicht, Flächen zum Spielen und Toben und Ruheplatz am Rande der lauten Innenstadt, ein beispielhaftes Projekt für eine gelungene Nachverdichtung - der Kindergarten Marktstraße in Dornbirn von Marte.Marte Architekten.

Der Bauplatz liegt teils auf dem Grund des angrenzenden Kapuzinerklosters, teils auf dem der Stadt. Hier einen Kindergarten für vier Gruppen, Büroräumlichkeiten für den Vorarlberger Gemeindeverband und eine öffentliche Tiefgarage zu errichten, war die Aufgabenstellung im einstufigen Realisierungswettbewerb der Stadt Dornbirn, den Marte.Marte Architekten für sich entscheiden konnten.

Sensibel in den Bestand integriert

Eingebettet in einen weitläufigen, öffentlichen Erholungs- und Bewegungsraum haben die Planer den Kindergarten – von der angrenzenden Marktstraße zurückversetzt – zwischen Kloster und Vorarlberger Gemeindehaus positioniert. Die bestehende Grenzmauer zum Kloster wurde abgebrochen und eine neue Struktur versetzt errichtet. Ebenso musste ein Wirtschaftsgebäude weichen, ein Geräteschuppen und ein überdachter Sitzplatz wurden stattdessen gebaut. Den denkmalgeschützten Baumbestand haben die Landschaftsarchitekten Schneider-Moosbrugger in ein modernes Grünkonzept integriert, das ein harmonisches Ganzes bildet. Ein großzügiger Spielgarten ist das Herzstück der Anlage, er ist auch außerhalb der Öffnungszeiten des Kindergartens öffentlich zugängig.

© Faruk Pinjo

Kompakter Kubus mit Einschnitt

Der zweigeschoßige Baukörper mit annähernd quadratischem Grundriss zeigt sich als prägnanter und selbstbewusster Solitär, der von einem Spiel heller Beton- und großzügiger Glasflächen bestimmt wird. Während das Erdgeschoß mit einer umgehenden Glasfassade nach außen leicht, transparent und offen erscheint, stapelt sich darüber ein massiver, geschlossener Betonkörper mit präzise überlegten Öffnungen. Diese Dualität ist das grundlegende Konzept des Gebäudes und wurde von den Planern konsequent umgesetzt. „Wir wollten sowohl extrovertierte Räume schaffen, die mit dem Außen kommunizieren, als auch introvertierte, die sich nach Innen öffnen“, erklärt Martin Skalet, Projektleiter von Marte.Marte Architekten. Ein schmaler Innenhof durchbricht die Volumina und sorgt für ausreichend natürliche Belichtung. Ein großzügiger Innenhof im Obergeschoß bietet den Kindern einen großen Bewegungsfreiraum in geschützter Atmosphäre.

© Faruk Pinjo

Räumliche Transparenz

Die Erschließung des Gebäudes erfolgt über zwei voneinander getrennte Zugänge. Im Osten ist der Eingangsbereich für den Gemeindeverband – zu Büros und Sitzungssaal, die nordseitig im Erdgeschoß untergebracht sind. Südseitig ist der Zugang zum Kindergarten positioniert, hier befinden sich die „öffentlichen“ Räumlichkeiten: Es wird gegessen, gespielt, geturnt und gelernt. Die transparente Gebäudehülle mit raumhohen Fenstern lässt Innen- und Außenräume fließend ineinander übergehen. Im Obergeschoß sind die „privaten“ Räume der vier Kindergartengruppen um ein zentrales Atrium angeordnet, hier lassen die Architekten einen großzügigen, offenen Spielraum entstehen. Raumhohe Glaselemente öffnen sich zu einem introvertierten Bewegungsfreiraum, einem übersichtlichen Innenhof, der von den Kindern als ganzjähriger Outdoorspielraum genutzt wird. Jeder Gruppe ist ein zusätzlicher Ausweichraum zugeordnet, den beiden nach Süden orientierten Gruppenräumen auch eine Loggia.

© Faruk Pinjo

Energetisches Konzept

Die Heizung und Kühlung des Gebäudes erfolgt mittels Wärmepumpe über eine Fußbodenheizung beziehungsweise -kühlung. Zusätzliche Wärme wird bei Bedarf über Nahwärme bereitgestellt. Eine kontrollierte Be- und Entlüftung versorgt das Erdgeschoß mit Frischluft, eine Wärmerückgewinnung bei der Lüftungsanlage sowie ein luftgekühlter Kaltwassersatz minimieren dabei den Energieverbrauch. Die Warmwasserbereitung ist dezentral. Eine Photovoltaikanlage am Dach des Kindergartens liefert den Strom. Für die Verschattung der Glasflächen wurden externe, standardisierte, silberfarbene Metalljalousien eingesetzt.

© Faruk Pinjo

Puristische Materialien: Sichtbeton, Glas, Holz

Sichtbeton und Glas bestimmen sowohl die Fassade als auch den Innenraum. Der Massivbau in roh belassenem Ortbeton besteht aus einer Außenwand mit 18 Zentimetern Stärke, einer Kerndämmung von 26 Zentimeter und einer Innenwand von 22 Zentimeter. „Beton bietet uns die Möglichkeit ein Gebäude aus einem einzigen Guss zu erstellen und dient noch dazu als Speichermasse“, präzisiert Martin Skalet. „Wir sind auch davon überzeugt, die Farben und Oberflächentexturen so zu belassen, wie sie sind. Die Steine vor Ort haben einen ganz besonderen Farbton und den wollten wir erhalten.“

© Faruk Pinjo

Holz vervollständigt die Materialpalette und findet Verwendung in Boden, Decke und Wandverbauten. Die Holzverkleidung der Decken aus perforierten Elementen sorgt für eine optimale Akustik der Räume. „Wir sind überzeugt, dass Beton sehr warm wirkt und farblich mit den Holzflächen wunderbar harmoniert.“ Jeder Gruppe wurde ein spezieller Farbton für die Kleinmöbel und Sanitäreinrichtungen zugeordnet. Farbig gestaltet sind auch die Betonwände der Tiefgarage: Mit vergrößerten Kinderzeichnungen bemalt und beschriftet erscheinen sie wie ein buntes Bilderbuch. Ebenso das Leitsystem des gesamten Gebäudes: Beschriftungen von Kindeshand wurden vergrößert und an die Wand gemalt. Entstanden ist ein kindgerechtes und inspirierendes Lebensumfeld für rund 90 Kinder in einer wohnlichen Atmosphäre.

Projektdaten Kindergarten Marktstraße:

Bauherr: Amt der Stadt Dornbirn
Architektur: Marte Marte Architekten, Feldkirch
Projektleitung Architektur: Martin Skalet
Statik: M+G Ingenieure
Bauphysik: DI Günter Meusburger GmbH
Baufirma: i+R Bau GmbH
Planungsbeginn: 07/2013
Fertigstellung: 12/2016
Bruttogeschoßfläche: 3.165,10 m²
Nutzfläche: 1.606m² +1.160m² Tiefgarage
Bebaute Fläche: 967 m²
Umbauter Raum: 12.567m³
Energiekennwert: HWB 21 kWh/m²a
Konstruktion: Massivbauweise in Sichtbeton, Glasfassade mit Holzrahmen
Ausbau: Böden, Wandverkleidungen und Decken in Holz

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Datum: 09.09.2019