Architekturtalk zu Stadt und Speckgürtel

Der Urbanisierungsdruck steigt – zulasten der ländlichen Räume und der Lebensqualität in den verstädterten Zonen. Welchen Herausforderungen sich Planer stellen müssen, war Gegenstand der der Grohe-Dialogreihe in Wien.

Der Ausstattungsspezialist für Küche und Bad lädt seit 2009 zum illustren Meinungsaustausch: In „trends thesen typologien“ wurden in prominenter Wien-Runde nun nach möglichen Szenarien einer sozial gerechten, möglichst verdichteten sowie mobilitätstauglichen Architektur für die wachsenden Ballungsräume (und ihr Umland) diskutiert. Am Prüfstand: insbesondere der infrastrukturelle Bedarf. Gleichzeitig versuchte man neue Gedankenmodelle – nicht nur für die Stadt – auf ihre Alltagstauglichkeit hin abzuklopfen.

Ein Großteil der Debatte drehte sich natürlich um die Klassiker der aktuellen Stadtentwicklung – leistbare Wohnungen und möglichst kurze Wege. Am Podium dazu mit dabei waren Anna Popelka (PPAG architects Wien) Christoph Stadlhuber (Signa), Regina Freimüller-Söllinger (Freimüller Söllinger Architektur ZT GmbH in Wien) und Gerhard Wittfeld (Architekturbüro kadawittfeldarchitektur, Aachen/Berlin). Dabei wurde aber auch nach Neuem Ausschau gehalten.

Sharing-Society: mehr als ein Strohfeuer?

Freimüller-Söllinger stellte den neuen Lebensstil einer auf dem Sharing-Modell basierendem Modell der jungen Generation auf städtische Beine. Ihr Wunsch? Der öffentliche Wohnungsbau solle mehr Raum für Experimente schaffen. Dafür brauche es aber auch Druck und Rückhalt in der urbanen Zivilgesellschaft. Den Sharing-Gedanken ebenfalls für zukunftsfähig hält auch Signa-Allrounder Christoph Stadlhuber. Er ortet einen internationalen Trend, der Zulauf fände, aber der Gesellschaft nicht einfach verordnet werden könne.

Die Gruppe nahm auch die politischen Player ins Gebet. Ihre These: Mutige Ideengeber und Vordenker sowie eine aufgeschlossener agierende Gesellschaft könne ohne politische Rahmenbedingungen und Regelwerke nicht Raum greifen. Platz.

Appel einer Architektin: „Mutig sein“

Die Referentin und selbstständige Architektin Anna Popelka sah keine Hindernisse in den Vorgaben, sondern eher einen mangelnden Mut bei einigen Entscheidungsträgern. Die Architektur bräuchte radikalere Projekte, die Experimenten gleichkämen, damit man sich von Homogenität verabschiede. Ihr Vorschlag ist, mit der Bevölkerung Ziele zu formulieren statt Lösungen zu besprechen. Dagegen hielt Gerhard Wittfeld, mit der Ansicht, dass die Bevölkerung nicht immer involviert werden müsse. Viel eher müssten Umschwünge aus dem sozialen Kontext kommen und sicherlich sei es auch nicht schlecht, wenn Projekte länger reifen dürften.


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Datum: 12.11.2018

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