Tschechien: Flächennachfrage lässt nach

Die Spitzenmieten auf dem Prager Büroimmobilienmarkt verharren auf einem stabilen Niveau, mit einem Leerstandsrückgang wird jedoch nicht gerechnet. Mieteranreize sind erst bei längerem Leerstand von Bedeutung.

Das Wirtschaftswachstum hat in der tschechischen Republik im Verlauf des letzten Jahres deutlich an Fahrt verloren. Für das laufende Jahr deuten die jüngsten Prognosen sogar darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung auf dem Vorjahresniveau stagnieren wird. Das schwache Konsumklima sowie Probleme bei der Regierungsbildung belasten die wirtschaftliche Situation zusätzlich. Die Arbeitslosenquote ist nichtsdestotrotz im Jahresvergleich von 6,9 Prozent auf 6,6 Prozent gesunken, wird 2012 jedoch wieder leicht zulegen. Die Abwertung der tschechischen Krone sowie anziehende Öl- und Lebensmittelpreise lassen die Inflationsrate in 2012 voraussichtlich auf rund drei Prozent ansteigen.

Prag: Gesteigerte Nachfrage reduzierte Leerstand

Die Flächennachfrage auf Prags Büromarkt zog im letzten Jahr gegenüber 2010 deutlich an. Der Flächenumsatz (ohne Mietverlängerungen) hat sich auf knapp 200.000 m2 erhöht. Da im vergangenen Jahr mehr Flächen zusätzlich belegt als freigesetzt wurden (positive Nettoabsorption), sank die Leerstandsquote von 13,2 Prozent auf zwölf Prozent. Im ersten Quartal 2012 legte sie jedoch wieder zu, da ein weitgehend leerstehendes Bürogebäude fertiggestellt wurde und die Flächennachfrage gegenüber den Vorquartalen nachließ. Die für 2012 geplanten Fertigstellungen weisen zwar einen hohen Vorvermietungsgrad auf; angesichts der schwachen wirtschaftlichen Vorgaben ist ein weiterer Leerstandsrückgang kurzfristig jedoch fragwürdig.

Die Spitzenmieten auf dem Prager Büroimmobilienmarkt verharrten sowohl im vergangenen als auch im ersten Quartal dieses Jahres auf einem stabilen Niveau. Die Höchstmiete von 252 Euro/m2 p.a. wird im zentralen Geschäftsviertel erzielt, während die zentrumsnahen Teilmärkte Pankrác, Smichov und Karlin Mieten zwischen 180 und 210 Euro/m2 p.a. aufweisen. Das Mietniveau außerhalb der City liegt zwischen 156 und 174 Euro/m2 p.a. Inwiefern die Nominalmieten durch Mietanreize gestützt werden, ist abhängig von der Lage und der Qualität der jeweiligen Immobilie; Mieteranreize sind insbesondere bei längerem Leerstand eines Objektes von Bedeutung.

Bürosektor profitiert mäßig vom Umsatzboom 2012
Der tschechische Investmentmarkt erzielte letztes Jahr mit 2,2 Milliarden Euro das zweithöchste Transaktionsvolumen seiner Geschichte. Dies ging insbesondere auf mehrere umfangreiche Transaktionen im Handelssektor zurück. Der Anteil der Büroinvestments am Gesamtvolumen sank daher von den üblichen rund 50 Prozent auf etwa 29 Prozent des Transaktionsvolumens. Nachfrager auf dem Investmentmarkt waren vor allem ausländische Investoren, angeführt von britischen (43 Prozent) und österreichischen (21 Prozent) Käufern. Die Spitzenanfangsrendite zeigte sich im vergangenen Jahr stabil bei 6,5 Prozent.

Im ersten Quartal 2012 bekommt auch der tschechische Investmentmarkt die europäische Staatsschuldenkrise über die Verknappung an Immobilienkrediten zu spüren. So wurden in den ersten Monaten dieses Jahres keine nennenswerten Transaktionen getätigt.

(Quelle: IVG-Marktreport "Europäische Büroimmobilienmärkte 2012")

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Datum: 18.07.2012

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